UBS- und CS-Zahlen: 7 Einschätzungen

Die über Erwarten positiv ausgefallenen Halbjahreszahlen von US-Grossbanken lässt auch hierzulande die Hoffnung auf gute Abschlüsse der beiden Grossbanken UBS und CS hoffen. Was ist zu erwarten?
17.07.2014 14:30
Von Frédéric Papp
Die CS wird am 22. Juli die Halbjahreszahlen vorlegen, die UBS eine Woche später.

1. Aktienkurs

Bis vor Kurzem fielen die Aktienkurse der UBS und der Credit Suisse (CS) kontinuierlich zurück. Der Markt schien von eher enttäuschenden Halbjahreszahlen auszugehen. Doch mit den besser als erwartet ausgefallenen Halbjahresresultaten der US-Grossbanken Wells Fargo, Citigroup, JP Morgan, Goldman Sachs und Morgan Stanley hat das Marktsentiment gedreht. Innerhalb einer Woche haben sich die UBS- und CS-Aktien um 2 beziehungsweise gut 3 Prozent verteuert. Die CS wird am kommenden Dienstag die Zahlen für das zweite Quartal präsentieren, die UBS am 29. Juli.

2. Private Banking

Rund dürfte es den Schweizer Grossbanken im Private Banking gelaufen sein. Vor allem die Fokussierung auf superreiche Kunden, im Fachjargon Ultra High Net Worth Individuals (UHNWI) genannt, dürfte für solide Neugeldzuflüsse gesorgt haben. Insbesondere reiche Asiaten tragen ihre Millionen gerne auf Schweizer Banken, wie aus einer Studie von Mitte Mai hervorgeht. Vermögende in der Kategorie mit mehr als 25 Millionen Dollar rühmten in dieser Studie vor allem die UBS. Sie biete die beste Beratung im asiatisch-pazifischen Raum.

3. Investmentbanking

Die seit Monaten unterdurchschnittlichen Handelsvolumen an den Börsen und die kellertiefe Volatilität werden auf die Erträge im Investmentbanking drücken. Der negative Impact wird bei der CS grösser ausfallen als bei der UBS, da Erstere stärker auf das Investmentbanking, insbesondere auf das Anleihengeschäft, ausgerichtet ist. Teilweise dürfte der Rückgang durch das Beratungsgeschäft bei Fusionen und Firmenübernahmen aufgefangen werden. Diese Sparte hat nach Jahren der Flaute im ersten Halbjahr dieses Jahres wieder an Fahrt aufgenommen.

4. Margen

Das anhaltende Tiefzinsniveau und die niedrigen Transaktionsvolumen werden an den Margen nagen. Während bei der UBS die Marge im Wealth Management laut Marktkonsens den Wert im ersten Quartal von 87 Basispunkten leicht unterbieten wird, ist bei der CS ein Rückgang von 104 auf rund 102 Basispunkte wahrscheinlich. Noch stärker abschmelzen werden die Margen im Fixed-Income-Bereich, und zwar für beide Grossbanken. Je nach Schätzung wird mit einem Rückgang zwischen 14 bis 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet.

5. Gewinnentwicklung

Die beiden Grossbanken dürften für das zweite Quartal wegen erodierender Margen, schärferen Regulierungsbestimmungen und happigen Rückstellungen für weitere Rechtsstreitigkeiten Schwierigkeiten haben, ihre Gewinne zu behaupten. Untersucht werden derzeit folgende Rechtsfälle: Wechselkursmanipulationen, Libor-Zinsmanipulationen, illegale grenzüberschreitende Geschäfte, der Hochfrequenzhandel und neuerdings auch die Dark Pools. Gerade bei den Dark Pools waren die Schweizer Grossbanken gut im Geschäft - jetzt drohen auch hier Untersuchungen, Regulation und damit Umsatzschwund.

6. Kernkapitalquoten

Rückstellungen und Bussgeldzahlungen für offene Rechtsfälle werden auch die Kernkapitalquote (Tier 1) der beiden Grossbanken belasten. So geschehen bei der Credit Suisse. Wenn die Geldbusse von 2,6 Milliarden Dollar, die der Bank im Mai von den US-Behörden wegen Beihilfe bei der Steuerhinterziehung auferlegt wurde eingerechnet wird, sinkt die Kernkapitalquote auf 9,3 Prozent. Von den 17 weltweit aufgestellten Investmentbanken, die von Bloomberg Industries beobachtet werden, ist dies die niedrigste Quote. Die UBS wurde im zweiten Quartal von hohen Busszahlungen verschont. Somit dürfte die Quote auf gegen 13,5 Prozent zu liegen kommen. Allerdings droht der Bank Schätzungen zufolge im Devisenhandelskandal eine Busse von gegen 7 Milliarden Franken. Dies würde die Kernkapitalquote auf gegen 10 Prozent abschmelzen lassen.

7. Strategische Repositionierung

Während die UBS den Schwerpunkt auf die Vermögensverwaltung legt und sich schrittweise aus dem schwankungsanfälligen Investmentbanking zurückzieht, schält sich bei der Credit Suisse noch keine klare Stossrichtung heraus. Eine Repositionierung tut aber durchaus Not, in Anbetracht der geringen Profitabilität des Investmentbankings. VR-Präsident Urs Rohner hat im Mai gegenüber den Medien denn auch durchblicken lassen, dass Überlegungen in Richtung eines Umbaus des Investmentbankings bestehen. In besonderem Masse gilt das für das Geschäft mit Festverzinslichen (Fixed Income), der gewichtigsten, am meisten Eigenkapital bindenden Teileinheit des Investmentbanking.