UBS und CS sind «heiss» auf Aktien

Die beiden Schweizer Bankenflaggschiffe UBS und Credit Suisse erhöhen nahezu zeitgleich den Anteil europäischer Aktien in ihren Kundenportfolios. Auf welche Einzelaktien die beiden Grossbanken setzen.
08.09.2014 08:38
Von Lorenz Burkhalter
Was Aktien anbetrifft, sind sich UBS und Credit Suisse einig.

Am vergangenen Donnerstag reduzierte die Europäische Zentralbank (EZB) ihren Leitzins überraschend von 0,15 auf 0,05 Prozent. Gleichzeitig kündigte sie ein Rückkaufprogramm für verbriefte Schuldverschreibungen nach amerikanischem Vorbild an.

Noch am selben Tag reagierte das Global Research der UBS mit einer Erhöhung der Aktienquote. Riet die Grossbank ihrer Anlagekundschaft bisher zu einer Übergewichtung von 175 Basispunkten, so sind es neu 550 Basispunkte. Mit anderen Worten: Das Übergewicht beträgt neu nahezu das Dreifache. Umgesetzt wird die Erhöhung mit einem Ausbau des Anteils europäischer Aktien.

Mittlerweile meldet sich auch die Credit Suisse zu Wort. Die für die Erzrivalin tätigen Strategen bauen die Übergewichtung bei den Aktien von 8 auf 12 Prozent aus. In Erwartung eines schwächeren Euros machen auch sie an den europäischen Aktienmärkten günstige Einstiegsgelegenheiten aus.

Unterschiedliche Beweggründe für die optimistische Haltung

Nach einem von starken Kursausschlägen geprägten August halten die für die UBS tätigen Berufskollegen eine Rückkehr in die Aktien für sinnvoll. Nicht zuletzt aufgrund der geringen Attraktivität festverzinslicher Anlagen komme man als Anleger nicht um Aktien herum. Anders als noch vor wenigen Monaten sei die Bewertung der Aktienmärkte vernünftiger.

In Erwartung einer Erholung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, von welcher viele Unternehmen überdurchschnittlich stark profitieren sollten, setzt die Grossbank auf europäische Aktien. Sie gibt diesen im Vergleich zu amerikanischen Aktien marginal den Vorzug.

Deutlich positiver für Europa gibt man sich bei der Credit Suisse. Die Zinsen seien auf ein normales Niveau zurückgefallen, die Unternehmensmargen hätten im weltweiten Vergleich das grösste Aufwärtspotenzial und die wirtschaftlichen Frühindikatoren dürften die Talsohle noch diesen Monat durchschreiten, so heisst es seitens der UBS-Rivalin.

Die Zins- und Geldpolitik der Europäischen Zentralbank werde den Euro substanziell schwächen. Als Gewinner einer schwächeren Heimwährung nennen die Strategen die Aktien von Publicis, Arcadis und Fresenius Medical Care. Den französischen Aktienmarkt halten sie für überverkauft, weshalb sie bei L'Oréal, Publicis und St. Gobain Einstiegsgelegenheiten ausmachen. Darüber hinaus empfehlen sie die Aktien der beiden Versicherungsgesellschaften Axa und Allianz sowie der Retailbanken Intesa, Caixabank, Société Générale, Deutsche Bank, Natixis und SEB.

Schauen die Grossbanken einander auf die Finger?

Schon seit Monaten befinden sich UBS und Credit Suisse mehr oder weniger im Gleichschritt. Beide Grossbanken sahen sich Mitte Juli ebenfalls zeitgleich zu einer Reduktion des Übergewichts in den Aktien veranlasst. Nach enttäuschenden Nachrichten aus der Wirtschaft reduzierten sie vor allem den Anteil europäischer Aktien.

Das erwies sich rückblickend als falsch, notierte der viel beachtete Euro Stoxx 50 Index damals doch in der Region von 3165 Punkten. Am Freitag ging das Börsenbarometer bei 3275 Zählern aus dem Handel, was einem Plus von knapp 3,5 Prozent gegenüber dem Stand von Mitte Juli entspricht.

Dass UBS und Credit Suisse die Aktienquote nur mit wenigen Tagen Unterschied wieder ausbauen, lässt die Vermutung zu, dass die beiden Grossbanken einander genauestens auf die Finger schauen.