Trump-Sieg verhilft Schweizer Börse zu Wochengewinn

Die Schweizer Börse hat zum Wochenschluss nachgegeben. Nach den kräftigen Gewinnen der vergangenen Tage habe der Markt eine Verschnaufpause eingelegt, sagen Händler.
11.11.2016 17:50
Alles halb so wild4: Die Aktienmärkte reagierten weltweit positiv auf Donald Trumps (links) Sieg bei den US-Präsidentenwahlen. Am Donnerstag war dieser zu einem ersten Besuch bei (Noch-)Präsident Barack Obama.
Alles halb so wild4: Die Aktienmärkte reagierten weltweit positiv auf Donald Trumps (links) Sieg bei den US-Präsidentenwahlen. Am Donnerstag war dieser zu einem ersten Besuch bei (Noch-)Präsident Barack Obama.
Bild: Bloomberg

Die Stimmung bleibe aber positiv und es sei daher mit einer Fortsetzung der Erholung zu rechnen. "Der Trump-Effekt dürfte anhalten", sagt ein Börsianer. Der SMI ermässigt sich bis Börsenschluss um 0,6 Prozent auf 7914 Punkte. Damit verbucht der Leitindex erstmals seit sechs Wochen wieder ein Wochenplus. Mit 3,8 Prozent ist es der zweithöchste Wochengewinn seit fast fünf Jahren.

In den vergangenen Tagen hatten die Aktienbörsen aufgrund von Spekulationen, der neue US-Präsident Donald Trump könnte ein schuldenfinanziertes Konjunkturprogramm auflegen, kräftig zugelegt. "Die Aussicht auf eine expansive Fiskalpolitik hat den Inflationserwartungen starken Auftrieb gegeben", heisst es in einem Kommentar der Valiant Bank. "Sollte Trump wie versprochen seine Pläne in der Haushalts- und Steuerpolitik verwirklichen, besteht eine grosse Chance, dass das Land schneller als erwartet aus der Falle von expansiver Geldpolitik und niedriger Inflation kommen könnte." Dies habe die Zinserwartungen weiter geschürt.

Der Markt zeigte sich zweigeteilt: Während Finanzwerte den Anstieg fortsetzten, nahmen die Anleger bei den Pharmawerten und konjunktursensiblen Titeln die jüngsten Gewinne mit.

Spekulation auf höhere Zinsen

Die Aktien der Grossbanken profitierten von der Aussicht auf höhere Zinsen und volatilere Märkte, weil dies ihre Geschäftsaussichten verbessere. Zudem hoffen die Anleger, dass die neue US-Regierung die Regeln für die Geldhäuser nicht weiter verschärft oder sogar etwas erleichtert. Die Titel der UBS steigen um 1,1 Prozent und die der Credit Suisse rücken um 1,5 Prozent vor. Am Donnerstag hatten UBS stärker angezogen als CS. Die Papiere der Vermögensverwalter Julius Bär, GAM und Vontobel geben im Rahmen des Marktes nach.

Die Aktien der Versicherer schwächen sich meist ab. Swiss Life und Swiss Re werden um gut 1 Prozent tiefer bewertet. Zurich legen dagegen um 0,2 Prozent zu. Der Allspartenversicherer hatte am Donnerstag den Aktionären eine stabile Dividende in Aussicht gestellt.

Die Anteile der Index-Schwergewichte Novartis und Roche schwächen sich um je 1,1 Prozent ab. Der Biotech-Wert Actelion dagegen dreht mit 0,7 Prozent in die Gewinnzone. Titel aus der Gesundheitsbranche hatten anfangs besonders stark von Trumps Wahlsieg profitiert, weil erwartet wird, dass der Republikaner weniger stark in die Preisgestaltung von Medikamenten eingreifen wird als dies die demokratische Kandidatin Hillary Clinton getan hätte. Die Cosmo-Aktien konsolidieren den Kurssprung vom Vortag mit einem Abschlag von 0,3 Prozent.

Nestlé können Rückfall nicht stoppen

Die ebenfalls schwergewichtigen Aktien des Lebensmittelkonzerns Nestlé notierten nach dem Minus von gut 2 Prozent am Donnerstag nochmals 0,4 Prozent tiefer. Die gut rentierenden Nahrungsmittel- und Immobilienwerte, die in Zeiten tiefer Zinsen als Obligationenersatz gefragt waren und sich daher vergleichsweise gut entwickelt hatten, setzten den Abwärtstrend fort.

Die Aktien von PSP und SPS schwächen sich um 0,6 und 0,3 Prozent ab. Die beiden Immobilienfirmen haben für das dritte Quartal ein weitgehend den Erwartungen entsprechendes Ergebnis veröffentlicht.

Uneinheitlich zeigen sich zyklische Werte: Die Aktien von ABB sind knapp gehalten, Swatch legen 1,2 Prozent zu und Oerlikon sind leicht schwächer. Die zuletzt gefragten Titel des Zementproduzenten Lafarge-Holcim büssen 3,6 Prozent ein und die Titel des Personalvermittlers Adecco sind eine Spur höher.

Eine Kaufempfehlung von Kepler Cheuvreux hebt die Aktien des Bauausrüsters AFG Arbonia-Forster nicht lange hoch, sie gehen 0,3 Prozent tiefer aus dem Handel.

Meyer Burger fallen auf neues Rekordtief

Die Aktien des Heizkörperherstellers Zehnder sacken nach einer Gewinnwarnung über 15 Prozent ab.

Meyer Burger büssen 8,3 Prozent auf ein neues Rekordtief bei 2,11 Franken ein. Der Zulieferer für die Solarindustrie hatte am Dienstag unter anderem eine Kapitalerhöhung angekündigt, um sich finanziell wieder auf eine stabile Basis zu stellen. Das Rekapitalisierungsprogramm sei für Meyer Burger überlebenswichtig, da sonst die Rückzahlung einer im Mai 2017 fälligen Anleihe nicht sichergestellt sei, schrieb ZKB-Analyst Richard Frei. Bislang sei die Kapitalerhöhung keine Festübernahme.

(Reuters/cash)