«Traue der Franken-Abschwächung nicht»

Kommt die jüngste Abwertung des Frankens zum Euro überraschend? Wie entwickelt sich der Wechselkurs weiter? Und welche Rolle spielt die SNB dabei? Devisen-Experte Thomas Flury von der UBS nimmt Stellung.
18.02.2015 11:40
Interview: Ivo Ruch
Thomas Flury ist Devisenanalyst bei der UBS.
Thomas Flury ist Devisenanalyst bei der UBS.
Bild: cash

cash: Seit der Aufgabe des Mindestkurses vor einem Monat und dem Absturz auf 85 Rappen hat sich der Euro um 25 Prozent aufgewertet. Haben Sie das erwartet?

Thomas Flury: Nein, ich habe nicht mit einer so stetigen Erholung des Euro-Franken-Kurses gerechnet. Wir sind von einem Kursbereich von 1,00 bis 1,05 ausgegangen und sehen weiterhin eine erhebliche Gefahr, dass es zu stärkeren Frankenaufwertungen kommt. Am meisten bin ich überrascht, dass die Verhandlungen mit Griechenland, welche sich weiterhin schwierig gestalten, den Euro nicht stärker belasten.

Was sind die Gründe für die Franken-Schwäche?

Die Abschwächung des Frankens muss man vor dem Hintergrund der sehr ruhigen Lage beim Euro-Dollar-Kurs sehen. In den letzten vier Wochen hat er sich kaum bewegt. Investoren scheinen gespannt auf die Ergebnisse der Verhandlungen mit Griechenland zu warten. Das Ergebnis kann durchaus den Franken erneut stärken.

Welche Rolle spielt die Schweizerische Nationalbank dabei? Nützen ihre Massnahmen?

Die wichtigste Massnahme der SNB sind die Negativzinsen. Sie greift in ruhigen Zeiten, bietet aber leider wenig Schutz bei Turbulenzen. Daher ist es im Moment nicht überraschend, dass der Franken sich langsam abschwächt. Wir wären jedoch nicht überrascht, wenn auf den aktuellen Niveaus nach der schönen Abschwächung des Frankens wieder vermehrt Anleger anfangen, Franken zu kaufen.

Wird die SNB weiterhin am Markt intervenieren?

Die SNB hat angekündet, dass sie weiterhin zu intervenieren gedenkt, und wir denken, dass wird sie auch tun. Der Erfolg solcher Interventionen ist aber fraglich. Mit der Aufgabe der Kursuntergrenze hat sie gezeigt, dass sie klare Grenzen der Interventionspolitik sieht. Die Märkte haben dieses Signal verstanden und werden deshalb im Krisenfall wenig beeindruckt sein.

Steigt der Euro-Franken-Kurs weiter an und beibt langfristig über 1,06 oder gar 1,07?

Wir rechnen eher wieder mit Rückschlägen im Euro-Franken-Kurs als mit einer Stabilisierung, und das aus verschiedenen Gründen. Die EZB hat ihr massives Kaufprogramm für Anleihen noch nicht einmal gestartet und keiner weiss, wo es endet. Der Zinsentscheid der USA steht noch immer aus. Die Lage in der Ukraine bleibt unsicher. Zudem sind die Negativzinsen eine spürbare Belastung für den Finanzsektor. Bei einem noch höheren Euro-Franken-Kurs wird die Kritik an diesem Instrument schnell lauter. Zweifel am Negativzins stärken den Franken. Wer auf eine weitere Abschwächung des Frankens hofft, muss an eine unerwartete Verbesserung der Lage in der Eurozone glauben.

Wie wird sich der Kurs Dollar-Franken entwickeln?

Der Dollar ist attraktiv aufgrund der relativ hohen Zinsen auf dem Anleihenmarkt und die Erwartung von Zinserhöhungen der Fed schützt die Währung zusätzlich. Also rechnen wir mit einer breit abgestützten Erholung des Greenbacks. Trotzdem haben wir nur eine Seitwärtsprognose für den Franken-Dollar-Kurs, weil wir der jüngsten Abschwächung des Frankens nicht richtig trauen.