Trotz Erholungskurs des SMI: Anleger skeptisch

Die Schweizer Börse hat am Mittwoch ihre am Vortag begonnene Erholung fortgesetzt. Die Anleger blieben aber skeptisch.
29.06.2016 12:33
Die Wolken über dem SMI verziehen sich - vorübergehend mindestens.
Die Wolken über dem SMI verziehen sich - vorübergehend mindestens.
Bild: cash

"Wir sind dabei, den Brexit-Schock zu verarbeiten. Aber die Leute bleiben nervös und die Folgen sind nach wie vor ungewiss", sagte ein Händler. Die Umsätze gingen im Vergleich zu den vergangenen Tagen merklich zurück. Der SMI stieg um 2,2 Prozent auf 7947 Punkte. Damit hat der Leitindex einen Grossteil der Verluste seit dem Brexit-Votum der Briten wieder wettgemacht. Am Dienstag war er um 2,4 Prozent gestiegen.

Impulse erhofften sich die Anleger von neuen Konjunkturzahlen der Euro-Zone und von dem EU-Gipfel in Brüssel, der allerdings ohne den britischen Premierminister David Cameron weitergeht. Am Dienstag hatten die Staats- und Regierungschefs der übrigen 27 EU-Länder Cameron erklärt, dass sie keine Hängepartie, sondern einen zügigen Austrittsantrag erwarteten.

Bankaktien holen auf

Die Bankaktien, die nach dem Ja der Briten zum Ausscheiden aus der EU unter die Räder geraten waren, setzten zu einer kräftigen Erholung an. Credit Suisse stiegen um 2,4 Prozent und UBS rückten 2,9 Prozent vor. Auch die Anteile der Versicherer Zurich und Swiss Re gehörten mit Kursanstiegen von über drei Prozent zu den grössten Gewinnern unter den Bluechips. Händler sagten, Spekulationen auf zusätzlich Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) hätten geholfen.

Die Aktien von Helvetia legten fast zwei Prozent zu. Beim Versicherer kommt es überraschend zu einem Chefwechsel. Schweiz-Chef Philipp Gmür übernimmt die CEO-Position von Stefan Loacker, der nach neun Jahren von der Spitze des Unternehmens Ende August zurücktritt. "Das kommt etwas überraschend, ist aber nicht zwingend negativ", sagte ein Händler. Gmür kenne sich bestens aus.

Die Aktien der GAM Holding kletterten sieben Prozent. Der Vermögensverwalter will den britischen Konkurrenten Cantab Capital Partners mit verwalteten Vermögen von vier Milliarden Dollar übernehmen. Der Zukauf soll sich GAM zufolge im ersten Jahr deutlich positiv auf das operative Ergebnis je Aktie auswirken.

Pharmawerte stützen

Den stärksten Beitrag zum SMI-Anstieg leisteten einmal mehr die schwergewichtigen Pharmawerte Novartis und Roche mit einem Kursplus von über 2,6 Prozent. Die Nestle-Aktien rückten 1,5 Prozent vor. Die Titel waren bereits am Vortag nach der Ernennung von Ulf Mark Schneider zum neuen Konzernchef kräftig gestiegen.

Die Aktien von Swatch und Richemont hinkten dem Markt mit nur leichten Kurszuwächsen merklich hinterher. HSBC und Goldman Sachs nahmen die Empfehlung für beide Luxusgüterhersteller zurück beziehungsweise senkten das Kursziel.

Die Anteile anderer zyklischer Firman wie des Zementkonzerns LafargeHolcim, des Chemiekonzerns Clariant, des Aromen- und Duftherstellers Givaudan sowie der Sanitärtechnikfirma Geberit stiegen um mehr als zwei Prozent.

Am breiten Markt rückten die Aktien von Arbonia Forster 3,5 Prozent vor. Der Bauzulieferer übernimmt von Geberit die Firma Koralle, einen Hersteller von Duschabtrennungen mit einem Umsatz von 40 Millionen Euro. Angaben zum Kaufpreis wurden nicht gemacht.

(Reuters)