Uli Hoeness: «Es war keine Sucht»

FC Bayern-Präsident Uli Hoeness verneint, dass sein Zockertum an den Börsen krankhafte Züge hatte. Heute spekuliert er nicht mehr gross, wie er vor Journalisten in Interlaken sagte.
11.01.2017 13:44
Von Daniel Hügli, Interlaken
Uli Hoeness am am Alpensymposium in Interlaken.
Uli Hoeness am am Alpensymposium in Interlaken.
Bild: cash

Vor zwei Monaten wählten die Vereinsmitglieder des Fussballclubs Bayern München Uli Hoeness bis 2019 wieder zum Vereinspräsidenten. Es war die erwartet triumphale Rückkehr eines Mannes, der im Leben vieles erlebt hat. Gefeierter Fussballstar, Wurstfabrikant, Überlebender eines Flugzeugabsturzes, Häftling, Vereinspräsident.

Am Mittwochmorgen sitzt der ehemalige Stürmer, Weltmeister 1974 mit Deutschland, vor Journalisten in einem Raum des Hotels Jungfrau Victoria in Interlaken und steht ihnen Red und Antwort. Hoeness ist Redner beim dort stattfindenden Alpensymposium. Einen Tag zuvor war er noch in Katars Hauptstadt Doha, wo sich der FC Bayern auf den Rückrundenstart vorbereitet.

Eines der Themen beim Medientermin in Interlaken ist Hoeness' Vergangenheit als Zocker an den Finanzmärkten. Das Zocken stand als Ursprung dafür, dass Hoeness zum "verurteilten Steuersünder, Häftling und Sündenbock der Nation" wurde, wie das deutsche Manager-Magazin formulierte. 

Heute relativiert Hoeness sein damaliges Verhalten an den Finanzmärkten. Etwas Krankhaftes will er bis heute nicht erkennen. "Es war nicht mal der Ansatz einer Sucht", sagt Hoeness in Interlaken. "Es hatte einfach unglaublichen Spass gemacht". Vor fast drei Jahren sagte Hoeness zur Wochenzeitung "Zeit" zu diesem Thema: "Vielleicht steckt dahinter auch die Sehnsucht, die Wirklichkeit zu vergessen, auszubrechen. Das geht an der Börse gut."

Der Spass, der Hoeness an den Börsen hatte, forderte ihm einiges ab. Er spekuliert schon früh an den Devisenmärkten, sein Konto bei der Bank Vontobel in Zürich hat die Nummer 4038BEA, beim Platzen der Internetblase nach der Jahrtausendwende ist er pleite. Adidas-Eigentümer Robert Dreyfus leiht ihm darauf privat 20 Millionen Mark, damit zockt Hoeness weiter, so richtig deftig zwischen 2002 und 2006. Auf der Fussballtribüne schaut er heimlich auf seinen Pager, um die Devisenkurse zu checken, mit seinem Bankberater telefoniert er Tag und Nacht. In der Finanzkrise zeigt der Kontostand wieder arg nach Süden.

Hoeness verwaltet sein Vermögen selber 

Das Vontobel-Konto in der Schweiz verschweigt er dem deutschen Fiskus. Der Rest ist kurz erzählt: Anfang 2013 gerät Hoeness ins Visier der Steuerfahnung,  eine schnell zusammengestellte Selbstanzeige wird nicht anerkannt, es kommt zum Strafprozess. Hoeness wird wegen Steuerhinterziehung in Höhe von 28,5 Millionen Euro zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt. Ende Februar 2016, nach Absitzen der halben Haftzeit, kommt er wieder frei. 

cash.ch fragt Hoeness in Interlaken, wie sein Verhalten heute ist an den Börsen. "Ich verwalte mein Vermögen und mache keine grossen Spekulationen mehr." Punkt. Mehr sagt er nicht mehr dazu. Es ist eine von Hoeness' kürzesten Antworten bei diesem Termin. Ist das Thema noch immer heikel?

Wahrscheinlich investiert Hoeness heute so, wie es jeder vernünftige Börsianer zumindest teilweise tun sollte. Nämlich konservativ. Er sei "eher gestrickt wie Warren Buffett", sagte Hoeness einmal. Aktien, die er mal kauft, will er nicht drei Tage später wieder verkaufen, sondern versuchen, sie einige Jahre zu halten und die Dividende zu kassieren.

Ob man nun angesichts der Konkurrenz in der Bundesliga durch RB Leipzig gegen den FC Bayern wetten müsse, will ein Journalist von Hoeness am Schluss der Medienkonferenz in Interlaken noch wissen. Wetten? "Ich darf ja nicht mehr zocken", schmunzelt Hoeness. Sagts, nimmt danach an einem Podium teil und fährt anschliessend auf die Lenzerheide, wo er sich in seiner Ferienwohnung ein paar Tage Urlaub gönnt.