UBS-Aktie klettert trotz Busse auf 17-Monats-Hoch

Die Milliardenbusse für die UBS im Libor-Skandal wirkt für die Aktie wie ein Befreiungsschlag. Das UBS-Papier erreicht am Mittwoch die höchste Notierung seit Juli 2011.
19.12.2012 11:15
Passanten betrachten bei der UBS den Verlauf der Börsenkurse.

Die Skepsis der Anleger rund um die UBS-Strafe dauerte nicht lange: Nach anfänglichen Verlusten drehte die UBS-Aktie schnell in die Gewinnzone. Zuletzt notierte der Titel fast zwei Prozent im Plus und markierte bei 15,62 Franken den höchsten Stand seit Anfang Juli 2011. Die Handelsvolumen sind überdurchschnittlich. Nach zwei Handelsstunden wurden bereits mehr als die Hälfte eines üblichen Tagesvolumens umgesetzt. 

Händler sagen, mit diesen Angaben falle eine Unsicherheit weg, die die Aktie belastet habe. "Ausserdem hätte die Busse noch viel höher ausfallen können", sagte ein Börsianer. Die Bank sei dabei, Ordnung zu schaffen.

Damit setzt die UBS-Aktie die im Sommer gestartete Erholung fort. Seit Juli haben die Titel über 50 Prozent gewonnen. Alleine in den letzten vier Wochen summiert sich das Plus auf annähernd 8 Prozent. Im Jahresvergleich der besten SMI-Titel steht die UBS nun auf Platz drei. 

Milliardenverlust im vierten Quartal. 

Dessen ungeachtet kommt die Verstrickung in den Libor-Skandal die UBS teuer zu stehen. Die größte Schweizer Bank muss an amerikanische, britische und Schweizer Behörden insgesamt 1,4 Milliarden Franken als Geldstrafen und eingezogene Gewinne zahlen. Das werde im vierten Quartal zu einem Verlust von zwei bis 2,5 Milliarden Franken führen, teilte das Finanzinstitut am Mittwoch mit.

Bestandteil der Vereinbarung mit den amerikanischen Behörden, die mit 1,2 Milliarden Franken den Löwenanteil einstreicht, sei, dass die japanische Tochter der UBS sich in einem einzelnen Anklagepunkt der Libor-Manipulation schuldig bekenne.

Die Geldstrafe ist rund dreimal so hoch wie die 450 Millionen Dollar, die die britische Barclays Bank wegen Libor-Manipulationen auf den Tisch legen musste. Vergangene Woche wurde HSBC wegen eines Geldwäsche-Skandals zu einer Geldstrafe von 1,9 Milliarden Dollar verdonnert. Für UBS selbst ist es die höchste Strafe, die die Bank jemals zu entrichten hatte.

Analysten halten UBS die Stange

Gemäss ersten Analystenkommentaren liegen die Vergleichszahlungen für die Beilegung der Libor-Affäre im Rahmen der Erwartungen. Das Total der Rückstellungen liege allerdings höher als bisher befürchtet. Auch der Zwischenbericht für das laufende vierte Quartal wird eher kritisch beurteilt. Dies gelte insbesondere für die zum Vorsteuergewinn und der Kernkapitalquote gemachten Aussagen. Allerdings werde das laufende vierte Quartal die ertragsseitige Talsohle darstellen, hiess es.

Die ZKB schliesst in einem Kommentar weitere Belastungen in Zukunft nicht aus, da Zivilprozesse noch am Laufen seien, Der negative Vorfall in der Investmentbank dürfte indes das Management im neu eingeschlagenen Kurs bestärken, die Risiken durch den Abbau im Investmentbanking konsequent abzubauen. Die Strategie, die UBS Investmentbank auf ihre traditionellen Stärken auszurichten und deutlich zu verkleinern sei zu begrüssen. Die Bank bleibe zudem überdurchschnittlich kapitalisiert.

Für die Bank Sarasin ist die Nachricht sehr unerfreulich und kostspielig, was den Ruf der UBS belasten könnte. Allerdings sei dies ein Teil der umfassenden Aufräumarbeiten, welche die UBS mit dem neuen Management eingeleitet habe. Offenbar seien auch die finanziellen Auswirkungen limitiert und - was noch wichtiger sei - wurden für das vierte Quartal gute Netto-Neugeldzuflüsse gemeldet. Die Bank sei insgesamt mit der neuen Strategie gut positioniert, auch mit Blick auf die aktuellen Vorgänge. Das "Buy"-Rating wird deshalb von Sarasin bestätigt.

40 Mitarbeiter entlassen

Nach Angaben von UBS waren bestimmte Mitarbeiter an dem Versuch beteiligt, die Eingaben für bestimmte Libor-Sätze zugunsten von Handelspositionen zu manipulieren. Eine Rolle habe auch der Wunsch gespielt, die Bank in der Finanzkrise gut dastehen zu lassen.

Ein Großteil der Manipulationen gehe auf einen einzelnen Händler zurück, der von 2006 bis 2009 für UBS in Tokio tätig war, erklärte die Schweizer Bankenaufsicht FINMA mit. Die FINMA zieht unrechtmäßig erwirtschaftete Gewinne von 59 Millionen Franken ein. Hinweise, dass das damalige Top-Management der UBS von den Manipulationen Kenntnis hatte, fand die FINMA nicht.

UBS-Konzernchef Sergio Ermotti erklärte in einer Telefonkonferenz, rund 40 Mitarbeiter hätten wegen der Libor-Manipulationen die Bank verlassen oder seien entlassen worden. UBS habe mit den Untersuchungsbehörden voll kooperiert und ihr Kontrollsystem inzwischen erheblich verbessert. "Im Verlauf der Untersuchungen haben wir ein inakzeptables Verhalten von gewissen Mitarbeitern festgestellt", erklärte Ermotti weiter. "Es ist ein Kapital, das sicher nicht positiv ist."

Insgesamt sollen mehr als ein Dutzend Großbanken über Jahre Referenzzinssätze wie den Libor zu ihren Gunsten manipuliert haben. Der einmal täglich in London ermittelte Libor soll anzeigen, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Der Zinssatz beruht auf den - von außen bislang kaum nachprüfbaren - Angaben der Institute und ist die Grundlage für billionenschwere Finanztransaktionen rund um den Globus.

(cash/AWP/Reuters)