Thomas Gottstein - CS-Chef: Können Coronakrise ohne Verluste meistern

Die Credit Suisse hat gemäss CEO Thomas Gottstein die Herausforderungen der Corona-Pandemie bislang gut gemeistert. Die zweite Dividende wird wohl ausgezahlt.
23.05.2020 09:31
Thomas Gottstein leitet das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse.
Thomas Gottstein leitet das Schweiz-Geschäft der Credit Suisse.
Bild: ZVG

"Ich bin positiv überrascht, wie gut alles vonstattengegangen ist", sagte er der "Neuen Zürcher Zeitung" im Interview (Ausgabe vom 23.05.).

Gottstein geht nicht davon aus, dass die Bank 2020 in die roten Zahlen abrutscht. "Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir die zweite Dividende wie angekündigt auszahlen und keine Verluste einfahren werden." Angesprochen auf den tiefen Kurs der CS-Aktie erklärte er: "Wir müssen den Markt davon überzeugen, dass wir kurzfristig die Krise ohne Probleme meistern und mittelfristig eine Eigenkapitalrendite von 10 Prozent oder mehr erreichen können."

Gottstein hatte Mitte Februar das Zepter bei der CS von Tidjane Thiam übernommen. Nachdem zu Beginn Treffen mit Mitarbeitern, Kunden oder Investoren möglich waren, hat sich die Lage mit Ausbruch der Coronakrise grundlegend verändert. "Wir haben es über 90 Prozent unserer Mitarbeitenden ermöglicht, von zu Hause aus zu arbeiten", sagte der CS-Chef. In der IT und im Tagesgeschäft habe es dabei kaum Probleme gegeben.

Eine weitere Herausforderung waren laut Gottstein die Marktverwerfungen. Institutionelle Kunden mit einer gewissen Verschuldung oder mit Liquiditätsbedarf seien zum Teil stark unter Druck gekommen. Kreditlimiten seien von Firmenkunden verstärkt ausgeschöpft worden. Nachdem aber die US-Notenbank damit begann, Obligationen im grossen Stil aufzukaufen, habe sich die Lage beruhigt.

Hohe Liquiditätsquote

Liquiditätsprobleme waren für die CS in der Krise kein Thema. "Die Gruppe verfügt über eine der höchsten Liquiditätsquoten im internationalen Bankenvergleich. Per Ende März 2020 waren 162 Milliarden Franken flüssige Mittel vorhanden", erklärte Gottstein. Herausfordernd war es aber, unter den strengen Augen der jeweiligen Aufsichtsbehörden Liquidität unter den Tochterfirmen weltweit flexibel zu verschieben.

Der Tagesablauf bei der CS normalisiere sich langsam, fuhr der CS-Chef fort. In der Schweiz etwa hätten Mitarbeiter mit geschäftskritischen Funktionen immer in den Büros gearbeitet und nun würden weitere Teams in einem stufenweisen Prozess an die Arbeitsplätze zurückgeführt. "Wer aber weiterhin von zu Hause aus arbeiten will, darf das", so Gottstein.

Unterstützend auf dem Weg zurück zur Normalität dürfen sich Mitarbeiter der Bank gratis, freiwillig und anonym mit dem von Roche entwickelten Covid-19-Antikörpertest testen lassen. Und es würden auch Schutzmasken zur Verfügung gestellt.

Rückenwind für Online-Banking

Gottstein glaubt, dass das Online-Banking in der Coronakrise einen Schub erhalten hat, beispielsweise im Zahlungsverkehr. "Die Bedeutung und damit auch die Zahl der Filialen wird deshalb weiter abnehmen." Auch dürften künftig die Angestellten wohl vermehrt von zu Hause aus arbeiten und es dürfte auch weniger gereist werden. Mittelfristig werde die CS mit weniger Personal auskommen.

Am eingeschlagenen Weg als Bank mit Kerngeschäft Vermögensverwaltung plus Investment-Banking-Kapazitäten soll sich laut Gottstein nichts ändern. Optimierungspotenzial sieht er bei der auf Beratung fokussierten Einheit Investment Banking and Capital Markets (IBCM), die seit Quartalen Verluste schreibt. Besser halte sich die im Handelsgeschäft verankerte zweite Investment-Banking-Einheit Global Markets.

(AWP)