Technologie - Wird Chiphersteller Nvidia weiter in der Gunst der Märkte stehen?

Der Technologiekonzern Nvidia hat an der Börse einen enorm guten Verlauf gezeigt. Der Hersteller von Grafikkarten hat auch weiter sehr gute Aussichten, muss aber ein spezifisches Problem erfolgreicher Firmen fürchten.
30.08.2018 17:03
Von Marc Forster
Jen-Hsun Huang ist CEO und Präsident von Nvidia in einem.
Jen-Hsun Huang ist CEO und Präsident von Nvidia in einem.
Bild: Bloomberg

Eine Aktie, die ihren Wert innerhalb von drei Jahren verzehnfacht, findet man nicht jeden Tag. Sowieso nicht bei einem grossen, etablierten Konzern. Mit dem Titel von Nvidia ist aber genau dies passiert. Der Kursgewinn innerhalb der vergangenen 36 Monate beträgt 1083 Prozent.

Der Kurs der Nvidia-Aktie in den vergangenen drei Jahren (Chart: cash.ch)

Auch wenn man weniger lange zurückschaut, ist die Performance der Nasdaq-kotierten Aktie beachtlich. Auf ein Jahr zurückblickend nahm der Wert des Titels um 71 Prozent zu, seit Anfang Jahr 44 Prozent. In den vergangenen vier Wochen waren es 10 Prozent. Mit anderen Worten, die Nvidia-Aktie steigt quasi nur. Daher ist es auch nachvollziehbar, dass Nvidia unter anderem zu den beliebtesten in der Schweiz gehandelten ausländischen Aktien gehört (cash berichtete).

Der Halbleiterkonzern Nvidia steht für Grafikkarten, die unter anderem erfolgreich in Personal Computern und Konsolen für Videospiele verbaut werden. Die unter den Namen Geforce verkauften Grafikkarten finden sich weltweit in vielen Computern, vergleichbar nur mit den Produkten der Radeon-Familie des Konkurrenten AMD. Ob Nvidia oder AMD das bessere System hat, ist unter den Nutzern eine Glaubensfrage ähnlich wie beispielsweise bei Smartphones die Diskussion, ob die Betriebssysteme von Apple oder Samsung jeweils überlegen seien.

Die Gaming-Sparte von Nvidia beschäftigt Beobachter derzeit noch mehr. Wie gut das Geschäft mit Videospielen läuft, zeigen die neuesten Zahlen zum zweiten Quartal, die vor einigen Tagen präsentiert worden sind. Die Gaming-Sparte hat in der Periode ihren Umsatz um die Hälfte auf 1,8 Milliarden Dollar gesteigert, während der ganze Konzern die Einnahmen um 40 Prozent auf gut 3,1 Milliarden Dollar heraufschraubte.

Dass der Kurs von Nvidia so stark gestiegen ist, hat auch noch einen weiteren Zusammenhang: Im Mining von Kryptowährungen setzt man auf Chips von Nvidia. Der Hype um Bitcoin & Co. hat sich inzwischen allerdings stark gelegt, so dass dieser als Kurstreiber für die Aktie in nächster Zeit wegfallen wird. Dies allein soll bestehende oder potentielle Investoren in Nvidia noch nicht abschrecken, denn auch ohne die Kryptoschürfer sind die Marktchancen des Konzerns intakt.

Eine neue Geforce RTX-20-Serie von Grafikkarten mit der so genannten Turing-Architektur wird nach Einschätzungen von Experten den Boom bei Nvidia weiterführen: Diese Produktegeneration wurde dieser Tage an der Spielemesse Gamescom in Köln vorgestellt und kam insbesondere wegen der Licht- und Schatteneffekte sehr gut an.

Gut fährt Nvidia auch mit der Ausrüstung von Rechenzentren, die grosse Datenmengen verarbeiten. Schliesslich hat Nvidia auch einen Fuss in der Entwicklung des Autonomen Fahrens. Alles in allem gibt es also keinen Grund, weswegen die Geschäfte bald erlahmen sollten. Nicht ohne Grund sind die Kommentare von Analysten zu Nvidia sehr positiv, und trotz des hohen Kursanstieges empfehlen manche Banken die Aktie nach wie vor zum Kauf.

Hohe Bewertung

Doch es gibt ein "Aber". Unternehmen wie Nvidia mit enormem Erfolg am Markt und dabei einer aussergewöhlichen Kurssteigerung in den vergangenen Jahren haben ein bestimmtes Risiko: Sie sind auf diese Weise teuer geworden und können schnell Opfer des eigenen Erfolgs werden. Anleger des ähnlich erfolgreichen Schweizer Peripherieherstellers Logitech kennen dieses Problem. Die Erwartungen laufend übertreffen zu müssen kann zum Bumerang werden.

"Die hohe Bewertung verzeiht keine auch nur leichte Verfehlung der Markterwartung", schreibt die DZ Bank einer Analyse. Das deutsche Geldhaus schätzt das Kurs-Gewinn-Verhältnis im laufenden Jahr auf 36. Das ist nicht ganz so hoch wie bei Konkurrent AMD (41), aber deutlich höher als etwa bei Qualcomm (18), Intel (11) oder Texas Instruments (19).

Und auch wenn Analysten das Nvidia-Engagement in der künstlichen Intelligenz loben, wozu das autonome Fahren gehört: In diesem Bereich hat der Konzern nicht die gleiche marktbeherrschende Stellung wie anderswo und kämpft mit erfolgreichen Konkurrenten. Dazu kommen weitere Risiken wie der allgemein fragile Aktienmarkt. Dies alles führt dazu, dass das Schicksal der Nvidia-Aktie derzeit etwas "auf Messers Schneide" steht. Befürchtet wird, dass unter den bisher so kursverwöhnten Anlegern von Nvidia das Gewicht jener zunimmt, die bei dieser Aktie "short" gehen.