UBS zieht der Konkurrenz davon

Die UBS baut den Vorsprung auf die Rivalen aus Zürich und Frankfurt immer weiter aus. Die grösste Schweizer Bank überraschte am Dienstag mit dem besten Quartalsergebnis seit fast fünf Jahren.
05.05.2015 15:12
Sonne und für einen Moment wolkenloser Himmel: Die UBS strahlt mit gutem Quartalsergebnis.
Sonne und für einen Moment wolkenloser Himmel: Die UBS strahlt mit gutem Quartalsergebnis.
Bild: de.wikipedia

Nicht nur beim Gewinn, auch beim Kapitalpolster stellt das Institut die Konkurrenz in den Schatten. Damit schlägt die von Konzernchef Sergio Ermotti und Präsident Axel Weber in den vergangenen Jahren durchgepaukte Kurskorrektur - das Investmentbanking zu stutzen, aber nicht ganz aufzugeben - voll durch. Dagegen hat die Deutsche Bank ihre neue Strategie - eine Schrumpfkur im Privatkundengeschäft - erst vor einer Woche vorgestellt. Getrübt wird das Bild bei der UBS einzig von ihrer Verwicklung in den Devisenskandal, die zu schmerzhaften Strafen führen dürfte.

Der Reingewinn der UBS kletterte im ersten Quartal um 88 Prozent auf 1,98 Milliarden Franken (1,9 Milliarden Euro) und übertraf damit selbst die optimistischsten Analystenschätzungen deutlich. Die wichtigsten Ertragsstützen, das Investmentbanking und die Vermögensverwaltung für reiche Privatkunden, steuerten deutlich mehr zum Gewinn bei als noch vor Jahresfrist. Die Vermögensverwaltung schaffte das beste Ergebnis seit 2008. An der Börse schossen die UBS-Aktien über sechs Prozent nach oben.

Zwar profitierte die UBS wie andere Banken vom günstigen Umfeld - die Liquiditätsflut der Notenbanken und das gestiegene Handelsvolumen mit Währungen, Staatsanleihen und Aktien, nachdem die Schweizer SNB die Euro-Anbindung des Frankens kappte. Aber die UBS übertraf die Eckwerte der ärgsten Konkurrenten Deutsche Bank und Credit Suisse klar. Dies gilt nicht nur für den Gewinn. Bei der Rendite erreichte die UBS mit gut 14 Prozent rund drei Mal mehr als die Frankfurter. Die Kernkapitalquote, die in schwierigen Zeiten Schocks abpuffern soll, übertraf mit 13,7 Prozent ebenfalls die 11,1 Prozent der Deutschen Bank.

Deutsche Bank hinkt UBS um Jahre hinterher

Nach wiederholten hohen Verlusten hatte die UBS-Spitze im Herbst 2012 begonnen, die Bank radikal umzubauen. Die Ambitionen im pannenanfälligen Investmentbanking wurde zurückgeschraubt. In Zukunft sollte alles auf die Vermögensverwaltung ausgerichtet werden, wo die UBS Weltmarktführer ist. Während die UBS nun die Früchte dieses Strategieschwenks erntet, schlugen die Deutsche Bank und die Credit Suisse neue Wege nur zögerlich ein. "Bei der Deutschen Bank beispielsweise ist die sogenannte 'Strategie 2020' ziemlich nebulös, wenn es um konkrete Inhalte geht und wenig ambitiös", erklärte SafraSarasin-Analyst Rainer Skierka. "Die UBS hat auf die Deutsche Bank einen Vorsprung von locker drei bis fünf Jahren." Bei der Credit Suisse warten die Anleger sehnsüchtig, dass der neue CEO die Bank nach dem Muster der UBS ausrichte. Der Versicherungsmanager Tidjane Thiam übernimmt die Zügel bei der zweitgrößten Schweizer Bank im Juni.

Gleichzeitig nimmt die UBS Kritikern wie Knight Vinke den Wind aus den Segeln. Der Finanzinvestor, der rund ein Prozent hält, drängt auf die Komplett-Trennung vom Investmentbanking. "Ein Grund, wieso die Vermögensverwaltung so erfolgreich arbeitet, ist, dass die Kunden auf die Investmentbank zurückgreifen können", hielt UBS-Finanzchef Tom Naratil dagegen. "Die letzten Jahre und auch das Quartalsergebnis belegen die Vorteile von Größe und die Vorteile eines Vermögensverwalters, der über ein Fondsgeschäft und eine Investmentbank verfügt."

Zugleich warnte die UBS vor zu viel Euphorie. Viele geopolitische Herausforderungen blieben bestehen. Zudem droht der Bank eine hohe Strafe wegen ihrer Verwicklung in den Devisenskandal. Weltweit gehen Aufseher dem Verdacht nach, dass Banken am billionenschweren Devisenmarkt getrickst haben. Die UBS erklärte, dass sie sich in fortgeschrittenen Verhandlungen mit dem US-Justizministerium befinde, um das Thema vom Tisch zu bekommen. Insider rechnen damit, dass gegen die UBS und einer Hand voll anderer Banken noch im laufenden Monat Bußen verhängt werden, die zusammen in die Milliarden gehen dürften.

(Reuters)