Turbulenzen an Aktienmärkten - «Es ist die zunehmende Hilflosigkeit des US-Präsidenten, die beunruhigt»

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat am Freitag eine neue Eskalationsstufe erreicht. Das verunsichert Aktienmärkte und treibt den Goldpreis. Immerhin zeichnet sich in den USA vorbörslich eine Erholung ab.
26.08.2019 12:10
Von Pascal Züger
An der Börse ist die Unsicherheit derzeit gross.
An der Börse ist die Unsicherheit derzeit gross.
Bild: pixabay.com

Nachdem von Chinas Regierung am Freitag neue Strafzölle auf US-Einfuhren im Wert von über 75 Milliarden US-Dollar ankündigt worden waren, holte US-Präsident Donald Trump sofort zum Gegenschlag aus. Er ordnete ebenfalls höhere US-Strafzölle auf chinesische Waren an. Die USA will ab Oktober alle bisherigen Zölle um 5 Prozent anheben. Und die neuen Zölle, welche alle Güter betreffen, werden ebenfalls nochmals um 5 Prozent erhöht.

Bereits am Freitag kam es deswegen im späten Börsenhandel zu deutlichen Abgaben, der Dow-Jones-Index schloss 2,4 Prozent tiefer. Der japanische Leitindex Nikkei beendete den Montagshandel um über 2 Prozent im Minus. Gleichzeitig erreichte Gold am Montagmorgen den höchsten Stand seit 2013. Die Verunsicherung ist gross.

"Es ist weniger die Höhe der Zölle, die beunruhigt, als die zunehmende Hilflosigkeit, mit welcher der US-Präsident agiert", schreibt dazu Beat Schiffhauer, Senior Strategieanalyst der St. Galler Kantonalbank (SGKB), in einem Kommentar. Trump benötige eine Einigung mit China immer mehr. Zwar laufe die Wirtschaft noch in den USA, doch ziehen zunehmend dunklere Wolken am Konjunkturhimmel auf. "Um mit einer boomenden Wirtschaft und einem guten Aktienmarkt in den Wahlkampf zu ziehen, wäre ein Deal mit China die beste Variante."

Dow Jones vorbörslich im Plus

Der Swiss Market Index (SMI) startete dann auch mit Verlusten in den Montagshandel, konnte diese bis zum Mittag aber beinahe wieder wett machen. Dass die Verluste nicht so gross sind wie anfänglich befürchtet, dürfte damit zusammenhängen, dass China die Wogen zuletzt wieder etwas zu glätten versuchte. "Wir sind gewillt, die Probleme durch Beratungen und Kooperationen mit einer ruhigen Haltung zu lösen", sagte Liu He, chinesischer Vizepremierminister. Auch Donald Trump kündigte an, dass beide Länder "sehr bald" neue Verhandlungen aufnehmen würden.

Das scheint die Märkte zumindest vorübergehend zu beruhigen. Im Amerika zeichnet sich sogar ein positiver Börsentag ab: Der Dow Jones legt vorbörslich gemäss Daten von Bloomberg um 0,9 Prozent (+230 Punkte) zu. Die Technologiebörse Nasdaq wird sogar 1,2 Prozent (+90 Punkte) höher indiziert.

Trotzdem könnte ein Aufatmen der Anleger zu früh kommen: "Die Hoffnung auf einen Deal sind zum jetzigen Zeitpunkt fehl am Platz", sagte Anlagestrategin Eleanor Creagh vom Brokerhaus Saxo Capital Markets. Auch Portfolio-Manager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners warnte wegen der angekündigten chinesischen Vergeltungszölle auf US-Waren vor einem Rückschlag für die Weltwirtschaft. "Aus dem Handelsstreit ist endgültig ein Handelskrieg geworden."

Schiffhauer von der SGKB rechnet weiterhin mit einer hohen Volatilität, solange der Handelsstreit die Börsenagenda bestimme. Als zentraler Treiber sieht er aber die Geldpolitik, welche dem Konjunkturgang und damit den Aktienmärkten mehr Boden gebe. Sein Ratschlag: "Als Aktieninvestor kann es sich lohnen, negative Marktverwerfungen zu nutzen, um etwas günstiger in defensive Firmen zu investieren."

(Mit Material von AWP und Reuters)

 
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