«Tiefzinsen zwingen Anleger zu absurden Entscheiden»

Im Zuge der tiefen Zinsen haben Anleger die Schwellenländer und die japanische Währung Yen wiederentdeckt. Die französische Investmentbank Natixis warnt allerdings vor hohen Verlusten.
20.09.2016 08:31
Von Lorenz Burkhalter
Trotz politischer Instabilität investieren Anleger wieder in der Türkei.
Trotz politischer Instabilität investieren Anleger wieder in der Türkei.
Bild: cash

Obschon die sich die Zinsen am "langen Ende" der Kurse von ihren Tiefstständen gelöst haben, lässt sich bei Anlagen mit kurzen oder mittleren Laufzeiten noch immer kein Geld verdienen. Die tiefen Zinsen zwingen europäische und amerikanische Anleger zu geradezu absurden Entscheiden, schreiben die Experten der französischen Investmentbank Natixis in einem Strategiekommentar.

Sie spielen damit auf das wiedererwachte Interesse an Aktien und Anleihen aus den lange verschmähten Schwellenländern sowie an der japanischen Währung Yen an. Die Strategen sind sich sicher: Diesen Anlegern drohen hohe Verluste.

Selbst in die risikoreichsten Schwellenländer wird kräftig investiert

Die Experten erklären sich das wiedererwachte Interesse an Schwellenländer- und Yen-Anlagen mit dem Wunsch der Anleger, dem hiesigen Tiefzinsumfeld zu entfliehen und ins Ausland zu diversifizieren. Verstärkt werde dieser Wunsch nicht zuletzt durch den als überbewertet geltenden amerikanischen Aktienmarkt, so die Strategen.

Dass die Anleger dabei selbst in die risikoreichsten Schwellenländer wie Indien, der Türkei und Südafrika investieren, gibt den Experten sichtlich zu Denken. Denn diese drei Nationen stehen stellvertretend für viele sowohl vom höheren Ölpreis beeinträchtigte als auch von chronischen wirtschaftlichen Ungleichgewichten gebeutelte Länder. Diesen Ungleichgewichten wird den Strategen zufolge viel zu wenig Beachtung geschenkt, was die Situation gefährlich macht.

Eine sich selbst erfüllende Prophezeiung

Doch auch das wiedererwachte Interesse am Yen bezeichnen sie schlichtweg als absurd. Aus japanischer Sicht gebe es weder in Bezug auf die Wachstumsflaute noch auf die extreme Geldpolitik einen Ausweg aus den Problemen, so ihr Tenor.

Durch den Kapitalzufluss in die Schwellenländer und in den Yen sind in den vergangenen Monaten sowohl die Aktien- und Anleihenkurse als auch die Währungen wiederentdeckten Nationen gestiegen. Das wiederum weckt bei den Anlegern zusätzliches Interesse, womit das Ganze zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung wird. Ob und wann sich die von der französischen Investmentbank genannten strukturellen Ungleichgewichte bemerkbar machen und den Anlegern hohe Verluste bescheren, wird sich zeigen müssen.