«UBS-Rückstellungen sind zu tief»

Die zukünftigen Bussen für die UBS werden die gemachten Rückstellungen übersteigen, sagt Bankenanalyst Andreas Brun im Video-Interview. Dennoch macht er den Aktionären der Grossbank Hoffnung.
29.07.2014 14:03
Von Ivo Ruch
Andreas Brun ist Aktienanalyst bei der ZKB.
Bild: cash

Die UBS hat mit ihren Quartalszahlen die allgemeinen Erwartungen des Marktes zwar übertroffen. Die Grossbank steigerte den Gewinn um 15 Prozent auf 792 Millionen Franken. Das adjustierte Ergebnis, das auch die bisherigen Rückstellungen berücksichtigt, liege aber unter den Prognosen, sagt Banken-Analyst Andreas Brun von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) im Video-Interview.

Insbesondere eine Einigung mit der Staatsanwaltschaft Bochum kostet die UBS rund 300 Millionen Euro und belastet das Ergebnis im zweiten Quartal des laufenden Jahres. Doch damit sind noch längst nicht alle Rechtsfälle vom Tisch. Zurzeit beschäftigt die UBS ein Steuerstreit mit Frankreich. Die dortige Regierung fordert eine Kaution in der Höhe von rund 1,4 Milliarden Franken. Der Vorwurf: Die Bank soll reichen Kunden dabei geholfen haben, Gelder vor dem französischen Fiskus zu verstecken.

In diesem Fall sei momentan noch vieles Spekulation, so Analyst Brun. "Die verschiedenen Szenarien gehen von einem Sturm im Wasserglas bis zu einem Flächenbrand, der sich auf weitere Banken ausweiten könnte." Sollte diese Kaution allerdings Tatsache werden und müssten hierfür Rückstellungen gebildet werden, würde der UBS etwa ein Drittel des Jahresergebnisses wegfallen, sagt Brun.

Dividendenerhöhung in Sicht

Bisher wurden insgesamt Rückstellungen von knapp zwei Milliarden Franken für Rechtsstreitigkeiten gebildet. Das ist laut Brun zu wenig: "Die kommenden Bussen werden die gemachten Rückstellungen übersteigen." Vor allem aus den USA droht der UBS weiteres Ungemach. Es sind Verfahren wegen Wechselkursmanipulationen und ein Hypothekarfall hängig.

Eine positive Nachricht hat der Bankenexperte für die Aktionäre dennoch parat. Weil die Kapitalquote der UBS mit 13,5 Prozent bereits über dem angepeilten Wert liegt, können die Anleger für 2014 mit einer Dividendenerhöhung rechnen. "Ich gehe von einer Dividende von 80 Rappen aus", sagt Brun. Das wäre eine Rendite von knapp 5 Prozent beim gegenwärtigen Kurs von 16,45 Franken. "Allerdings unter dem Vorbehalt, dass keine negativen Überraschungen von Seiten der Rechtsfälle kommen."

Die UBS-Aktie hat auf das aktuelle Zahlenset nach einem kurzfristigen Kurssprung negativ reagiert. Am Dienstag verliert der Titel in einem praktisch unveränderten Gesamtmarkt bis zu 2 Prozent.

(mit Material von AWP und Reuters)