UBS-Verwaltungsratspräsident - Axel Weber sieht schwere Zeiten auf Geldpolitik zukommen

UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber sieht die Geldpolitik trotz des weltweiten Aufschwungs vor schwierigen Zeiten.
16.11.2017 15:20
Axel Weber, VR-Präsident UBS.
Axel Weber, VR-Präsident UBS.
Bild: Bloomberg

Die ultra-lockere Linie der Währungshüter auf beiden Seiten des Atlantiks habe zu einem gewaltigen Übermass an Liquidität an den Finanzmärkten geführt, sagte der frühere deutsche Notenbankchef am Donnerstag auf dem Wirtschaftsgipfel der "Süddeutschen Zeitung" in Berlin. Auch wenn die EZB etwas den Fuss vom Gas nehmen wolle und die US-Notenbank Fed mit dem Abbau ihrer aufgeblähten Bilanz begonnen habe, zirkuliere dennoch immer noch zu viel Geld "auf der Jagd nach Rendite" im Finanzsystem. Doch die Investoren liessen vielfach die Risiken ausser Acht: "Jetzt, da die Geldpolitik sich etwas zurücknimmt, geraten wir in ein sehr schwieriges Umfeld."

SNB oder EZB: Wer erhöht die Zinsen zuerst?

Ökonomen der Credit Suisse schliessen einen geldpolitischen Alleingang der Schweizerischen Nationalbank nicht länger aus (zum Artikel). Sind drei Grundvoraussetzungen erfüllt, könnte die SNB die Zinsen vor der EZB erhöhen. Und auch die Genfer Privatbank Pictet rechnet mit einer SNB-Zinserhöhung bereits im 2018 (zum Artikel). Wer erhöht Ihrer Meinung nach zuerst die Zinsen?

Die EZB.
72% (2624 Stimmen)
Die SNB.
28% (1009 Stimmen)
Gesamtstimmen: 3633

Die Geschichte lehre, dass geldpolitische Wendepunkte stets wirtschaftliche Probleme nach sich zögen. In dieser Situation laufe der Wunsch der Investoren ins Leere, von den Notenbanken mehr Orientierung über den künftigen Kurs zu bekommen: "Das können die Zentralbanken in diesen aussergewöhnlichen Umständen gar nicht leisten, weil sie nicht wissen, was vor ihnen liegt." Es fehle an "Karten, um auf diesem Neuland zu navigieren". Denn niemals zuvor habe es weltweit ein so niedriges Zinsniveau gegeben. Auch die Bilanzen der Zentralbanken seien so aufgebläht wie niemals zuvor.

Weber hatte das Amt als Verwaltungsratspräsident der UBS 2012 übernommen. Der frühere Volkswirtschafts-Professor war 2011 nach Differenzen über den geldpolitischen Kurs der EZB als Bundesbankchef zurückgetreten. Weber sagte in Berlin, vor Jahren hätten sich die Befürworter der ultra-lockeren Geldpolitik mit Blick auf die Stützung der Finanzmärkte und die Konjunktur "wahre Wunderdinge" erwartet. Er finde es "verstörend", wenn ihm die Niedrigzins-Anhänger nun erzählen wollten, dass die Abkehr von der Geldflut die Wirtschaft nicht tangieren werde.

(Reuters)