Umstrittene Hypothekengeschäfte - Krisenbank RBS stellt sich auf Milliardenzahlung in USA ein

Altlasten aus der weltweiten Finanzkrise holen die angeschlagene Royal Bank of Scotland (RBS) erneut ein.
26.01.2017 11:47
Stellt sich auf Milliardenzahlung ein: Royal Bank of Scotland.
Stellt sich auf Milliardenzahlung ein: Royal Bank of Scotland.
Bild: Bloomberg

Nach der Deutschen Bank und Credit Suisse steuert auch das britische Institut auf einen kostspieligen Vergleich mit dem US-Justizministerium wegen umstrittener Hypothekengeschäfte zu. Das verstaatlichte Geldhaus legte am Donnerstag 3,1 Milliarden Pfund - umgerechnet 3,65 Milliarden Euro - zurück, um für eine Einigung finanziell gerüstet zu sein.

"Diese Bank und natürlich auch die britischen Steuerzahler haben einen sehr hohen Preis für die Entscheidungen gezahlt, die bei RBS vor der Finanzkrise getroffen wurden", sagte der jetzige Firmenchef Ross McEwan, der als Sanierer angetreten ist. "Die heutige Ankündigung ist ein weiteres, schmerzhaftes Beispiel für diese Hinterlassenschaft." McEwan ergänzte, die Rechnung könne am Ende noch grösser ausfallen als die jetzige Rückstellung. Bonuszahlungen an Banker könnten jedoch nicht zurückgefordert werden, weil es entsprechende Gesetze damals noch nicht gegeben habe.

Der Manager will die Bilanz der Bank säubern und das Institut unabhängiger vom schwankungsanfälligen Investmentbanking machen. Allerdings sorgen - ähnlich wie bei der Deutschen Bank - die vielen Rechtsstreitigkeiten immer wieder für Sonderlasten. Diese will McEwan aus dem Weg räumen, damit die Regierung in London ihre mehr als 70 Prozent an der Bank besser abstossen kann. Der Staat hatte zur Rettung des Geldhauses 45,5 Milliarden Pfund zur Verfügung gestellt. Wegen der jetzigen Rückstellung gilt es als unwahrscheinlich, dass das Institut 2016 einen Gewinn erwirtschaftet hat. Es wäre bereits das neunte Jahr in Folge mit Verlusten. Details dazu werden Ende Februar erwartet.

Grosses Rad auf dem US-Immobilienmarkt gedreht

Eine Einigung mit dem US-Justizministerium würde Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Verkauf toxischer Wertpapiere vor Ausbruch der Finanzkrise 2008 ausräumen. Die Verhandlungen dazu laufen noch. Unklar ist, wann es zu einer Einigung - und damit wohl einer Strafzahlung - kommt. Vielen Banken wurde zur Last gelegt, faule US-Hypotheken erworben, sie in Wertpapiere gebündelt und dann weiterverkauft zu haben, ohne auf die Risiken zu verweisen. Als der US-Immobilienmarkt einbrach, blieben die Investoren auf riesigen Verlusten sitzen. Ganze Banken strauchelten und mussten mit Milliardenbeträgen aufgefangen werden.

Die Deutsche Bank hatte zuletzt kurz vor dem Präsidentenwechsel in den USA diese Altlast beseitigt. Die unsauberen Geschäfte kosten die Frankfurter 7,2 Milliarden Dollar. Das ist zwar nur halb so viel wie ursprünglich befürchtet, aber mehr als andere Banken wegen ähnlicher Verstösse gezahlt haben. Credit Suisse musste 5,3 Milliarden Dollar auf den Tisch legen.

An der Londoner Börse legten RBS-Anteilsscheine am Donnerstag um mehr als vier Prozent zu, weil jetzt deutlicher wird, in welcher Grössenordnung der Fall zu Buche schlagen wird. Analysten hatten bislang eine Strafe von bis zu neun Milliarden Pfund befürchtet. Es wäre die höchste Busse in der Geschichte der Bank. Laut einer Analyse der Grossbank UBS haben die Briten 35 Prozent mehr toxische Wertpapiere als die Deutsche Bank verkauft. Allerdings gebe es keinen klaren Zusammenhang zwischen dem Volumen und der Höhe der Strafe. 

(Reuters)