Tops und Flops bei den Aktiensektoren

Die Sektoren am Schweizer Aktienmarkt haben 2014 eine durchzogene Bilanz. cash zeigt die guten und weniger guten Branchen und sagt, wie sich die Sektoren weiter entwickeln werden.
27.05.2014 01:00
Von Ivo Ruch
Für defensive Pharma-Titel stehen die Zeichen gut.
Für defensive Pharma-Titel stehen die Zeichen gut.
Bild: ZVG

Der Schweizer Aktienmarkt befindet sich weiter im Hoch. Nicht nur der Swiss Performance Index (SPI) steht seit Jahresbeginn mit fast 10 Prozent im Plus. Auch der SMI legt zu: Am Freitag stand der Leitindex vorübergehend bei 8704 Punkten – ein Stand, den er letztmals Mitte Dezember 2007 erreicht hatte. Seit Jahresanfang hat der SMI rund 6 Prozent zugelegt und gehört mit dieser Performance unter den weltweit gewichtigen Indizes zu den besten.

Betrachtet man den Schweizer Aktienmarkt allerdings nach Sektoren getrennt, so zeigen sich grosse Unterschiede (siehe Tabelle). Ein wichtiger Einflussfaktor für die Sektor-Performance in diesem Jahr war und ist zweifelsohne die Entwicklung der langfristigen Zinsen. Seit Ende März sind diese etwas zurückgekommen und haben zu einem Comeback von defensiven Titeln mit starken Dividenden geführt. " In der Schweiz haben davon beispielsweise Roche, Novartis oder Swisscom profitiert", sagt Thomas Jäger, Aktienanalyst bei der St. Galler Kantonalbank, zu cash.

Gleichzeitig habe er eine breite Umschichtung von Small- und Mid-Caps hin zu Large-Caps beobachtet, so Jäger. "Die kleinen und mittelgrossen Titel neigen momentan zur Schwäche." Diese Entwicklung ist weltweit erkennbar - auch in den USA, wo der wichtige Nebenwerte-Index Russell2000 in den letzten vier Wochen deutlich weniger Gewinn als der S&P500 gemacht hat.

Die Tendenzen in den letzten Woche hatten Auswirkungen auf die Aktiensektoren. Folgende Schweizer Branchen fielen in diesem Jahr durch markante Zugewinne oder Null-Performance auf:

SPI-Sektor Gesundheit (plus 14 Prozent seit 1.1.2014)

Die defensiven Schwergewichte Novartis und Roche haben mit ihrer starken Entwicklung entscheidend zur Outperformance dieses Sektors beigetragen. "Roche wurde in jüngster Zeit von Patentabläufen verschont. Und bei Novartis fand ein Rerating statt aufgrund der durchgeführten Portfolio-Bereinigung", sagt Experte Jäger. Aber auch der aktuelle Börsen-Überflieger Santhera hat der Gesundheitsbranche Auftrieb verliehen – die Biotech-Firma hat ihren Börsenwert in den letzten vier Wochen mehr als versechsfacht. Unternehmen aus diesem Sektor dürften auch in Zukunft interessant sein.

Kommt es im Nachgang einer möglichen Zinssenkung der EZB am 5. Juni zu Gewinnmitnahmen an den Börsen, könnten Pharma-Titel aufgrund der stabilen Geschäftsmodelle unterdurchschnittlich leiden, sagt Jäger. "Dies, obwohl die fundamentale Bewertung nicht mehr ganz günstig erscheint und bereits viel Positives vorweg nimmt." Anders sieht das die UBS. Ihre Strategen haben in einer kürzlich erschienenen Rangliste mit den attraktivsten Aktiensektoren Europas den Pharmasektor dem letzten Drittel zugeordnet.

SPI-Sektor Bauwesen/Materialien (plus 15 Prozent):

Dieser von zyklischen Titeln geprägte Sektor hat den Gesamtmarkt seit Jahresbeginn ebenfalls deutlich geschlagen. Hauptverantwortlich dafür war der Verlauf der Holcim-Aktie, die in diesem Zeitraum 18 Prozent zulegen konnte und dabei vom Fusionsbonus mit Lafarge profitieren konnte. Bei Sika, einem anderen starken Titel, haben die sehr guten Zahlen für Auftrieb gesorgt. Auch die Aktien von Burkhalter und Forbo haben zwischen 16 und 20 Prozent zugelegt.

Der Ausblick für den Sektor Bauwesen und Materialien ist allerdings nicht so rosig, falls man das Wirtschaftswachstum eher pessimistisch beurteilt. Die Bank J. Safra Sarasin schrieb Anfang April in einem Anlagekommentar, dass zyklische Sektoren in naher Zukunft aufgrund einer Verlangsamung des wirtschaftlichen Wachstums zu meiden seien.

SPI-Sektor Konsumgüter (plus 2 Prozent):

Mit einem Minus von 8 Prozent seit Jahresbeginn ist es ist in erster Linie die Swatch-Inhaberaktie, die den Konsumgüter-Sektor zurückgehalten hat. Grund für den Swatch-Taucher waren die unsichere Situation in China und ungünstige Wechselkurse. Daneben ist in diesem Sektor auch Richemont vertreten, der trotz dem Einfluss von Fremdwährungen und der Verlangsamung des Wachstums in Asien 6 Prozent zugelegt hat.

Handelt die EZB in Bälde an der Zinsfront, sieht Jäger für Firmen aus der Luxusgüterbranche allerdings wenig Erfreuliches. "Solche Titel dürften bei Gewinnmitnahmen nach der EZB-Sitzung am ehesten leiden. Daher empfehlen wir eine defensive Positionierung."

SPI-Sektor Industriegüter (plus 1 Prozent):

Dieser sehr heterogene Sektor ist kaum vom Fleck gekommen. Seit Jahresbeginn hat der Index der Industriegüterbranche lediglich 1 Prozent dazugewonnen. Insbesondere die ABB-Aktien haben mit ihrer schwachen Performance in den letzten Wochen auf die Sektor-Performance gedrückt. "Bei diesem Titel sind wir auch in Zukunft nicht besonders positiv eingestellt", sagt Aktienanalyst Jäger. Zudem trifft diesen Sektor die Aktien-Umschichtung von Small- und Mid-Caps hin zu Large-Caps besonders. So hat die Aktie von Georg Fischer in den letzten vier Wochen 2,5 Prozent verloren.

Performance von SPI-Sektor-Indizes

Sektor Performance seit 1.1.2014
Medien +37%
Zulieferer Auto +34%
Rohstoffe +24%
Telekommunikation +19%
Bauwesen / Materialien +15%
Gesundheit +14%
Technologie +13%
Nahrungsmittel / Getränke +11%
Energieversorgung +10%
Erdöl / Erdgas +10%
Versicherungen +8%
Finanzdienstleistungen +7%
Chemie +6%
Banken +5%
Konsumgüter / Haushaltwaren +2%
Reisen / Freizeit +2%
Industriegüter +1%
Einzelhandel -2%

Quelle: cash.ch, Stand: 26.5.2014