Überbewerteter Deli-Store - Für Star-Investor David Einhorn zeigt ein «Sandwich-Stand» den Wahnsinn der Märkte

Hedgefonds-Manager David Einhorn zeigt ein Delicatessen-Laden in New Jersey, warum der Markt nicht mehr intakt ist: Die Aktien sind in die Höhe geschossen, während der Essens-Lieferant nur wenig Umsatz macht.
16.04.2021 13:45
Ein typisches «Deli»-Sandwich, wie es in den USA überall verkauft wird.
Ein typisches «Deli»-Sandwich, wie es in den USA überall verkauft wird.
Bild: imago images / Chromorange

Die Märkte haben in letzer Zeit einiges gesehen: Den Hype um GameStop und AMC, massiv in die Höhe schnellende Aktien bei Börsengängen, und ein riesiger Run auf Kryptowährungen. Hinter diesen riskanten Trades stecken oft sehr junge Trader, welche die Börse erst gerade kennenlernen. 

Ein erfahrener Börsianer ist hingegen David Einhorn. Er nannte sein Beispiel für irrationalen Überschwang im neuesten Anlagebrief seiner Gesellschaft Greenlight Capital: Von der Firma "Hometown International Inc." haben wohl die wenigsten gehört. Trotz des hochtrabenden Namens, der eine globalen Bedeutung vermuten lässt, betreibt das Unternehmen nur eine Niederlassung im Staat New Jersey. "Your Hometown Deli" bietet nach eigenen Angaben hochqualitatives Essen an, wie es in gewöhnlichen US-Supermärkten oder bei typischen Take-Aways nicht erhältlich ist. 

Delicatessen oder "Deli" sind in den USA ein Lebensmittelversorger, die in Form eines kleinen Cafés oder mit einer Theke zum Mitnehmen Gerichte verkaufen. Oft sind es Sandwiches, Burger oder Salate, aber auch andere Produkte aus dem Segment der Schnellverpflegung. 

Star-Investor Einhorn beschreibt, wie die Aktie von Hometown eine Marktkapitalisierung von 113 Millionen Dollar erreicht hat. Der Kurs ist über ein Jahr um 200 Prozent angestiegen. Dabei erzielte der Imbiss 2020 weniger als 14'000 Dollar Umsatz. Der grösste Aktionär von Hometown International, führt Einhorn aus, sei zugleich CEO, Finanzvorstand und Treasurer, sitze im Verwaltungsrat, und sei der Wrestling-Trainer der High School neben dem Geschäft.

 

 

Einhorn wollte in seinem Newsletter aber auch auf Schwächen in der Finanzmarktregulierung hinweisen. "Meistens ist da kein 'Polizist', der aufpasst", so Einhorn. "Es kommt einem vor, als gäbe es keine Behörde für Finanzbetrug; Unternehmen und Unternehmensführungen werden dadurch dreist genug, um Missetaten zu begehen und sie haben dafür wenig zu befürchten." 

"Aus traditioneller Sicht, ist der Markt angeschlagen und womöglich dabei, komplett zu zerbrechen", so Einhorn. Ein Anruf mit der Bitte um Stellungnahme bei der Nummer von Hometown International, die im Jahresbericht angegeben wurde, blieb laut der Nachrichtenagentur Bloomberg unbeantwortet.

(Bloomberg/cash)