Top-Devisenhändler sieht Dollar auf 1,17 Franken steigen

ABN Amro, eine der führenden Banken im Devisenhandel, sieht den Dollar über die nächsten zwölf Monate auf 1,17 Franken klettern. Die Bank ist nicht alleine mit dieser aufsehenerregenden Prognose.
24.11.2016 08:25
Von Lorenz Burkhalter
Donald Trump wird schon mit dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan vergleichen, was den Dollar steigen lässt.
Donald Trump wird schon mit dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan vergleichen, was den Dollar steigen lässt.
Bild: ZVG

Die für viele Beobachter überraschende Wahl des republikanischen Kandidaten Donald Trump zum nächsten Präsidenten der USA hat an den Devisenmärkten zu grösseren Kursverschiebungen geführt. Bei uns in der Schweiz entlädt sich dies in einem auf über einen Franken gestiegenen Dollar. Mit 1,0190 Franken notiert der Greenback Donnerstagmorgen so hoch wie seit Ende Januar nicht mehr.

Damit ist das Ende der Fahnenstange aber noch lange nicht erreicht, schreibt ABN Amro in einem Strategiekommentar, und sieht den Dollar über die kommenden 12 Monate auf 1,17 Franken weiterziehen. Die niederländische Grossbank ist nicht irgendwer, gilt sie doch schon seit den Neunzehnsiebzigerjahren als eine der führenden Adressen im Devisenhandel.

Parallelen zur Reagan-Ära

Die beiden für ABN Amro tätigen Währungsstrategen versprechen sich unter dem zukünftigen US-Präsidenten eine Wachstumsbelebung der dortigen Wirtschaft. Zur Umsetzung der von ihm geplanten fiskalpolitischen Massnahmen komme Trump die republikanische Mehrheit im Kongress gerade gelegen, so schreiben sie.

Die geplante Steueramnestie für unversteuerte Auslandsvermögen grosser Unternehmen gehen die Experten im Kommentar hingegen nicht ein. Das erstaunt, würde doch auch die damit angestrebte Repatriierung von Auslandsvermögen zu einer Dollarnachfrage führen.

Wie die Strategen schreiben, weist das Wirtschaftsprogramm des zukünftigen US-Präsidenten jedoch Ähnlichkeiten zu jenem von Ronald Reagan in den Neunzehnachtzigerjahren auf. Unter dem damaligen Präsidenten erfuhr die heimische Wirtschaft über mehrere Jahre hinweg ein starkes Wachstum, was den Dollar in den ersten Amtszeit Reagans um über 40 Prozent in die Höhe schiessen liess.

SNB aus Schweizer Sicht mit Schlüsselrolle beim Dollar

Europa sagen die Experten im Gegenzug eine anhaltende Wachstumsflaute vorher. Dazu kommen im Hinblick auf das Verfassungsreferendum in Italien von Anfang Dezember oder den Präsidentschaftswahlen in Frankreich vom kommenden Frühling politische Risiken. Nicht zuletzt auch deshalb gehen sie davon aus, dass der Euro gegenüber dem Dollar spätestens im Laufe des zweiten Quartals nächsten Jahres unter die Parität von 1:1 fällt. Auf 12 Monate sehen die Währungsstrategen von ABN Amro den Euro bei 0,95 Dollar.

Und hier kommt die Schweizerische Nationalbank (SNB) ins Spiel. Dadurch, dass sie eine Aufwertung des Franken gegen den Euro mit Interventionen bekämpft, entlädt sich die Euro-Schwäche in einem überproportional steigenden Dollar - so gesehen in den vergangenen zwei Wochen. Das wiederum erklärt die knapp 15 Prozent über dem aktuellen Wechselkurs liegende Prognose von 1,17 Franken für den Dollar für das vierte Quartal 2017.

ABN Amro in guter Gesellschaft

Allerdings gibt es mittlerweile Hinweise darauf, dass die SNB vorübergehend bereit sein könnte, einen stärkeren Franken zu akzeptieren. "Zwar tragen wir im Rahmen der Erfüllung des Auftrags unseren Teil zum Markt bei, doch bleibt der Preisfindungsmechanismus letztlich den Kräften von Angebot und Nachfrage überlassen", sagte der stellvertretende SNB-Direktor Dewet Moser erst vor wenigen Tagen. Diese Aussagen sorgen nun für Spekulationen, wonach die SNB ihre Interventionen etwas zurückfahren könnte. Ein festerer Franken scheint denn auch die grösste Gefahr für die Prognose von ABN Amro für den Dollar.

Die niederländische Grossbank ist übrigens nicht das einzige Institut, welches mit einem gegenüber dem Franken deutlich festeren Greenback rechnet. Auch die amerikanische Investmentbank Morgan Stanley traut dem Dollar bis Ende nächsten Jahres einen Anstieg auf 1,16 Franken zu. Von einem rückläufigen Greenback geht nach der überraschenden Wahl Trumps zum nächsten Präsidenten der USA hingegen kaum noch jemand aus.

Kursentwicklung des EUR/CHF in den vergangenen Tagen; Quelle: www.cash.ch