Hügli meint

Thiam ist (noch) kein Wundermann

Der neue Chef der Credit Suisse hat das getan, was Investoren von ihm verlangt hatten. Doch die Massnahmen reichen der Börse offenbar nicht. Das ist eine falsche Haltung.
21.10.2015 12:46
Von Daniel Hügli, Chefredaktor cash
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Daniel Hügli, Chefredaktor cash.
Bild: Geri Born

Wir erinnern uns: Als der neue Chef der Credit Suisse, Tidjane Thiam, im März an einer Pressekonferenz vorgestellt wurde, da wurde er fast wie ein Heilsbringer empfangen. Investoren hofften auf eine Verbesserung des seit Jahren darbenden Aktienkurses, Mitarbeiter trotz Verunsicherung auf eine neue Kultur, die Medienleute erlagen seinem Charme.

Alles sollte unter dem gebürtigen Ivorer, der vom britischen Versicherer Prudential kam, besser werden als unter dem Auslaufmodell Brady Dougan. Die Folge: Seit der Ankündigung von Thiam als neuem CS-CEO legte der Aktienkurs der Bank fast 10 Prozent zu.

Nun hat Thiam, 100 Tage nach seinem Amtsantritt, die neue Strategie für die zweitgrösste Schweizer Bank vorgelegt. Kapitalerhöhung, Sparmassnahmen, Reorganisation der Geschäftseinheiten, Schrumpfung des Investmentbanking. Thiam machte fast alles, was sich die Investoren von ihm erhofft hatten. Bloss der Börsengang der Schweizer Universalbank kam überraschend. Und man mag über die eine oder andere Massnahme die Nase rümpfen: Etwa die Ungleichbehandlung der Investoren bei der Kapitalerhöhung.

Und was passiert? Der Aktienkurs der Credit Suisse rauscht am Mittwoch im frühen Handel bis 6 Prozent in die Tiefe. Es spielen wieder einmal die alten Börsenmechanismen: Es waren überzogene und zum Teil unrealistische Erwartungen im Markt. Und wer diese nicht erfüllt, wird von den Investoren abgestraft. 

Thiams Image hat erste Kratzer bekommen. Und es werden nicht die letzten sein. Spätestens wenn es um die Umsetzung der schmerzlichen Personalabbaumassnahmen geht, wird Thiam von anderer Seite als der Börse ein eiskalter Wind ins Gesicht schlagen.

Doch eine Bank wie die Credit Suisse kann man nicht von heute auf morgen umbauen. Die CS war unter dem Regime von Brady Dougan lange Jahre eine hochmütige, nicht proaktiv handelnde Bank. Sie dachte, dass sie, die ohne Staatshilfe durch die Finanzkrise kam, eine Anpassung an die neue Welt der Kapitalanforderungen nicht brauchte. Bis sie von der Konkurrenz, welche in der Finanzkrise durchs Stahlbad ging, rechts und links überholt wurde.

Der CS-Umbau wird Jahre dauern. Er wird hart und lange sein. Das darf an diesem Mittwoch, an dem die Aktie wegen überzogenen Erwartungen einbricht, nicht vergessen werden. Thiam ist (noch) kein Wundermann. Aber er verdient weiterhin Kredit.