Übernahmekarussell nimmt Fahrt auf

In den Schweizer M&A-Markt kommt Schwung. Am Mittwoch wurden gleich zwei SPI-Unternehmen Übernahmeangebote unterbreitet. cash sagt, welches die nächsten möglichen Übernahmekandidaten sind.
03.10.2013 01:00
Von Frédéric Papp
Das Übernahmekarussell an der Schweizer Börse dreht etwas schneller als auch schon.

Seit Mittwoch dreht das Übernahmekarussell am Schweizer Aktienmarkt etwas schneller. Mit dem Generikahersteller Acino und dem Edelmetallproduzenten International Minerals (IMZ) gingen gleich zwei Unternehmen in ausländische Hände über.

Die Ankündigung bescherte vor allem den Acino-Aktionären ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk. Die Titel schossen am Mittwoch über 31 Prozent hoch. Bei IMZ sind es immerhin gut 6 Prozent. Neben Acino und IMZ gibt es aber noch weitere an der Schweizer Börse SIX kotierte Unternehmen, die als potenzielle Übernahmekandidaten gehandelt werden.

"Im Biotechbereich ist Basilea der interessanteste Übernahmekandidat", sagt Birgit Kulhoff, Aktienanalystin bei Rahn & Bodmer, zu cash. Das Basler Biotechunternehmen hat am Montag positive Daten aus einer Phase-III-Studie mit dem Wirkstoff Antimykotikum Isavuconazol gegen Schimmelpilze veröffentlicht. Daraufhin rückte der Aktienkurs um 7 Prozent vor. Seit Jahresbeginn verteuerte sich die Namenaktie um 76 Prozent.

Lust auf Anti-Pilzmittel und Süsses

Mit den positiven Studiendaten rückt Basilea in den Fokus der grossen Pharmamultis. Als möglicher Käufer könnte laut Kulhoff die japanische Astellas Pharma auf den Plan treten. Denn zwischen Basilea und Astellas bestehen bereits Lizenzvereinbarungen.

Alle grossen Pharma- und Biotechfirmen versuchen akquisitorisch zu wachsen, um ihren Nachschub an neuen Medikamenten auszubauen. Derzeit laufen bei einigen Pharma-Konzernen Patente umsatzstarker Arzneien aus. Übernahmen sind aber schwieriger geworden, da die Preise für die interessanten Übernahmekandidaten in den letzten zwei Jahren deutlich angestiegen sind. "Daher verschieben die grossen Pharma- und Biotechfirmen ihren Fokus auf den Kauf von einzelnen Produkten oder Lizenzdeals", sagt Kulhoff.

Dies trifft zum Beispiel für den Nahrungsmittelzusatzhersteller Evolva zu. Die Aktie haussierte seit Jahresbeginn um 136 Prozent. Das kleine Baselbieter Unternehmen stellt den kalorienfreien Süssstoff Stevia her. Aufgrund des attraktiven Marktpotenzials des alternativen Süssstoffs dürften Nahrungsmittelmultis wie zum Beispiel Nestlé oder Unilever Appetit auf das Stevia-Produkt bekommen. Die Markteinführung ist für Mitte 2015 geplant.

Ascom und Comet

Marktkreise werfen auch immer wieder den Namen Ascom als potenziellen Übernahmekandidaten in die Runde. Der Berner Technologiekonzern hat mit TEMS Investigation ein Produkt in seinen Reihen, das Mobilfunknetzbetreibern weltweit erlaubt, die Leistungskapazität ihrer Mobilfunknetze für iPhone-Benutzer zu optimieren.

Telekomausrüster könnten daher eine Übernahme in Erwägung ziehen. Gerade auch, weil Ascom mit den Halbjahreszahlen mehrheitlich überzeugen und somit den Turnaround bestätigen konnte. Hinzu kommt: Die Zürcher Kantonalbank hält knapp 27 Prozent der Aktien. Der Grossaktionärin werden Verkaufsabsichten in der Kursregion von 15 Franken nachgesagt. Derzeit notiert die Aktie bei gut 13 Franken. Anfang Jahr notierten die Titel noch bei 9 Franken.

Übernahmefantasien spielen auch bei der Comet-Gruppe, deren Aktien nach einem stetigen Anstieg seit April dieses Jahres auf dem Jahreshöchststand von 302 Franken notieren. Das mit einem Marktwert von gut 220 Millionen Franken gehandelte Technologie-Unternehmen hat sich auf die Herstellung von Vakuumkondensatoren und Röntgenmodulen spezialisiert. Der zweite Bereich umfasst auch das sogenannte E-Beam-Verfahren.

Dieses wird eingesetzt, um Kartonverpackungen für flüssige Lebensmittel zu sterilisieren. Es soll mittelfristig zum dritten Standbein werden. An dieser Sparte könnte beispielsweise der Lausanner Verpackungskonzern Tetra Pak interessiert sein.

"Günstige" Züblin

Auch im Immobilienbereich gibt es einen heissen Übernahmekandidaten – zumindest wenn man den Discount betrachtet. Die Züblin Namenaktien werden 45 Prozent unter dem Buchwert von 3,60 Franken pro Titel gehandelt.
Und im Aktionariat der Züblin sitzt mit Viktor Vekselberg ein bekannter Grossaktionär.

Der russische Investor ist seit 2004 beim Zürcher Immobilienunternehmen investiert und vergrösserte seinen Anteil stetig bis auf aktuell 16,2 Prozent. Gut möglich, dass Vekselberg seine Beteiligung mittelfristig auf ein Drittel ausbaut. Dann müsste er laut Börsenrecht den Züblin-Aktionären ein Übernahmeangebot unterbreiten. Ein Zukauf ist günstiger als auch schon. Die Aktie notiert 23 Prozent tiefer als noch zum Jahresanfang.

Nach Schätzungen von Standard & Poors schlummern in den Bilanzen aller Unternehmen weltweit rekordverdächtige 4 Trillionen Dollar an Cash. Dieses Geld muss über kurz oder lang investiert werden, wie zum Beispiel in Forschung und Entwicklung, Akquisitionen oder in Form von erhöhten Ausschüttungen an die Aktionäre. In der Summe, eine klar aktionärsfreundliche Umgebung.