stock alert

Übernahme in PharmabrancheJetzt mit Actelion «sicheres» Geld verdienen?

Actelion wird von Johnson & Johnson übernommen. Doch die Aktie notiert noch immer weit unter dem vereinbarten Übernahmepreis. Den Aktionären winkt daher ein nettes Sümmchen - obwohl einige Unsicherheiten bestehen.
15.02.2017 15:30
Von Pascal Züger
Der Hauptsitz von Actelion in Allschwil.
Der Hauptsitz von Actelion in Allschwil.
Bild: ZVG

Der Pharma- und Konsumgüterriese Johnson & Johnson will für Actelion 30 Milliarden Dollar hinlegen. Dies wurde am 26. Januar publik (cash berichtete). Pro Aktie sind das 280 Dollar - oder umgerechnet ebenfalls etwa 280 Franken.

Die Actelion-Aktie reagierte am Tag der Ankündigung euphorisch: Rund 20 Prozent schossen die Titel in die Höhe. Deutlich zeigt sich dieser Kurssprung auch bei Betrachtung des Kursverlaufes von Actelion in diesem Jahr:

Entwicklung des Aktienkurses von Actelion im Jahr 2017. Quelle: cash.ch

Doch trotz des markanten Anstiegs: Den Verkaufspreis von 280 Franken pro Aktie erreichten die Titel nie. Im Gegenteil: In den letzten zwei Wochen hat die Aktie sogar wieder leicht nachgegeben und steht derzeit bei knapp 268 Franken. Somit beträgt die Lücke zwischen aktuellem Aktienkurs und dem festgelegten Kaufpreis bei 4,5 Prozent.

Wer jetzt einsteigt, hat also theoretisch nicht nur 4,5 Prozent Kursgewinn in der Tasche. Der Aktionär bekommt darüber hinaus noch eine Aktie des neu geschaffenen Pharmaunternehmens R&D NewCo - eine Abspaltung von Actelion -  als Sachdividende "geschenkt".

Wie hoch der Wert dieses "Geschenks" sein wird, ist noch unklar. Unter Analysten findet man Schätzungen für den Wert des neu entstehenden Titels von 2 bis zu 15 Franken. So oder so: Es ist Zustupf für Actelion-Aktionäre.

Das lockt geradezu zum Einstieg: "Solange die Actelion-Aktie unter 270 Franken notiert, ist ein Einstieg bei Actelion unseres Erachtens attraktiv", meint auch Stephan Vollert, Analyst der Neuen Helvetischen Bank, auf cash-Anfrage. "Aber ein gewisses Restrisiko besteht natürlich immer."

Grossinvestor springt ab

Was Vollert damit meint: Die Diskrepanz zwischen Aktienpreis und vereinbartem Kaufpreis besteht nicht ohne Grund. Die Marktteilnehmer sehen noch gewisse Unsicherheiten, ansonsten würde die Aktie dem Kaufpreis entsprechen. 

Doch weshalb trauen Anleger der Sache noch nicht? "Einerseits ist das Wechselkurs-Risiko zwischen Dollar und Franken ein Grund. Dann spielt auch der Faktor Zeit, da die Übernahme noch eine Weile dauern wird. Zusätzlich besteht ein Restrisiko, dass die Übernahme aus regulatorischer Sicht scheitern könnte", listet Vollert einige mögliche Erklärungen auf.

Zum Wechselkurs-Risiko: Schwächt sich der Dollar zum Franken auf 0,95 ab, dann ist der Deal für Schweizer Anleger plötzlich nur noch 266 Franken pro Aktie wert. Ein Einstieg würde sich somit nicht mehr lohnen. Doch eine solche Entwicklung scheint aktuell unwahrscheinlich. Verschiedene Währungsexperten rechnen sogar mit einem stärkeren Dollar zum Franken in der kurzen bis mittleren Frist. So sieht zum Beispiel die Zürcher Kantonalbank den Dollar-Franken-Kurs auf Jahresssicht auf 1,05 steigen.

Probleme mit Bluthochdruck-Medikament

Eine weitere Unsicherheit besteht im Zusammenhang mit dem Actelion-Medikament Uptravi, welches zur Behandlung von Bluthochdruck eingesetzt wird. In Frankreich kam es zu fünf Todesfällen von Patienten, welche mit dieser Arnzei behandelt wurden. Dies wurde Anfang Februar publik.

Ängste, dass deswegen der Übernahme-Deal scheitern würde, scheinen aber unbegründet. Denn noch ist unklar, ob die Todesfälle überhaupt durch Uptravi ausgelöst wurden. Letzten Freitag gab die europäische Arzneimittelbehörde EMA bekannt, dass sie Uptravi weiterhin zur Behandlung von Bluthochdruck im Lungenkreislauf empfiehlt. Eine detailliertere Analyse ist jedoch weiterhin im Gange. Johnson & Johnson war jedoch während den Übernahme-Verhandlungen bereits im Bild über diese Probleme und dürfte deshalb unabhängig vom Ausgang der weiteren Prüfung kaum abspringen.

Einen kurzzeitigen Kursrückschlag bei Actelion verursachte Anfang Februar auch Dan Och, Multimillardär und Gründer der Hedgefonds-Boutique Och-Ziff. Der Amerikaner trennte sich kurzerhand von seinen Actelion-Anteilen, welche über dem meldepflichtigen Schwellenwert von 3 Prozent lagen. Ob er an ein Scheitern der Akquisition glaubt oder andere Verkaufsmotive hatte, bleibt indessen unklar (cash-Insider berichtete). Auf Anfrage von cash gibt der Pressesprecher von Och-Ziff keinen Kommentar dazu ab.

Die Angebotsfrist des Actelion-Deals soll nun vom 3. bis zum 30. März laufen. Wenn in dieser Zeit  67 Prozent der Actelion-Aktionäre ihre Aktien angedient haben, klappt die Übernahme. Im Sommer will Johnson & Johnson dann das Kaufobjekt definitv übernommen haben. Und dann heisst es "Zahltag" für die Aktionäre, welche mutig genug waren, bis dann an Actelion festzuhalten. Am Dienstag wird Actelion anlässlich Jahreszahlen womöglich noch Details zur Übernahme veröffentlichen.