Tourismusbranche - Coronakrise sorgt für Absturz in der Parahotellerie

Die Coronakrise hat der Schweizer Parahotellerie einen Einbruch beschert. Auf dem Höhepunkt der Einschränkungsmassnahmen im zweiten Quartal waren die Übernachtungen um 62 Prozent tiefer als im gleichen Vorjahreszeitraum.
01.09.2020 14:06
Restaurant auf dem Grossen Mythen im Kanton Schwyz
Restaurant auf dem Grossen Mythen im Kanton Schwyz
Bild: cash

Insgesamt zählte das Bundesamt für Statistik (BFS) von April bis Juni noch 1,2 Millionen Übernachtungen, wie die Behörde am Dienstag anhand provisorischer Zahlen bekannt gab. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es noch 3,2 Millionen Übernachtungen gewesen.

Schuld am Absturz waren vor allem die Reisebeschränkungen während des Lockdowns. Dadurch fehlten die Ausländer. Deren Übernachtungen summierten sich auf kümmerliche 104'000. Zum Vergleich: Im entsprechenden Vorjahreszeitraum hatten ausländische Touristen noch gut 1 Million Übernachtungen in Schweizer Ferienwohnungen, Jugendherbergen oder Campingplätzen gebucht.

Dadurch hing das Geschäft an den Inländern. Die Schweizer Gäste verbrachten 1,1 Millionen Übernachtungen in der Parahotellerie. Das ist die Hälfte des Vorjahresniveaus, wie aus den Zahlen des BFS hervorgeht.

Jugis am härtesten getroffen

Am schlimmsten gelitten haben die Kollektivunterkünfte, wozu die Jugendherbergen gehören. Hier schmolzen die Logiernächte um 85 Prozent auf noch 191'000 zusammen. Dabei brach sowohl bei Schweizern als auch Ausländern die Nachfrage weg: Die Übernachtungen der inländischen Gäste fielen um 83 Prozent auf 175'000, während es bei den ausländischen Reisenden ein Minus von 93 Prozent auf 16'000 gab.

Bei den Ferienwohnungen sackte die Nachfrage um über die Hälfte auf 465'000 Übernachtungen ab. Auch hier brachen die Übernachtungen von Ausländern um gut 90 Prozent ein, die im Vorjahr noch mehr als die Hälfte aller Logiernächte ausgemacht hatten.

Bei den Schweizern betrug der Rückgang lediglich 12 Prozent. Grund dafür ist der April, als wegen der Einschränkungen und der Mahnung von Gesundheitsminister Alain Berset ("Bleiben Sie zu Hause!") die Buchungen um 81 Prozent in die Tiefe fielen. Mit den Lockerungen ab Mai ging es indes bergauf. Im Mai lag die Nachfrage um 15 Prozent höher als letztes Jahr, im Juni gar um fast die Hälfte.

Campingplätze zwei Monate gechlossen

Noch krasser schlugen die Eindämmungsmassnahmen bei den Campingplätzen durch, die erst ab der zweiten Juni-Woche und damit neun Wochen später als üblich in die Saison starten konnten. Im April hatten die Campingplätze überhaupt keine Buchungen, im Mai gut 18'000 nach 255'000 im Mai 2019. Im Juni ging es dann mit Wucht los. Alleine in diesem Monat wurden 554'000 Übernachtungen gebucht, was 5 Prozent mehr sind als im Vorjahres-Juni.

Nach der Öffnung stürmten die Schweizer mit Zelt oder Wohnmobil die Campingplätze: Ihre Übernachtungen schossen gegenüber dem Juni 2019 um 42 Prozent auf 518'000 in Höhe, weil die Reisen in die beliebten Ferienländer immer noch grossen Einschränkungen unterlagen. Die heimischen Touristen machten damit 86 Prozent des Geschäfts der Schweizer Campingplätze aus.

Bei den ausländischen Gästen war der Aufschwung lediglich ein ganz zartes Pflänzchen. Nach dem Totalabsturz im April, gab es im Mai gab nur 1'200 Übernachtungen, im Juni dann 36'000 auf den hiesigen Campingplätzen. Damit lag die Gesamtzahl um 86 Prozent unter dem Vorjahresquartal.

(AWP)