UBS-Aktie kommt richtig in Fahrt

Die UBS erzielt im zweiten Quartal überraschend einen Milliardengewinn. Doch wie schon bei der Credit Suisse steckt der Teufel im Detail. Dennoch legt die UBS-Aktie nach Startschwierigkeiten kräftig zu.
29.07.2016 11:12
Von Lorenz Burkhalter
Das Quartalsergebnis der UBS stellt jenes der Rivalin Credit Suisse in den Schatten.
Das Quartalsergebnis der UBS stellt jenes der Rivalin Credit Suisse in den Schatten.
Bild: cash

Gestern Donnerstag wurde die Aktie der UBS an der Börse noch für den durchwachsenen Zahlenkranz der Erzrivalin Credit Suisse in Sippenhaft genommen. Nun wartet die grössere der beiden Schweizer Grossbanken allerdings überraschend mit einem milliardenschweren Quartalsgewinn auf und stellt letztere damit in den Schatten.

Wie schon bei der Credit Suisse liegt der Teufel auch bei der UBS im Detail. So war das zweite Quartal von einer Vielzahl einmaliger Kosten und Erträge geprägt. Für Gesprächsstoff sorgt auch der schwache Ergebnisbeitrag aus dem Wealth Management, dem erklärten Kerngeschäft der Schweizer Grossbank.

Nach einem lustlosen Einstand gewinnt die UBS-Aktie an der Schweizer Börse SIX an Fahrt. Nach einer nur leicht höheren Eröffnung zu Handelsbeginn gewinnt sie zur Stunde 3,4 Prozent auf 13,74 Franken. Beobachter berichten von Umschichtungen zu Lasten jener der Credit Suisse.

Im einem Kommentar der Zürcher Kantonalbank zeigt sich der Verfasser positiv überrascht, was das zweite Quartal anbetrifft. Nach den durchwachsenen Zahlen des Rivalen Credit Suisse habe die UBS einen insgesamt überzeugenden Zahlenkranz vorgelegt, so schreibt er. Und: Erneut zeige sich, dass die Bank rechtzeitig im Investment Banking aufgeräumt habe und deshalb nun mit weniger Altlasten unterwegs sei.

Gewinnrückgang im Kerngeschäft

Auf bereinigter Basis liegt der Vorsteuergewinn den Berechnungen des Experten zufolge um 23 Prozent über den Konsensschätzungen, unter Berücksichtigung der Rechtskosten sogar um 39 Prozent darüber. Auf der Suche nach einem "Haar in der Suppe" stösst er einerseits auf das die Erwartungen nicht ganz erfüllende Nettoneugeld sowie auf den eher vorsichtig formulierten Ausblick.

Dazu kommt der etwas tiefer als erwartete Gewinnbeitrag aus dem Wealth Management, dem erklärten Kerngeschäft der UBS. Dennoch erachtet man die Ergebnisqualität bei der Zürcher Kantonalbank als gut, blieb doch auch der Beitrag aus dem Corporate Center hinter den Erwartungen zurück. Die UBS-Aktie wird wie bis anhin aber nur mit "Marktgewichten" eingestuft.

Bei Kepler Cheuvreux und der Deutschen Bank sind hingegen die kostenseitigen Fortschritte ein Thema. Lange Zeit habe sich die UBS den Vorwurf gefallen lassen müssen, diesbezüglich im Hintertreffen zu sein. Nun zeige sich aber, dass dem nicht so sei, so lautet der Tenor.

Eine Vielzahl an Sonderfaktoren

Der für Bernstein Research tätige Analyst begrüsst sowohl die höher als erwarteten Erträge als auch die kostenseitigen Fortschritte. Darüber hinaus habe die UBS im zweiten Quartal von einem starken Ergebnis im Handel mit Festverzinslichen, Devisen und Rohstoffe (FICC) profitiert, so ergänzt er. Im Gegenzug zeigt sich der Experte enttäuscht über den deutlichen Gewinnrückgang im Wealth Management, wo Kunden aus den Schwellenländern offensichtlich Gelder abgezogen haben.

Allerdings gibt er zu bedenken, dass das zweite Quartal von einer Vielzahl an Sonderfaktoren geprägt ist. Die Restrukturierungskosten beziffert der Analyst auf 377 Millionen Franken und die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten auf 72 Millionen Franken. Dazu kommen ausserordentliche Gewinne von 123 Millionen Franken auf der Visa Europa Transaktion sowie von 120 Millionen Franken für den Verkauf von Liegenschaften.

Erst kürzlich sorgte Bernstein Research für Schlagzeilen, als die amerikanische Investmentbank die Wiederabdeckung der UBS-Aktie mit einer "Underperform" lautenden Verkaufsempfehlung und einem optisch tiefen Kursziel von 8 Franken aufnahm.