Tencent, Alibaba und Co. - In China-Aktien investieren, aber richtig

Auch Aktien aus China sind 2017 deutlich gestiegen, teils noch deutlicher als anderswo. Doch China-Investments erfordern einiges an Know-how. cash sagt, welche Anlagemöglichkeiten sich Privatinvestoren bieten.
22.11.2017 22:45
Von Pascal Züger
Der Tencent-Hauptsitz in Shenzhen, China.
Der Tencent-Hauptsitz in Shenzhen, China.
Bild: Bloomberg

Im Zusammhang mit China-Aktien ist vielen Anlegern der Hongkonger Leitindex Hang Seng ein Begriff. Dieser konnte im laufenden Jahr satte 37 Prozent zulegen. An der Hongkonger Börse sind etwa der Internetriese Tencent, die Bank of China oder der weltweit grösste Mobilfunkanbieter China Mobile kotiert. Doch der Börsenplatz Hongkong ist nicht 100 Prozent repräsentativ für chinesische Aktien. Der Hang Seng beinhaltet zum Beispiel auch ausländische Aktien wie die britische Bank HSBC. Und nicht einmal ein Viertel aller börsenkotierten chinesischen Gesellschaften sind in Hongkong kotiert (die sogenannten H-Shares).

Das heisst: Knapp drei Viertel aller börsenkotierten China-Firmen sind nur an Chinas Festlandbörsen in Shanghai und Shenzen zu kaufen. Diese Valoren werden A-Aktien genannt und werden vor allem von chinesischen Kleinanlegern gehandelt - da der Zugang für ausländische Investoren stark eingeschränkt ist.

Schweizer Privatanleger können über entsprechende aktive oder passive Fonds solche A-Aktien handeln. Die grossen chinesischen Tech-Giganten Alibaba, Baidu und Sina sind wiederum an der US-Börse zu Hause. Hier ein Überblick über die grössten China-Aktien "Festland" und "Ausland":

Grösste China-Aktien

Festland-Börse (A-Shares) Ausländische Börsen (H-Shares und weitere)
Titel Performance, 1 Jahr (in %) Titel Performance, 1 Jahr (in %)
Ping An Insurance +98 Tencent* +123
China Minsheng Bank -4 Alibaba** +104
Industrial Bank +13 China Construction Bank* +32
China Merchants Bank +71 Baidu** +49
Bank of Communications +14 China Mobile* +0
Index CSI 300 +23 Index MSCI China +42

*H-Shares / ** In den USA kotiert
Quellen: cash.ch, Bloomberg

Es ist aus Anlegersicht nicht unerheblich, ob man in einen Index mit Festland-Aktien oder einen solchen mit im Ausland kotierten Werten investiert. Das zeigt etwa der Performanceunterschied in der Tabelle oben: Der CSI 300 Index - bestehend aus den 300 grössten Festlandaktien (A-Shares) - hat in den letzten 12 Monaten 23 Prozent zugelegt. Der MSCI China hingegen– er bildet die grössten China-Werte ohne Festlandaktien ab – ganze 42 Prozent.

Tech-Riesen mit weiterem Potenzial

Das ist kein Zufall: Beim MSCI China hat der Tech-Sektor mit 40 Prozent deutlich die stärkste Gewichtung, gefolgt vom Finanzbereich. Der CSI 300 hingegen besteht primär aus Finanztiteln und Industriewerten. Heinz Rüttimann, Schwellenlandexperte bei der Bank Julius Bär, bevorzugt genau wegen dieser unterschiedlichen Gewichtungen den MSCI China, also der Index mit den China-Aktien mit ausländischer Kotierung. Auf cash-Anfrage sagt er: "Die langfristige Perspektive vom IT-Sektor ist in Asien sehr gut." 

Rüttimann sieht im chinesischen Tech-Sektor eine ähnliche Entwicklung wie in den USA, wo grosse Firmen wie Facebook, Microsoft und Google den Markt dominieren. Mit einem entscheidenden Unterschied: "In Asien ist diese Entwicklung noch in einem früheren Zyklus, so dass die Bewertungen der entsprechenden Titel noch attraktiver als in den USA sind."

Aber die Kurse der chinesischen Tech-Firmen sind bereits mächtig am Aufholen: Internetriese Tencent (plus 123 Prozent in den letzten 12 Monaten) hat diese Woche bezüglich Börsenwert erstmals Facebook überholt. Es ist nun das erste chinesische Unternehmen überhaupt mit einem Börsenwert von über einer halben Billion Dollar. Auch der Onlinehändler Alibaba (plus 104 Prozent) und die Suchmaschine Baidu (plus 49 Prozent) haben im gleichen Zeitraum deutlich zugelegt.

Im Gegensatz zu ihren amerikanischen Pendants wachsen die chinesischen Internetfirmen mehrheitlich im Heimatmarkt und noch nicht global wie Facebook und Co. "Die Internetverbreitung hat in letzter Zeit vor allem in den ländlichen Gegenden Chinas stark zugenommen und beträgt inzwischen 65 bis 75 Prozent", sagt Victoria Mio, Robeco-Fondsmanagerin im cash-Video-Interview.

Schauen Sie zu diesem Thema auch das cash-Video-Interview mit Victoria Mio, Fondsmanagerin und China-Expertin bei Robeco. Mio sagt, wieso A-Aktien für Schweizer Anleger spannend sind und weshalb die hohe Verschuldung Chinas kein Problem darstellt.

Die gebürtige Chinesin Mio sieht aber wie Rüttimann noch weiteres Wachstumspotenzial, da die Zahl der Mobile-Benutzer weiter zunehme und auch das Thema künstliche Intelligenz für einen weiteren Schub sorgen werde. Zudem haben diese Firmen noch die Möglichkeit, global stärker zu expandieren. Auch wenn es schwierig werden dürfte, den US-Firmen den Rang abzulaufen.

A-Aktien könnten bald Schwung bekommen

Doch nicht nur die grossen Internet-Firmen, auch die chinesischen Festlandaktien könnten eine Überlegung Wert sein. Denn Chinas A-Aktien werden künftig in den Indizes von MSCI berücksichtigt. Bis Sommer 2018 sollten diese Aktien etwas über 0,7 Prozent des MSCI Emerging Markets Index ausmachen. Robeco rechnet auf längere Frist mit einem Anteil von 8,6 Prozent am Index. Das könnte den A-Aktien Schwung verleihen.

Fondsmanagerin Mio sieht noch einen weiteren Grund, weshalb A-Shares für Schweizer Anleger spannend sind: "Chinas Festland-Aktien korrelieren aufgrund der Kapitalkontrollen nur sehr wenig mit dem internationalen Aktienmarkt, was dem Investor eine Chance zur Diversifizierung bietet."

Damit Chinas Aktienmarkt aber tatsächlich florieren kann, muss auch das wirtschaftliche Wachstum mitspielen. Was derzeit der Fall ist: Im dritten Quartal 2017 wuchs die weltweit zweitgrösste Volkswirtschaft um 6,8 Prozent - das liegt deutlich über dem Regierungsziel von rund 6,5 Prozent. Für die nächsten 10 Jahre rechnet Mio mit einem jährlichen Wachstum von 5 bis 6 Prozent.

Kritiker sehen jedoch auch grosse Gefahren für China, etwa die weiterhin hohe Kreditvergabe und die vielen  Staatsbetriebe, die auf Biegen und Brechen am Leben erhalten werden. Das feuert die hohe Verschuldung im Land weiterhin an. Ausserdem sind die Immobilienpreise über die letzten Jahre stark angestiegen, die Gefahr einer Immobilienkrise ist daher ein steter Begleiter. Solange das wirtschaftliche Wachstum in China jedoch weiter stimmt, dürften diese Probleme im Hintergrund bleiben und der guten Börsenstimmung keinen Abbruch tun.

Auswahl an passiven und aktiven China-Fonds

Produkt Performance,
1 Jahr
Gesamtkosten Beschrieb
HSZ China Fund USD +71% 1,68% Bester aktiver China-Fonds der letzten 12 Monate. Hält auch A-Shares. Grösste Einzelpositionen: Alibaba (9%), Ping An Securities (8%) und Tencent (7%). Relativ teuer.
iShares MSCI China Index ETF +41% 0,6% Passiver Fonds, bildet Performance des MSCI China nach. Das Schwergewicht liegt auf Tech-Firmen (40%), Tencent und Alibaba alleine machen 32 Prozent des Index aus.
ComStage FTSE China A50 UCITS ETF +38% 0,4% Passiver Fonds, bildet Performance der 50 grössten Festland-Aktien (A-Shares) nach.  Sehr finanzlastig (37 Prozent Banken, 14 Prozent Versicherungen und 9 Prozent weitere Finanzdienstleister)
Robeco Chinese Equities D EUR +37% 1,72% Aktiver verwalteter Fonds, der auf eine gute Unternehmensführung achtet und zu 35 Prozent auf Tech-Firmen setzt. Relativ teuer.

Quelle: cash.ch