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«UBS-Aktien der Credit Suisse klar vorziehen»

Die Anleger sind bei Aktien wieder in Kauflaune, sagt Daniel Egger, Anlagechef bei Maerki Baumann, im cash-Börsen-Talk. Bei Schweizer Bankaktien würde er jedoch «noch nicht mit beiden Händen zugreifen.»
22.05.2015 01:01
Von Pascal Züger
Daniel Egger, Anlagechef der Privatbank Maerki Baumann, im cash-Börsen-Talk.
Bild: cash

Der Swiss Market Index (SMI) legte in den letzten drei Monaten eine regelrechte Achterbahnfahrt hin. Zwischenzeitlich kratzte der Index Mitte April an der 9500er Punkte-Marke und erreichte ein neues Achtjahreshoch. Doch die folgende Korrektur war schnell vorbei. "Wir sind wieder scharf nach oben geschossen", sagt Daniel Egger, Anlagechef der Zürcher Privatbank Maerki Baumann, im cash-Börsen-Talk. Seit Anfang Mai legte der Schweizer Leitindex wieder um knappe 5 Prozent zu.

Egger will sich bei der Prognose der kurzfristigen Bewegungen am SMI nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, da vieles möglich sei. Man könne nicht ausschliessen, dass die Börsentiefststände nochmals getestet werden. "Grundsätzlich zeigt sich jedoch, dass Käufer bereit sind, bei etwas tieferen Kursen wieder zuzukaufen", meint Egger. Das heisst: Die Börsen haben quasi eine Absicherung gegen allzu heftige Abstürze.

Support für die Börsen-Haussiers kam diese Woche auch von der US-Zentralbank. Der Leitzins in den USA wird voraussichtlich noch nicht im Juni steigen. Dies signalisierte die US-Notenbank in den Protokollen ihrer jüngsten Sitzung, die am Mittwoch veröffentlicht wurden. Nach einer Reihe enttäuschender Konjunkturdaten rechnen viele Ökonomen eher damit, dass Fed-Chefin Janet Yellen die Zinswende erst im September oder Ende 2015 einleiten wird.

Ein Mitglied des Offenmarktausschusses schlug laut Fed-Protokoll sogar ein höheres langfristiges Inflationsziel vor, was eine weitere weitere Verschiebung der Zinserhöhung zur Folge hätte. "Das wäre positiv für die Märkte", so Egger.

"Mittelfristig könnte noch einiges auf die UBS zukommen"

Bei den Einzelunternehmen im SMI stand die UBS diese Woche einmal mehr im Mittelpunkt. Im Fall der Manipulationen im Devisenhandel hat die Bank am Mittwoch eine unerwartet günstige Einigung mit US-Behörden bekannt geben können, und sie kommt um eine Strafklage herum. Insgesamt wird die Bank Bussen von knapp 550 Millionen Dollar bezahlen. Am Mittwoch legte die UBS-Aktie nach Bekanntgabe der Busse um 3 Prozent zu.

"Der Befreiungsschlag ist kurzfristig eingetreten, aber mittelfristig könnte noch einiges auf die UBS zukommen", sagt Egger. Es laufen weitere Untersuchungen zum Devisenhandel, beispielsweise durch die amerikanische Börsenaufsicht SEC oder die Schweizer Wettbewerbsbehörde. Weitere teure Rechtsstreitigkeiten stehen der UBS zudem im Zusammenhang mit möglicher Beihilfe zu Steuerhinterziehung (so in Frankreich), dem Verkauf fauler Hypothekenpapiere oder ihrer anonymen Handelsplattform (Dark Pool) bevor.

Laut Egger sollten Anleger bei Bankaktien "nicht mit beiden Händen zugreifen". Wenn schon solche Aktien, dann sollten gemäss Egger Investoren die Titel der UBS denjenigen der Credit Suisse "klar vorziehen." Die Aktien der UBS haben die CS-Titel in den letzten drei Jahren denn auch klar geschlagen. UBS verteuerten sich in diesem Zeitraum um 89 Prozent, CS bloss um 18 Prozent. Was sicherlich in jedes Schweizer Aktiendepot gehöre, so Egger, seien Pharma-Aktien aus dem SMI und Nestlé.

Im Börsen-Talk mit cash äussert sich Daniel Egger ausserdem zum Strukturwandel und zur Konsolidierung auf dem Bankenplatz Schweiz, zu den Verwerfungen am Obligationenmarkt und welchen Einfluss ein Ja zur Erbschaftssteuer-Initiative auf die Schweizer Aktientitel hätte.