Trotz Ende der EZB-Käufe - Staatsanleihen stehen hoch im Kurs

Das Ende der EZB-Anleihenkäufe hatte viele Anleger in Unruhe versetzt. Befürchtet wurde, dass die Europäische Zentralbank mit der Einstellung die Renditen staatlicher Bonds nach oben treiben könnte.
08.02.2019 11:30
Obligationen von europäischen Staaten sind zurzeit gefragt.
Obligationen von europäischen Staaten sind zurzeit gefragt.
Bild: Pixabay

Doch diese Befürchtungen und damit die Angst vor steigender Kreditkosten für viele Länder im Euroraum waren umsonst. Die Verzinsung der zehnjährigen deutschen, französischen und italienischen Papiere ging im Januar deutlich zurück. "Nach einem schwierigen Aktienjahr stehen Staatsanleihen hoch im Kurs", erklärt Said Haidar vom Hedgefonds Haidar Capital.

Postbank-Analyst Lucas Kramer zieht ein ähnliches Resüme: Die Vielzahl globaler Unsicherheitsfaktoren sorge für eine anhaltend hohe Nachfrage nach Staatsanleihen. Sorgen vor einem noch stärkeren Konjunktureinbruch im Euro-Raum und in den USA, der US-Handelsstreit mit China wie auch der nach wie vor ungeklärte Brexit treiben Investoren dabei um. Von Aktienkäufen liessen viele Anleger 2018 lieber die Finger: EuroStoxx50 und Dax verloren 14 beziehungsweise 18 Prozent.

Auch die Notenbanken dies- und jenseits des Atlantiks haben wegen der eingetrübten Konjunkturaussichten zurückhaltendere Töne angeschlagen. Die amerikanische Fed signalisierte gerade, dass sie es nach den vier Zinserhöhungen im vorigen Jahr 2019 ruhiger angehen lassen will. Und EZB-Chef Mario Draghi wird seine achtjährige Amtszeit Ende Oktober vermutlich ganz ohne Anhebung abschliessen. Denn die Finanzmärkte erwarten die Zinswende im Euroraum inzwischen erst im Jahr 2020.

Mehr als 2,6 Billionen Euro investiert

Der Kurswechsel am Anleihenmarkt wurde von der EZB dagegen wie geplant zum Jahresende 2018 vollzogen: Der Neuerwerb von Bonds durch die Notenbank ist nun Geschichte - fällig werdende Wertpapiere sollen jedoch noch auf unbestimmte Zeit ersetzt werden. Seit März 2015 hatten die Euro-Wächter mehr als 2,6 Billionen Euro in Staatsanleihen und andere Wertpapiere investiert, um die Konjunktur in Schwung zu bringen und die Inflation anzuheizen. In den Köpfen vieler Anleger war die EZB damit ein Sicherheitsnetz, das dafür sorgte, dass die Renditen der europäischen Staatsbonds nicht durch die Decke gingen.

Dass die EZB ihre Krisenmedizin nun heruntergefahren hat, hat Anleger bislang nicht verschreckt. Die Renditen der zehnjährigen französischen Bonds fielen im Januar mit 0,5530 Prozent auf den tiefsten Stand seit über zwei Jahren. Die Verzinsung der italienischen Pendants markierte zeitweise ein Sechs-Monate-Tief von 2,566 Prozent. Deutsche Bundesanleihen werfen derzeit nur noch 0,130 Prozent ab. Auch die zuletzt grosse Nachfrage bei Auktionen in Spanien, Italien oder Griechenland unterstreicht das Interesse an Staatsbonds. Laut Berechnungen der Landesbank LBBW verbuchten Anleihen in der Eurozone im Januar mit 1,1 Prozent in etwa den gleichen Wertzuwachs wie im gesamten Jahr 2018.

Italienische Anleihen könnten wieder in den Fokus rücken

Experten gehen allerdings nicht davon aus, dass die Renditen dauerhaft so niedrig bleiben werden. "Bleibt eine Eskalation bei den derzeitigen Belastungsfaktoren aus, insbesondere beim Handelsstreit zwischen den USA und China, sollten in Zukunft 'sichere Häfen' weniger gefragt sein", prognostiziert Thomas Metzger vom Bankhaus Bauer. Auch Postbank-Experte Kramer konstatiert: "Wenn die politischen und konjunkturellen Sorgen etwas nachlassen, dürften Anleger wieder zunehmend risikofreudiger agieren." Dies könne die Kapitalmarktrenditen in begrenztem Masse nach oben treiben.

Laut Metzger dürfte dies insbesondere auf italienische Bonds zutreffen, deren Verzinsung 2018 angesichts des Haushaltsstreits mit der EU-Kommission streckenweise heftig nach oben geschnellt war und die Kreditaufnahme für Rom am Kapitalmarkt deutlich verteuert hatte. Im Vorfeld der Europa-Wahlen im Mai könnte die Regierung in Rom wieder den Konflikt suchen. Das werde viele Marktteilnehmer wohl vorsichtig stimmen.

Konfliktpotenzial birgt vor allem die konjunkturelle Entwicklung, da Italien unter der Koalition aus populistischer 5-Sterne-Bewegung und rechter Lega in eine Rezession gerutscht ist. Die Regierung setzt darauf, dass sich die Wirtschaft wieder fängt und hat sich für 2019 ein Wachstumsziel von 1,0 Prozent gesetzt. Die EU-Kommission geht dagegen nur von 0,2 Prozent aus. Für Italien könnte es damit schwieriger werden, das nach monatelangem Gezerre mit der EU-Kommission vereinbarte Defizitziel von 2,04 Prozent einzuhalten, fürchten Börsianer.

(Reuters)