Thiam und Cryan fallen nach einem Jahr bei Investoren durch

John Cryan und Tidjane Thiam, die CEO der Deutschen Bank und Credit Suisse, haben bei einer Umfrage unter Analysten und Investoren in ihrem ersten Jahr an der Spitze das Klassenziel nicht erreicht.
02.07.2016 09:44
CS-CEO Tidjane Thiam.
CS-CEO Tidjane Thiam.
Bild: Bloomberg

Investoren ziehen die Fähigkeit der beiden Banken-Chefs in Zweifel, die Wende bei zwei der größten Kreditinstitute Europas zu schaffen.

Bei den Umfragenoten schnitt Cryan, der als CEO die Deutsche Bank leitet, insgesamt besser ab als Thiam, der Chief Executive Officer der Credit Suisse Group. In den Bereichen Kommunikation und Umsetzung erhielt Cryan bei der im Juni durchgeführten Umfrage unter elf Investoren und sieben Analysten, die beide Banken beobachten, bessere Noten. Thiam dagegen - ein ehemaliger Berater bei McKinsey & Co. - hatte die Nase in der Kategorie Strategisches Denken vorn.

"Es gibt etwas Licht, aber viel mehr Schatten", sagte Boris Boehm, Vorstand bei Aramea Asset Management in Hamburg. "Ich bin nicht optimistisch, was ihre Ziele betrifft."

Die Zweifel schlagen sich auch in den Aktienkursen der beiden Banken nieder: beide Titel haben in den vergangenen zwölf Monaten mehr als die Hälfte ihres Wertes eingebüßt. Die Aktie der Deutschen Bank wird bei rund einem Drittel des materiellen Buchwertes gehandelt - nach Einschätzung der Investoren sind die Aktiva der Bank also weniger wert, als in den Büchern steht. Credit Suisse wird in etwa zum halben materiellen Buchwert gehandelt.

Um diese Talfahrt aufzuhalten, müssen die Banken-Chefs zeigen, dass ihre Strategien zum Kostenabbau und zur Verbesserung der Profitabilität Früchte tragen, sagen die Umfrageteilnehmer. Zudem drohe die Entscheidung der Briten, die EU zu verlassen, das bereits schwierige Umfeld für Banken weiter zu verschlechtern.

Keiner versprach schnelle Wende

Cryan und Thiam hatten sich eine gewaltige Herausforderung vorgenommen, und keiner der beiden versprach eine schnelle Wende. Beide haben langgediente Manager ersetzt, die die Wertpapiersparten nicht entschieden genug umkrempelten. Beide kämpfen mit steigenden Kapitalanforderungen und rekordniedrigen Zinsen, die die Profitabilität beeinträchtigen. Beide haben unmittelbar Maßnahmen ergriffen, um die Kapitalpuffer zu stärken - Cryan, indem er die Dividende aussetzte, und Thiam mit einer Kapitalerhöhung.

"Credit Suisse hat mehr CET1-Kapital als je zuvor in der jüngeren Vergangenheit", erklärte die Bank mit Sitz in Zürich per E-Mail. "Wir haben das Risikoniveau bei unserer Investmentbank schnell und massiv reduziert und entscheidende Maßnahmen zur Kostensenkung ergriffen. Wir sind uns bewusst, dass unser Aktienkurs von der langfristig erfolgreichen Umsetzung unserer Strategie abhängt, und wir arbeiten ständig daran, dies zu erreichen."

Die Deutsche Bank wollte sich zu der Umfrage nicht äußern. Ende Mai erklärte Cryan auf einer Konferenz in New York den Investoren, die Deutsche Bank korrigiere einige Fehler, die in den vergangenen rund 20 Jahren gemacht wurden. Wenn die Bank in diesem Jahr keinen Gewinn erziele, könnte dies tatsächlich ein Zeichen dafür sein, dass sie bei ihrer Umstrukturierung und der Bewältigung juristischer Altlasten Erfolg habe.

Geschäftsmodell der Credit Suisse bleibt problematisch

Beide CEOs haben öffentliche Rückendeckung von den Aufsichtsratschefs erhalten, die sie eingestellt haben. Bei der Credit Suisse hat Urs Rohner gegenüber der Handelszeitung erklärt, Thiam sei "der richtige Mann für diese Aufgabe". Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Paul Achleitner hat sich über Cryan ähnlich geäußert - bei der Generalversammlung der Bank sprachen 98,5 Prozent der Aktionäre Cryan das Vertrauen aus.

Cryan legte bereits im Oktober Pläne vor, die vorsahen, bei der Investmentbankensparte Stellen abzubauen, riskante Anlagen zu verringern und sich von Kunden zu trennen. Seine offene Art über die Probleme der Bank zu sprechen, erhielt von einigen Umfrageteilnehmern Zustimmung, auch wenn das Geschäftsmodell der Bank problematisch bleibt.

Der 53-jährige Thiam erhielt rasch Lob für die Zusage, sich auf das Vermögensverwaltungsgeschäft der Credit Suisse zu konzentrieren und gleichzeitig die Investmentbank zu verkleinern. Die Risiken der Sparte kamen jedoch mit Macht zum Vorschein, als die Bank bei wenig liquiden Anleihepositionen rund 1 Mrd. Dollar verlor. Kritisiert wurde Thiam für seine Kommunikation an dem Tag im März, als die Verluste bekanntgegeben wurden.

"Ich bin mit den beiden völlig unzufrieden", sagte Martin Wilhelm, Gründer der Vermögensverwaltung IfK GmbH in Kiel. "Ich habe den Eindruck, dass sie sich zu sehr auf internes konzentrieren, ihre Unternehmen einfach von oben leiten und ihre Kunden nicht verstehen."

(Bloomberg)