Trotz Milliardenschäden - Swiss Re erhöht die Dividende - Aktie steigt

Der Jahresgewinn fällt bei Swiss Re höher aus als von Analysten erwartet. Der Rückversicherungskonzern überrascht zudem mit einer höheren Dividende und Aktienrückkäufen. Die Aktie steigt auf ein Mehrjahreshoch.
23.02.2018 11:30
Von Lorenz Burkhalter
Christian Mumenthaler, CEO von Swiss Re.
Christian Mumenthaler, CEO von Swiss Re.
Bild: www.swissre.com

Schliesst Swiss Re das Geschäftsjahr 2017 angesichts der milliardenschweren Schadenersatzforderungen aus Naturkatastrophen mit einem leichten Gewinn oder doch mit einem Verlust ab? Und entschliesst sich der Rückversicherungskonzern zu einer Dividende mindestens auf Vorjahresniveau?

Auf diese beiden Fragen gibt es seit dem frühen Freitag Antworten. So resultiert für 2017 unter dem Strich ein Gewinn von 331 Millionen Dollar. Damit übertrifft Swiss Re die Analystenerwartungen beinahe um das Dreifache, wenn auch auf einem vergleichsweise bescheidenen Niveau.

Auch bei der Ausschüttungspolitik wartet das traditionsreiche Unternehmen mit einer Überraschung auf. Der Generalversammlung wird eine Dividendenerhöhung von 4,85 auf 5 Franken je Aktie beantragt. Darüber hinaus ist ein 1 Milliarde Dollar schweres Nachfolgeprogramm für das vor wenigen Tagen abgeschlossene Aktienrückkaufprogramm geplant. Interessant dabei: anders als in den letzten Jahren macht das Unternehmen die Umsetzung des Programms nicht vom Ausbleiben grösserer Naturkatastrophen abhängig.

Diese neue Faktenlage kommt bei den Anlegern gut an. Nachdem die Aktie von Swiss Re an der Schweizer Börse SIX im frühen Handel bei 97,96 Franken ein neues Mehrjahreshoch erreichte, gewinnt sie zur Stunde noch 1,9 Prozent auf 96,90 Franken.

In einem Kommentar der UBS Investmentbank wird das vorliegende Jahresergebnis als "vernünftig" bezeichnet. In der Dividendenerhöhung und der Neuauflage des Aktienrückkaufprogramms sieht der Autor denn auch ein Zeichen der Zuversicht. Wie er weiter schreibt, hätten andere Rivalen angesichts der zahlreichen Naturkatastrophen auf eine Erhöhung der Ausschüttung verzichtet.

Hohe realisierte Wertschriftengewinne

Der UBS-Analyst rechnet bei der Swiss-Re-Aktie zwar mit einer positiven Kursreaktion, hält aber vorderhand an der Verkaufsempfehlung sowie am 84 Franken lautenden 12-Monats-Kursziel fest.

Die Bank Vontobel rückt in ihrem Kommentar den starken Gewinnbeitrag aus dem Lebens-Rückversicherungsgeschäft in den Vordergrund. Neben einem gut laufenden operativen Geschäft macht man bei der Zürcher Bank auch hohe realisierte Gewinne auf Wertschriftenanlagen für die starke Eigenkapitalrendite in diesem Bereich verantwortlich. Der Autor des Kommentars verweist zudem auf die unerwartet hohe Barmittelgenerierung im Lebens-Rückversicherungsgeschäft.

Ungewohnt vorsichtig äussert sich die Berufskollegin von Morgan Stanley. Auch sie führt den deutlich höher als erwartet ausgefallenen Jahresgewinn in erster Linie auf höhere realisierte Wertschriftengewinne zurück und stellt deren Nachhaltigkeit in Frage.

Im Nichtleben-Rückversicherungsgeschäft sowie im zweiten Kernbereich Corso (Corporate Solutions) seien ihre Erwartungen an die operative Gewinnentwicklung hingegen nicht ganz erfüllt worden, so schreibt sie weiter.

Noch keine Übereinkunft mit Softbank

Gefallen findet die Analystin wiederum an der Neuauflage des Aktienrückkaufprogramms sowie an den Aussagen rund um die Gespräche mit der japanischen Softbank. Sie stuft die Aktie von Swiss Re deshalb weiterhin mit "Overweight" und einem Kursziel von 108 Franken ein.

Zum Stand der Verhandlungen mit den Japanern wartet Swiss Re in der Medienmitteilung nicht mit Neuigkeiten auf. Allerdings lässt das Unternehmen die Öffentlichkeit wissen, dass es im Falle einer Übereinkunft keine Ausgabe neuer Aktien in Erwägung zieht.

Das heisst: Entweder muss sich Softbank direkt mit einem Kaufangebot an die Aktionäre richten oder sich nach dem Vorbild des japanischen Versicherungskonzerns MS&AD in ein einzelnes Geschäftssegment von Swiss Re einkaufen (cash berichtete). Ds wiederum dämpft jüngste Vorbehalte, wonach der Einstieg von Softbank zu einer Verwässerung führen könnte.

Uneinheitliche Reaktionen provozieren hingegen die Aussagen von Swiss Re zur Januar-Erneuerungsrunde. Während Banken wie Julius Bär oder Baader-Helvea den Aussagen vorwiegend positive Aspekte abgewinnen, zeigen sich Vontobel und Morgan Stanley leicht enttäuscht.