Umfrage - SNB wagt noch keinen Ausstieg aus Krisenmodus

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) dürfte trotz anziehender Konjunktur und des zuletzt wieder schwächeren Franken vorerst an ihren Negativzinsen festhalten.
13.03.2018 13:22
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bauumzäunung an der Schweizerischen Nationalbank in Bern Mitte 2016.
Bild: cash

Aus einer am Dienstag veröffentlichten Reuters-Umfrage geht hervor, dass alle 35 befragten Experten für Donnerstag mit einem unveränderten Leitzins in der Spanne zwischen minus 1,25 und minus 0,25 Prozent rechnen. Damit dürfte die SNB - anders als die US-Notenbank Fed - noch nicht auf den Zug einer Normalisierung der Geldpolitik nach der Finanzkrise aufspringen. Die EZB hatte vergangene Woche zumindest einen weiteren Mini-Schritt weg von ihrem ultra-lockeren Kurs gewagt.. Bei der Fed erwarten viele Investoren im März die nächste Zinserhöhung.

Für die Schweiz rechnen nur wenige Experten mit ersten zaghaften Zinserhöhungen zum Jahreswechsel. Bevor es dazu komme, müsse die Europäische Zentralbank aber einen solchen Schritt vorexerzieren, erklärte die St. Galler Kantonalbank. Doch die EZB sei "noch weit davon entfernt", erklärte Anlageexperte Thomas Stucki. Die meisten Experten erwarten eher Mitte 2019 erste Zinserhöhungen der EZB.

Die Analysten der Grossbank UBS zeigten sich besorgt angesichts der anhaltend niedrigen Zinsen. "Negative Zinsen sind mit einem stark wirkenden Medikament vergleichbar: Je länger die Wirtschaft dieses Mittel einnimmt, umso stärker wird sie von ihm abhängig und umso schwieriger wird eine schmerzlose Zinserhöhung."

Das Hauptaugenmerk der SNB galt in den vergangenen Jahren der Entwicklung des Franken. Dieser ist in Krisenzeiten als "sicherer Hafen" bei Investoren gefragt. Eine starke Währung bremst aber die Schweizer Wirtschaft. Zuletzt hatte der Franken im Vergleich zur wichtigsten Exportwährung Euro an Wert verloren. Am Dienstag kostete ein Euro 1,1690 Franken. Das entspricht in etwa dem Niveau von Mitte Dezember, als die SNB den Franken als "hoch bewertet" bezeichnet hatte.

(Reuters)