Trotz neuer Rekorde dümpeln US-Börsen vor sich hin

Die Wall Street ist am Dienstag ungeachtet erneuter Rekordstände kaum von der Stelle gekommen.
09.08.2016 22:22
Ein Trader an der Börse in New York greift sich an den Kopf. Irgendwie kommen die Kurse nicht vom Fleck.
Ein Trader an der Börse in New York greift sich an den Kopf. Irgendwie kommen die Kurse nicht vom Fleck.
Bild: Bloomberg

Der US-Aktienmarkt sei nicht gerade billig, sagte ein Anlageexperte mit Blick auf die verhaltene Kursentwicklung. Auch weil der gute Arbeitsmarktbericht vom Freitag die Diskussion um steigende Zinsen im weiteren Jahresverlauf wieder angefacht habe, könnte der Aufwärtstrend bald stocken.

Beim marktbreiten S&P-500-Index stand zum Schluss ein Plus von 0,04 Prozent auf 2181,74 Punkte zu Buche - im frühen Handel hatte er den dritten Tag in Folge ein Rekordhoch markiert. Der Leitindex Dow Jones Industrial stieg letztlich um 0,02 Prozent auf 18 533,05 Punkte.

An der Technologiebörse Nasdaq erreichte der Nasdaq Composite den höchsten Stand seiner Geschichte und schloss 0,24 Prozent fester bei 5225,48 Zählern. Der Auswahlindex Nasdaq 100 verabschiedete sich 0,23 Prozent höher bei 4795,75 Punkten. Auf Schlusskurs-Basis erreichten beide Nasdaq-Indizes Bestmarken.

Schwache Produktivitätsdaten aus den USA

Zumindest die aktuellen Konjunkturdaten gaben diesen Spekulationen keine neue Nahrung: Laut Zahlen des amerikanischen Arbeitsministeriums vom Dienstag war die Produktivität, also die Produktion je Arbeitsstunde, im zweiten Quartal um auf das Jahr hochgerechnet 0,5 Prozent zurückgegangen. Es ist bereits das dritte Minus in Folge.

Die Daten seien noch schlechter ausgefallen als von ihm erwartet, schrieb Paul Ashworth, US-Chefökonom beim Londoner Analysehaus Capital Economics. Sie bestärkten ihn in seiner Einschätzung, dass die US-Notenbank Fed die nächste Zinsanhebung bis Dezember aufschieben werde.

Kaufofferte beflügelt Stellenportal Monster

Am Dienstag stand erneut ein Übernahmevorhaben im Fokus: Die Papiere von Monster Worldwide sprangen um 26,35 auf 3,50 US-Dollar hoch, nachdem der niederländische Personalvermittlungs-Konzern Randstad eine rund 429 Millionen Dollar schwere Kaufofferte für das US-Stellenportal vorgelegt hatte. Dessen Anteilseignern bietet Randstad 3,40 Dollar je Aktie. Der Kaufpreis, der über Kredite finanziert werden soll, liegt knapp 23 Prozent über dem Schlusskurs der Monster-Aktie am Montag.

Heftige Kursausschläge waren auch in der Pharmabranche zu beobachten. Die Aktien von Valeant Pharmaceuticals gewannen nach der Zahlenvorlage 25,43 Prozent. Trotz einer überraschend schwachen Geschäftsentwicklung im zweiten Quartal bekräftigte der Konzern sein Jahresgewinnziel.

Dagegen liess eine enttäuschend ausgefallene klinische Studie die Titel von Array Biopharma um 22,70 Prozent einbrechen. Eine Phase-III-Studie zum Krebswirkstoff Selumetinib in Kombination mit einer Chemotherapie habe in der Anwendung gegen eine spezielle Form von Lungenkrebs den primären Endpunkt verfehlt, teilte der Lizenznehmer AstraZeneca mit.

Bei News Corp konnten sich die Anleger über ein Kursplus von 3,74 Prozent freuen. Das Verlagsgeschäft von Medienunternehmer Rupert Murdoch mit Flaggschiffen wie dem "Wall Street Journal" oder der "Times" ist wieder etwas stärker in Schwung gekommen: Im Geschäftsquartal bis Ende Juni hatte das Unternehmen das erste Umsatzplus seit fünf Quartalen geschafft.

Der Eurokurs profitierte von den schwachen US-Produktivitätsdaten und stieg auf 1,1113 Dollar. Zuvor hatte die Europäische Zentralbank (EZB) den Referenzkurs auf 1,1078 (Montag: 1,1087) Dollar festgesetzt; der Dollar kostete damit 0,9027 (0,9020) Euro. Am US-Staatsanleihenmarkt gewannen richtungweisende zehnjährige Papiere 14/32 Punkte auf 100 24/32 Punkte und rentierten mit 1,54 Prozent.

(AWP)