Trotz PleitenUngestillter Appetit auf riskante Bankanleihen

Käufer der riskantesten Bankanleihen konnten in jüngster Zeit zusehen, wie drei Banken pleitegegangen sind. Doch sie haben offenbar Nerven wie Drahtseile.
08.07.2017 09:41
Die spanische Banco Popular wurde kurz vor dem Kollaps übernommen.
Die spanische Banco Popular wurde kurz vor dem Kollaps übernommen.
Bild: Bloomberg

Die britische Bank HSBC platzierte in der vergangenen Woche sogenannte AT1-Anleihen, die zum zusätzlichen Kernkapital zählen, mit rekordniedrigen Kupons. Damit endete das lebhafteste Quartal für AT1-Emissionen europäischer Banken seit mehr als zwei Jahren, wie aus Daten von Bloomberg hervorgeht. Die Papiere brachten den Investoren im ersten Halbjahr laut Index-Daten von Bank of America Merrill Lynch einen Ertrag von 9,4 Prozent ein, im Vergleich zu einem Verlust von zwei Prozent im Vorjahreszeitraum.

Der Appetit der Anleger steht im Kontrast zum letzten Jahr, als Sorgen über die Kapitalstärke der Deutsche Bank einen marktweiten Ausverkauf auslösten und der Markt für AT1-Neuemissionen einfror. Jetzt sehen Investoren Wert in den Papieren, die im Falle, dass eine Bank in Schieflage gerät, als erste Verluste mittragen müssen. Dafür bieten sie aber eine höhere Verzinsung als andere Typen von Bankanleihen. Investoren greifen mittlerweile bevorzugt zu AT1-Papieren von finanzstarken Banken.

Augen auf die Emittenten

"Trotz der Rally sind sie noch attraktiv", sagt Mark Stacey, Fondsmanager bei BlueBay Asset Management in London. "Es ist jedoch entscheidend, die richtige Auswahl der Emittenten zu treffen."

Die AT1-Anleihen der Deutschen Bank, deren Kurs letztes Jahr bis auf 0,70 Euro je Euro Nominalwert gefallen war, haben sich wieder auf den Nominalwert erholt. Die Bank hatte eine Kapitalerhöhung durchgeführt und konnte eine juristische Untersuchung in den USA mit geringeren Kosten als erwartet abschliessen.

Gläubiger von nachrangigen Anleihen haben bei drei Bankenrettungen im Juni Geld verloren. Banco Popular Espanol wurde für den symbolischen Wert von einem Euro an Banco Santander verkauft, nachdem die Bankenaufseher das Kreditinstitut als nicht mehr lebensfähig einstuften. Italien restrukturierte Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza, indem die guten Aktiva von Intesa Sanpaolo übernommen wurden. Von den drei in Schieflage geratenen Banken hatte lediglich Popular AT1-Anleihen am Markt umlaufen.

Die Verluste machen die Risiken nachrangiger Bankanleihen deutlich. Doch da bei Popular sowohl die AT1-Papiere als auch die höherrangigen Tier-2-Anleihen abgeschrieben wurden, dürften Investoren künftig die vermeintlich sichereren Tier-2-Anleihen meiden zugunsten der AT1-Anleihen, die höhere Kupons bieten. "Investoren werden nochmal darüber nachdenken, wie sie Tier-2-Anleihen bewerten", sagt Barry Donlon, globaler Leiter Capital Solutions bei der UBS in London.

Fallstricke bleiben

HSBC bietet bei seiner jüngsten AT1-Anleihe im Volumen von 1,25 Mrd. Euro einen Kupon von 4,75 Prozent. Das ist laut Daten von Bloomberg die niedrigste jemals für eine solche Euro-denominierte Emission gebotene Verzinsung. Zum Vergleich: Im September 2015 musste HSBC für eine vergleichbare Anleihe einen Kupon von 6,0 Prozent zahlen.

Europäische Banken haben im abgelaufenen Quartal AT1-Anleihen in Euro und Dollar im Volumen von 11,7 Mrd. Dollar aufgelegt - das höchste Volumen seit dem ersten Quartal 2015, wie Bloomberg-Daten zeigen. Die spanische Bankia will in dieser Woche mit der Vermarktung einer AT1-Anleihe beginnen, wie verlautete.

Doch es bleiben Fallstricke. Die Bremer Landesbank teilte am 20. Juni mit, sie werde die freiwillige Kuponzahlung auf ihre AT1-Anleihen für dieses Jahr einstellen, um das Kapital zu stärken. Die Papiere werden hauptsächlich von der Muttergesellschaft Norddeutsche Landesbank gehalten.

In Portugal verhandelt der verstaatlichte Novo Banco über Verluste auf Senior Bonds, um seinen Verkauf an Lone Star Funds zu erleichtern. Vorausgegangen war, dass die vorrangigen Anleihen im Volumen von 2 Mrd. Euro Ende 2015 Verluste mittragen mussten. "Investoren betrachten nachrangiges Bankenkapital nicht mehr als eine Anlageklasse", sagt Henrik Johnsson, Co-Chef Anleihensyndizierung bei der Deutschen Bank in London. "Daher haben wir keine grossen Auswirkungen gesehen."

(Bloomberg)