UBS: Erste «Abzocker»-Forderungen umgesetzt

Obschon die Abzocker-Initiative noch nicht umgesetzt ist, hinterlässt sie an der UBS-Generalversammlung im Zürcher Hallenstadion vom Donnerstag bereits deutliche Spuren. Trotzdem gibt es Kritik für die Grossbank.
02.05.2013 06:16
Von Pascal Meisser
Dunkle Wolken am Horizont: Die UBS führt am Donnerstag ihre Generalversammlung durch.

Als erstes börsenkotiertes Unternehmen wird die UBS am Donnerstag auf das Organ- und Depotstimmrecht verzichten. Beide Möglichkeiten erlaubten bisher dem Aktionär, das Stimmrecht dem Verwaltungsrat zu übertragen. Dieser stimmte daraufhin als Organvertreter gemäss den Weisungen der Aktionäre und Depotvertreter im Sinne des Unternehmens ab. 

In jüngster Vergangenheit benutzten immer weniger Aktionäre diese Möglichkeit - mit der Folge, dass die vom Verwaltungsrat kontrollierten Stimmen im vergangenen Jahr erstmals in der Minderheit waren. Damals verfügte der Verwaltungsrat über 740 Millionen Stimmen, die vom unabhängigen Stimmrechtsvertreter verwalteten Stimmen überschritten die Grenze von 850 Millionen. 

Verzicht auf Depotstimmrechte

Möglicherweise hat diese Entwicklung mitgeholfen, dass die UBS auf die umstrittenen Stimmrechte verzichtet und eine der zentralen Forderungen der im März angenommenen Abzocker-Initiative - die Abschaffung des Depotstimmrechts - bereits frühzeitig umsetzt. 

Das bedeutet für die Aktionäre: Bereits am Donnerstag an der Generalversammlung im Zürcher Hallenstadion müssen die Aktionäre entweder selber vor Ort erscheinen, um abzustimmen. Oder sie müssen einen anderen anwesenden Aktionär damit beauftragen. Als dritte Variante bietet sich an, wie bisher dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter die Stimme zu übertragen. 

Diese Funktion wird seit neun Jahren von Urs Zeltner ausgeübt. Der Solothurner Fürsprecher und Notar der Zürcher Treuhandgesellschaft Altdorfer Duss & Beilstein erhielt in dieser Zeit immer mehr Stimmen von Aktionärenm darunter auch amerikanische Aktionärsvertreter und Institutionelle. Waren es 2007 noch 81 Millionen Stimmen, verzehnfachte sich diese Zahl innerhalb von fünf Jahren. 

Nebst dem Verzicht auf die Organ- und Depotstimmrechte wartet die UBS noch mit einer weiteren Änderung auf. Die Grossbank schuf ein Internetportal, auf welchem sich jeder Aktionär registrieren und seinen Willen dem unabhängigen Stimmrechtsvertreter kundtun kann. Auch dies ist ein Anliegen der Abzocker-Initiative, die künftig jede Schweizer börsenkotierte Firma erfüllen muss. 

Keine unabhängige Abstimmungsplattform

Im Gegensatz zu anderen Firmen setzt die UBS nicht auf eine unabhängige Abstimmungsplattform, die komplett von der Bank abgetrennt ist. Sie verwendet ein eigenes Aktionärstool, das mit der eigenen Internetseite sowie dem Aktienregister verknüpft ist. Dass es auch anders geht, zeigten bereits letztes Jahr Firmen wie Nobel Biocare und Adecco, die als Pioniere den Aktionären das elektronische Abstimmen ermöglichten. Aber auch Zurich Insurance Group, Swiss Life und Swiss Re setzen inzwischen auf solche externen und unabhängigen Plattformen. 

Dieses Ausscheren der UBS führt deshalb unter Aktionärsschützern zu herber Kritik. Mit der elektronischen Abstimmung müsse das Stimmgeheimnis gewahrt bleiben, wird Gregor Greber vom unabhängigen Zuger Vermögensverwalter zCapital in der "Neuen Luzerner Zeitung" zitiert. Dies sei aber nicht bei allen Lösungen sicher gestellt, da theoretisch der Verwaltungsrat Einsicht ins Abstimmungsverhalten der Aktionäre haben könne. 

Greber hat für diese Kritik auch ein Beispiel parat. "Bei Julius Bär, wo der Vergütungsbericht vor zwei Wochen abgelehnt worden ist, hatte der Verwaltungsrat schon vor der Generalversammlung Kenntnis von der negativen Tendenz bei der umstrittenen Abstimmung", sagt Greber zur Neuen LZ. Etliche Aktionäre wollten aber bevorzugt im Hintergrund bleiben, sagt er. Bei der UBS teilt man diese Bedenken nicht: «Das Portal entspricht höchsten Sicherheitsstandards», wird UBS-Sprecher Dominique Gerster in der Zeitung zitiert. Alle Stimmrechtsweisungen würden verschlüsselt übermittelt, so Gerster.