Überarbeitete Jahresziele - LafargeHolcim-Chef Jenisch kann sein Gesicht wahren

LafargeHolcim blickt auf ein überraschend solides drittes Quartal zurück. Trotz Anpassungen bei den diesjährigen Zielvorgaben bleiben grössere negative Überraschungen aus. Kräftige Anschlusskäufe erfassen die Aktie.
26.10.2018 13:04
Von Lorenz Burkhalter
Jan Jenisch ist seit September 2017 CEO des Zementherstellers LafargeHolcim.
Jan Jenisch ist seit September 2017 CEO des Zementherstellers LafargeHolcim.
Bild: cash

Die Drittquartalszahlen würden bei LafargeHolcim darüber entscheiden, ob die diesjährigen Zielvorgaben überhaupt noch realistisch seien. Das war in den letzten Wochen aus Analystenkreisen immer wieder zu hören.

Nun wartet der Zementhersteller aus Jona allen Unkenrufen zum Trotz mit einem überraschend soliden Ergebnis auf. Mit 5,8 Prozent übertrifft das vergleichbare Umsatzwachstum selbst die kühnsten Erwartungen. Dasselbe gilt für den bereinigten operativen Gewinn (EBITDA) von 1,87 Milliarden Franken.

Um eine Anpassung der diesjährigen Zielvorgaben kommt Konzernchef Jan Jenisch dennoch nicht herum. Auf der einen Seite erhöht er zwar die Zielbandbreite für das vergleichbare Umsatzwachstum auf 4 bis 6 Prozent (zuvor 3 bis 5 Prozent), reduziert gleichzeitig aber die Vorgaben für das operative Gewinnwachstum auf 3 bis 5 Prozent (zuvor mindestens 5 Prozent).

Erfreulicher Gewinnbeitrag aus der Region Asien/Pazifik

An der Schweizer Börse SIX knüpft die Aktie von LafargeHolcim an die Kurserholung vom Vortag an. Zur Stunde gewinnt sie 3,8 Prozent auf  43,48 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 44,15 Franken. Rückblickend waren die Ergebnisängste der letzten Wochen (cash berichtete) doch ziemlich übertrieben.

Analysten erachten den vorliegenden Zahlenkranz als solide. Gut kommt insbesondere der höher als erwartet ausgefallene operative Gewinn (EBITDA) an, wobei insbesondere der Gewinnbeitrag aus der Region Asien/Pazifik unterschätzt worden war. Doch auch mit der Wachstumsbelebung sowie mit den Aussagen zur Wachstumsentwicklung im Schlussquartal kann der Weltmarktführer in Expertenkreisen punkten.

Wie die Zürcher Kantonalbank schreibt, übertrifft das Ergebnis für das dritte Quartal die Erwartungen deutlich. Positiv hätten insbesondere die Regionen Asien/Ozeanien und Afrika/Nahost überrascht, so heisst es weiter. Der Zürcher Kantonalbank zufolge sticht LafargeHolcim im Branchenvergleich positiv heraus. Nicht zuletzt auch deshalb wird die Aktie weiterhin mit "Übergewichten" eingestuft.

Die Bank Vontobel zeigt sich hingegen erfreut über die Wachstumsbeschleunigung im zurückliegenden dritten Quartal sowie über die Stabilisierung der Situation in der Sorgenregion Afrika/Nahost. Der Zürcher Bank zufolge entfalten die in der jüngeren Vergangenheit eingeleiteten Sparmassnahmen ihre Wirkung. In Erwartung eines soliden Schlussquartals hält die Bank Vontobel mit einem Kursziel von 53 Franken an der Kaufempfehlung fest.

Konzernchef Jan Jenisch kann sein Gesicht wahren

Spätestens nach der einschneidenden Gewinnwarnung der Rivalin HeidelbergCement von Mitte Oktober stand für viele Analysten fest, dass auch LafargeHolcim sowohl eine Ergebnisenttäuschung als auch eine Reduktion der diesjährigen Zielvorgaben drohen würde. Die davon ausgehenden Ängste bescherten der Aktie seither Kursverluste in Höhe von fast 8 Prozent.

Dadurch, dass LafargeHolcim die Gewinnvorgaben zwar leicht reduziert, sich das obere Ende der Zielbandbreite mit 5 Prozent aber immer noch im Rahmen der bisherigen Vorgaben bewegt, setzt Konzernchef Jan Jenisch seine Glaubwürdigkeit gekonnt nicht aufs Spiel. Die gleichzeitige Erhöhung der Zielbandbreite für das vergleichbare Umsatzwachstum dürfte ebenfalls helfen, die Wogen nach der Anpassung der Gewinnvorgaben etwas zu glätten.

Mit einem Minus von rund 25 Prozent seit Jahresbeginn trägt die Kursentwicklung bei LafargeHolcim den zahlreichen Herausforderungen bereits Rechnung.