UBS will auch weniger reiche Kunden gewinnen

UBS Wealth Management, der weltgrösste Vermögensverwalter für sehr wohlhabende Kunden, wendet sich dem Massenmarkt der Wohlhabenden zu, um mehr Kunden zu gewinnen.
15.10.2016 06:12
Filiale der UBS am Marktplatz in Basel.
Filiale der UBS am Marktplatz in Basel.
Bild: cash

Ab kommendem Monat wird die Grossbank einigen Kunden in Grossbritannien mit einem Anlagevolumen von lediglich 15.000 Pfund (16.600 Euro) Zugang zu einem Online-Service ermöglichen, der ihr Geld auf der Grundlage von Informationen investiert, die sie über sich selbst geben. Die volle Markteinführung in Grossbritannien ist für Anfang 2017 vorgesehen, und im Laufe der Zeit soll die "SmartWealth" Plattform auf andere Länder ausgeweitet werden.

Das Projekt ist Teil eines Vorhabens, das Vermögensverwaltungsgeschäft der Bank auszuweiten, indem Fortschritte bei digitaler Technologie genutzt werden. Die UBS betreut Kundengelder im Volumen von 2 Billionen Dollar, zumeist für Vermögende (High Net Worth) und sehr Vermögende (Ultra-High Net Worth), die typischerweise mindestens 2 Mio. Dollar beziehungsweise 50 Mio. Dollar anzulegen haben.

"Dies ist ein Wachstumsbereich für unser Geschäft, und ich sehe eine zunehmende Relevanz, ebenso wie eine Ausweitung im Laufe der Zeit auf andere Standorte", sagte Edmund Koh, Chef Wealth Management in der Region Asien-Pazifik, der den Vorstoss leitet. Über andere Programme öffnet die UBS auch die Türen für weniger Reiche in Deutschland und Taiwan.

Die grösste Schweizer Bank ist unter Druck infolge der rekordniedrigen Zinsen und der wachsenden Tendenz der Wohlhabenden, aufgrund wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten ihr Geld in bar zu halten, statt es zu investieren und arbeiten zu lassen. Die Vermögensverwaltungssparte der UBS hat wiederholt die Gewinnschätzungen der Analysten verfehlt, was CEO Sergio Ermotti gezwungen hat, die Kostensenkungen zu verschärfen und auch Stellen zu streichen.

Geld wird online verwaltet

Anders als in der traditionellen Vermögensverwaltung müssen die Kunden nicht in eine Geschäftsstelle gehen, sondern können ihr Geld vollständig online verwalten. Zwar können britische Kunden mit nur 15.000 Pfund Anlagebetrag die Plattform nutzen, was auf Besonderheiten des britischen Pensionssystems zurückgeht. Doch möchte die Bank eigentlich den so genannten Massenmarkt der Wohlhabenden ansprechen - Personen, die mindestens 100.000 Pfund anlegen können.

Andere Banken setzten auf Technologie, um Investoren zu erreichen. So entwickeln Deutsche Bank und Morgan Stanley Robo-Advisers - Algorithmen, die den Anlegern helfen, Portfolios ohne oder mit nur wenig menschlichem Zutun aufzubauen und zu verwalten.

Bei der UBS "erfolgt die Anlageentscheidung letztendlich nicht durch einen Roboter", sagte Dirk Klee, Chief Operating Officer der Vermögensverwaltungssparte, im Interview mit Bloomberg. "Es sind Meinungen von Experten, die durch einen digitalen Kanal geliefert werden."

Dafür werden die Kunden mehr zahlen müssen. Die UBS will nach eigenen Angaben bei einem aktiv verwalteten Portfolio eine Provision von 1,7 Prozent des Anlagevolumens nehmen und von rund einem Prozent bei passiven Anlagestrategien oder solchen, die Marktindizes abbilden. Die Gebühren sinken mit steigendem Anlagebetrag. Robo-Berater kosten üblicherweise weniger als die Hälfte der Gebühren eines traditionellen Brokers.

(Bloomberg)