Tesla will Allround-Anbieter in der E-Mobilität werden

Tesla-Chef Elon Musk setzt zum grossen Wurf an und will den E-Auto-Pionier zu einem Komplettanbieter für Elektro-Mobilität ausbauen.
24.07.2016 15:35
Elon Musk, Mitgründer und CEO von Tesla.
Elon Musk, Mitgründer und CEO von Tesla.
Bild: Bloomberg

In seinem neuen "Masterplan" kündigte er nicht nur an, dass das US-Unternehmen seine Modellreihe auf alle wichtigen Fahrzeugvarianten erweitern will. Bald sollen auch elektrische Busse und Lastwagen gebaut werden. Neben einer Carsharing-Flotte will Tesla in Zukunft auch Solardächer für Häuser mit integrierten Batteriespeichern anbieten. Trotz der Sicherheitsdebatte nach einem tödlichen Unfall in einem Tesla will Musk das Konzept des autonomen Fahrens vorantreiben. Alle Modelle sollen künftig vollständige Selbstfahrfähigkeiten haben, auch Busse und Lkw.

Bereits im nächsten Jahr will Tesla seine Modellpalette kräftig ausweiten. Neben dem Lastwagen Tesla Semi sollen dann ein Bus für den öffentlichen Nahverkehr, ein Pick-up und ein Kompakt-SUV angeboten werden. Bislang setzt Tesla auf den Sportwagen Model S und das größere Model X. Nächstes Jahr soll der günstigere Mittelklasse-Wagen Model 3 auf den Markt kommen.

Insgesamt will der Konzern aus dem Silicon Valley dieses Jahr bis zu 90.000 Autos ausliefern. 2018 sollen es dann schon 500.000 sein. Bei all den ambitionierten Plänen gibt es aber auch Zweifel, ob das Unternehmen einer höheren Nachfrage gewachsen ist. So steht Tesla nach erneuten Lieferproblemen unter Druck. Im vorigen Quartal hatte die Firma zum zweiten Mal in Folge weniger Autos an seine Kunden ausgeliefert als in Aussicht gestellt.

Vom Nischenanbieter zum Allrounder der E-Mobilität

In seinem "Masterplan, Teil zwei" skizziert Musk nun den Weg, auf dem er sein Unternehmen aus der Nische heraussteuern will. Tesla soll zu einer Art Komplett-Anbieter rund um die E-Fahrzeugtechnik werden. Künftig soll der Kunde nicht nur Akkus aus dem Hause Tesla erhalten. Sein Auto kann er demnach auch mit eigenem Strom aus Tesla-Solardächern und Speichern aufladen. Letztlich will Musk, dass der Tesla-Kunde seinen Alltag weitgehend mit Hilfe der Solartechnik gestaltet. In diesem Zusammenhang warb er erneut für seine Pläne für eine Übernahme des Solarpanel-Herstellers SolarCity, die unter Investoren wegen immenser Investitionen umstritten ist.

Umstritten ist auch das Konzept des autonomen Fahrens, das derzeit die gesamte Branche, aber auch Technologie-Konzerne wie Apple und Google umtreibt. Musk verteidigt sie vehement gegen Sicherheitsbedenken. Tesla werde eine Selbststeuerungstechnik entwickeln, die zehn Mal sicherer sein werde als die manuelle Steuerung, kündigte er an. Diese werde dann in allen Tesla-Fahrzeugen zum Einsatz kommen. Einen Zeitrahmen dafür nannte Musk nicht. Er deutete aber an, dass eine fünfjährige Testphase nötig sein werde.

Per Smartphone zum Mietwagen

Zudem soll der Tesla-Fahrer sein Auto per Smartphone-App in einen Mietwagen umwandeln können. So könne der Besitzer mit dem Wagen Geld verdienen, wenn er ihn nicht brauche, erklärte Musk in einer offenen Kampfansage an Fahrdienste wie Uber. In Städten, in denen die Nachfrage aber dieses Angebot übersteige, werde Tesla dann eine eigene Carsharing-Flotte zur flexiblen Anmietung anbieten.

Musk ist mit seinen Plänen nicht allein in der Branche. So arbeitet etwa auch schon Daimler an selbstfahrenden Lkw. Hersteller wie Daimler und BMW bieten bereits in einigen Städten Carsharing-Flotten an. Auch General Motors und Toyota mischen hier kräftig mit.

(Reuters)