UBS mischt Kreditkarten-Markt auf

Mit dem neuen Billig-Kreditkartenleser geht die UBS in die Offensive gegen den Marktführer SIX Payment Services. Bereits überlegen erste Unternehmen, den Anbieter zu wechseln.
10.10.2013 01:00
Von Ivo Ruch
Bald sollen Kreditkartenzahlungen auch bei Kleinstunternehmen möglich sein.

Wer kennt das nicht: Man will noch schnell am Gemüsemarkt ein paar frische Rüebli kaufen, an der Espresso-Bar einen Cappuccino schlürfen oder am Imbissstand eine Bratwurst essen - und man muss feststellen, dass im Portemonnaie zwar Bank- und Kreditkarten, aber nicht mehr genug Münzen liegen. Bis anhin gab es nur zwei Auswege: Entweder man verzichtete auf den Genuss, oder aber man musste den nächsten Bancomaten suchen, um Bargeld abzuheben

Solche Situationen gehören schon bald der Vergangenheit an, wenn es nach der UBS geht. Noch dieses Jahr will die grösste Schweizer Bank einen neuen Billig-Kartenleser lancieren, der den Kreditkartenverarbeitungs-Markt in der Schweiz gehörig auf den Kopf stellen wird (cash berichtete).

Vereinfachter Zugang zur Kreditkartenwelt

Dieser schweizweit neue Service der UBS macht jedes Smartphone zur Bezahlstation - dank eines aufsteckbaren Kartenlesers und einer App, die seit einem Jahr auf dem Markt ist und bereits in zehn Ländern Europas eingesetzt wird. Damit wird künftig auch Tausenden von Kleinstunternehmen der Zugang zur Kreditkartenwelt ermöglicht. "Das Bezahlen wird so viel schneller und bequemer", sagt UBS-Sprecherin Karin Aquilino gegenüber cash. Akzeptiert werden alle gängige Karten wie MaestroMastercard oder Visa. Einzig für die Postcard fehlt laut Aquilino noch die benötigte Zertifizierung. 

Vor allem wird das bargeldlose Bezahlen deutlich günstiger: Denn die Smartphone-App "SumUp" ist kostenlos, und der Kartenleser kostet für UBS-Kunden 69,90 Franken, Nicht-UBS-Kunden bezahlen 99,90 Franken. Das ist im Vergleich zu den hohen Miet- oder Kaufkosten eines herkömmlichen Kassen-Terminals ein Schnäppchen. Heute verlangt beispielsweise der Marktleader SIX Payment Services bei Mietgeräten 50 Franken pro Monat und mehr, wobei eine Mindestmietdauer von zwölf Monaten gilt. 

Das ist zu teuer für Unternehmer wie Markt- und Messestandbetreiber, Imbissbudenbesitzer oder Flohmarktanbieter, die oft nur unregelmässig auf solche Terminals angewiesen sind. Unverändert bleibt einzig die Kommission, die an die Kartenherausgeber bezahlt werden muss: 2,5 Prozent für Kredit- und 1,5 Prozent für Debitkarten.  

Erste Ladenbesitzer überlegen Wechsel

Damit mischt die UBS einen Markt auf, der zurzeit von einem einzigen Anbieter dominiert wird: Der SIX Payment Service. Alleine in den Filialen der Grossverteiler Migros und Coop stehen Tausende von SIX-Automaten. Dazu kommen noch weitere Terminals in kleineren Dienstleistungs- und Gastronomiebetrieben. Gerade bei diesen Unternehmen droht SIX Payment Services ein erhebliches Geschäft wegzubrechen.

Bereits überlegen sich erste Ladenbesitzer einen Wechsel des Anbieters. "Weshalb soll ich ein SIX-Gerät für 60 Franken im Monat mieten, wenn ich bei der UBS ein Lesegerät für 70 Franken kaufen kann", sagt ein Inhaber eines Ladencafés im Raum Luzern. Für ihn ist deshalb klar: Sollten die heutigen Anbieter nicht ein ähnlich günstiges System für KMU auf den Markt bringen, wird er zur UBS wechseln. 

Bei der SIX zeigte man sich am Mittwoch überrascht über die Ankündigung der UBS. Beim Marktleader stehe das Bezahlen via App schon länger auf der Agenda, wie Mediensprecher Jürg Schneider auf Anfrage sagt. Man stecke in einer Pilotierungsphase mit dem App-Entwickler iZettle, der wie SumUp bereits in zahlreichen Ländern aktiv ist. Das hohe Tempo der UBS wird nun den Druck auf die SIX erhöhen, ihr Discount-Angebot ebenfalls möglichst schnell auf den Markt zu bringen.