Tech-Firmen treiben die Londoner Büropreise auseinander

In London geraten die Preise für alte Büroräume unter Preisdruck, dafür werden Mieten in neuen Objekten noch teurer. Dies hat einiges mit den Arbeitsgewohnheiten von Tech-Mitarbeitern zu tun.
12.01.2019 16:31
Bürotürme in der Londoner City, rechts der von der Swiss Re erbaute «Gherkin».
Bürotürme in der Londoner City, rechts der von der Swiss Re erbaute «Gherkin».
Bild: Pixabay

In der Vergangenheit haben sich die Mieten für neue und alte Büroflächen in der britischen Hauptstadt tendenziell parallel entwickelt. Es wird jedoch erwartet, dass die Nachfrage nach den besten Büroräumen die Mieten für diese Gebäude in den nächsten Jahren in die Höhe treiben wird, während ältere Büros sinkende Mieten verzeichnen dürften, was zu einem Zwei-Klassen-Markt mit grossen Gewinnern und Verlierern führt.

Vermieter mit neuen Gebäuden mit den neuesten Anforderungen können auch in einem von Brexit-Unsicherheiten geprägten Markt Rekordpreise verlangen. Dies liegt daran, dass sich die Unternehmen verstärkt darauf konzentrieren, Mitarbeiter zu gewinnen und zu halten, deren Erwartungen bezüglich der Büro-Gestaltung von Unternehmen Google oder Facebook geprägt wurden.

"In den letzten vier Jahren habe ich die grösste Veränderung bei den Erwartungen und der Haltung der Nutzer gesehen", sagte Colette O’Shea, Geschäftsführerin des Londoner Portfolios bei Land Securities Group, dem zweitgrössten Immobilieninvestmenttrust Grossbritanniens. "Wir sehen es in allen Bereichen des Lebens. Es geht um Qualität und Flexibilität. Die Menschen sind bereit, für etwas zu zahlen, von dem sie meinen, dass es einen guten Wert hat."

Leerstand bei älteren Flächen wächst

Entwicklungsengpässe haben in den letzten Jahren das Angebot an neuem Büroraum in London auf den niedrigsten Stand seit 2001 gedrückt. Gleichzeitig stieg die Verfügbarkeit von älteren Flächen auf fast drei Viertel des gesamten Leerstands in der Hauptstadt, den höchsten Stand seit 16 Jahren. Mieten für Neubauten dürften bis 2022 um 2 Prozent pro Jahr steigen, während die Mieten für überschüssige Flächen in älteren Gebäuden um 1 Prozent pro Jahr sinken werden.

Früher sei es der Finanzdirektor gewesen, der die Entscheidung bei Büroumzügen getroffen habe, sagt Julian Agnew, Chief Investment Officer für Grossbritannien bei LaSalle Investment Management. "Jetzt ist es die Personalabteilung, die die Entscheidung trifft." Fortschritte im Gebäude-Design wirken sich ebenfalls aus. Dadurch, dass mehr Mitarbeiter auf viel weniger Raum untergebracht werden, helfen die Effizienzsteigerungen den Unternehmen, schillernde neue Immobilien zu mieten und gleichzeitig die Kosten unter Kontrolle zu haben, was wiederum die Mieten im obersten Marktsegment anschiebt.

Die Nachfrage nach flexiblen Büroflächen in neueren Gebäuden wurde anfangs von Tech-Start-ups und Freiberuflern angeheizt, die sonst möglicherweise ältere Flächen gemietet hätten. Zunehmend suchen grosse Unternehmen jedoch nach flexiblen Angeboten von Unternehmen wie WeWork, um Standorte für Teams ausserhalb der Unternehmenszentrale bereitzustellen. Die Divergenz zwischen den besten und den restlichen Büros in London hat auch Erwartungen gedämpft, dass der bevorstehende Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union zu einem generellen Einbruch der Mieten führen würde.

(Bloomberg/cash)