Therapie gegen Brustkrebs - Kursfeuerwerk in Roche-Bons nach positiver Studie

Die Genussscheine von Roche verzeichnen am Donnerstag im frühen Handel kräftige Kursgewinne. Der Pharmakonzern hat in der wichtigen Aphinity-Studie den primären Endpunkt erreicht.
02.03.2017 10:25
Eine positiv abgeschlossene Studie verhilft den Genussscheinen von Roche am Donnerstag zu einem Kurssprung.
Eine positiv abgeschlossene Studie verhilft den Genussscheinen von Roche am Donnerstag zu einem Kurssprung.
Bild: cash

Die ausstehenden Daten hatten seit längerem über den Papieren wie ein Damoklesschwert geschwebt. In Analystenkreisen wird Roches Mitteilung gut aufgenommen, gleichzeitig wollen die Marktexperten aber gerne noch mehr Details sehen.

Gegen 10.30 Uhr notieren Roche 5,2% höher auf 259,00 Franken, während der am SMI gemessene Gesamtmarkt seitwärts tendiert.

In der Studie wird das Mittel Perjeta in der adjuvanten Behandlung von HER2-positivem Brustkrebs im Frühstadium getestet. Mit einem Erfolg könnte der Pharmakonzern seine führende Marktposition auf diesem Gebiet sichern. Bislang wird in dieser Indikation das Roche-Mittel Herceptin eingesetzt. Dieses verliert aber seinen Patentschutz.

Vor diesem Hintergrund erhöht nun beispielsweise Vontobel-Analyst Stefan Schneider aufgrund der positiven Aphinity-Studie seine Schätzungen für einen Erfolg auf 90 von 60%, was zum Anstieg seines Kurszieles führt. Es wird neu mit 301 (292) Franken angegeben, die Empfehlung lautet derweil unverändert "Buy". Der Aktienkurs werde nun steigen, da sich die Investoren bisher vor der Volatilität der Ergebnisse abschrecken liessen, was nun nicht mehr gegeben sei, urteilt der Analyst weiter.

Keine neuen Sicherheitsbedenken

Eine Kombination aus den Brust-Krebsmedikamenten Perjeta, Herceptin, Chemotherapie war besser als Herceptin allein plus Chemotherapie im Adjuvanz-Ansatz von frühem HER2-positivem Brustkrebs (eBC), hält die Zürcher Kantonalbank mit Blick auf die Studie fest. So seien die primären und sekundären Endpunkte der Studie alle mit statistischer Signifikanz erreicht worden, ebenso seien keine neuen Sicherheitsbedenken aufgetreten.

Kommerziell sei es sehr wichtig, dass gerade dieses Jahr, in dem Biosimilars gegen Herceptin auf den Markt kommen, diese Studie positiv ausgefallen sei. So könne die HER2-Franchise aus beiden Produkten auf einen Umsatz von 9 Milliarden Franken im Jahr 2021 kommen, weil der Herceptin-Teil der Kombination kaum mit einem Biosimilar ausgetauscht werden wird. Entsprechend sieht die ZKB denn auch eine positive Kursreaktion und führt die Titel mit der Empfehlung "Übergewichten".

Tim Anderson von Bernstein schreibt in seinem ersten Kommentar zu den Studiendaten, die Investoren seien zuletzt klar nervös gewesen. Die erste Mitteilung biete zwar wenig Details. Er gehe aber davon aus, dass die Kombination zu einer Verbesserung in allen getesteten Gruppen geführt habe. Weitere Details erwarte er auf dem diesjährigen Krebskongress ASCO im Juni. Auch das US-Brokerhaus Morgan Stanley will gerne noch mehr Details sehen und verweist dabei wie Bernstein auf den kommenden Krebskongress.

Auch zurückhaltende Stimmen

Gleichzeitig hält aber Morgan Stanley fest, dass mit der positiven Studie die Ungewissheit, die auf den Roche-Valoren gelastet habe, nun nachlasse. Für den Fall eines negativen Bescheids hatte Morgan Stanley mit einem Kurstaucher von bis zu 10% gerechnet. Nicht zuletzt erinnert das US-Wertschriftenhaus die Anleger daran, dass Aphinitiy für Roche ein wichtiger Treiber sei.

Zurückhaltend zeigt sich derweil auch Bruno Bulic von Baader Helvea in einer ersten Einschätzung. Er empfiehlt Anlegern eine abwartende Haltung, bis sich die Aufregung um die Studiendaten etwas gelegt hat. Bei der UBS wiederum hatte Analyst Michael Leuchten bereits vor einigen Tagen geschrieben, dass er davon ausgehe, dass die eigentliche Medienmitteilung zu den Daten eher mager ausfallen dürfte - womit er am Ende richtig liegt. Wie er in der Studie auch schrieb, ist die entscheidenden Frage, ob statistisch signifikant auch klinisch signifikant bedeute. Hierauf gibt die Medienmitteilung zunächst keine Antwort. "Wir gehen davon aus, dass ein positives Resultat der Studie auch klinisch signifikant ist", lautet dennoch sein Fazit, das er auf bestimmten Berechnungen basiert.

(AWP)