Unfreundliches Angebot - Übernahmefantasien geben der Ceva-Aktie Schub

Das Transportunternehmen Ceva Logistics informiert die Öffentlichkeit über ein vorliegendes Übernahmeangebot, weist dieses aber zurück. Dennoch steigt der Aktienkurs kräftig.
11.10.2018 13:20
Von Lorenz Burkhalter
Xavier Urbain, CEO Ceva Logistics (April 2018).
Xavier Urbain, CEO Ceva Logistics (April 2018).
Bild: ZVG

Die nicht gerade erfolgsverwöhnten Aktionäre von Ceva Logistics dürfen wieder hoffen. Wie einer am frühen Donnerstagmorgen veröffentlichten Medienmitteilung entnommen werden kann, liegt dem Transportunternehmen angeblich ein Übernahmeangebot des dänischen Rivalen DSV vor.

Mit 27,75 Franken je Aktie in bar liegt das Angebot zwar nur marginal über dem Ausgabepreis aus dem Börsengang von Anfang Mai. Gegenüber dem Schlusskurs vom Mittwochabend errechnet sich allerdings ein geradezu verlockender Aufpreis von gut 50 Prozent.

Dennoch lehnt der Verwaltungsrat von Ceva Logistics das Übernahmeangebot ab, da es den Aussichten als eigenständiges Unternehmen nicht gerecht werde.

Ankeraktionär darf nun doch weitere Aktien zukaufen

In Erwartung, dass das letzte Wort wohl noch nicht gesprochen ist, springt die Ceva-Aktie an der Schweizer Börse SIX kräftig nach oben. Zur Stunde gewinnt sie satte 29,5 Prozent auf 23,85 Franken. Die Tageshöchstkurse liegen gar bei 26 Franken.

Der zermürbende Kurszerfall der Ceva-Aktie seit dem Börsengang von Anfang Mai dürfte nun ein Ende haben (Quelle: www.cash.ch)

Kursfantasie geht denn auch von der Änderung der Stillhaltevereinbarung zwischen dem Transportunternehmen und seinem Ankeraktionär CMA CGM aus. Die Änderung erlaubt es dem mit etwas weniger als 25 Prozent beteiligten Grossaktionär, die Beteiligung auf bis zu einem Drittel der Stimmrechte auszubauen. Ursprünglich war vereinbart worden, dass CMA CGM die Beteiligung vorerst nicht weiter ausbauen darf. CMA CGM selbst begrüsst die Zurückweisung des Angebots.

Beobachter sehen in der Neuaushandlung der Stillhaltevereinbarung eine ziemlich wirkungsvolle Abwehrmassnahme gegen die ganz offensichtlich nicht gewollte Übernahmeofferte. Weil CMA CGM mit einer Eindrittelsbeteiligung den Verkauf des Unternehmens vereiteln könnte, bleibt die Ceva-Aktie fürs Erste weit hinter dem vorliegenden Angebot von 27,75 Franken zurück.

Leerverkäufer in der Defensive

Wie die Bank Vontobel in einer ersten Stellungnahme schreibt, liegt das Barangebot in der Nähe des eigenen Kursziels von 29 Franken für die Ceva-Aktie. Der Verwaltungsrat müsse nun allen Aktionären glaubwürdig aufzeigen, wie in Zukunft als alleinestehendes Unternehmen Aktionärswerte geschaffen werden könne. Ausserdem rechnet der Autor damit, dass der Ankeraktionär seine Beteiligung möglichst rasch auf einen Drittel ausbauen wird. Er hält deshalb vorerst am "Buy" lautenden Anlageurteil fest. 

Gefordert sind nun nicht nur der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung, sondern auch die zahlreichen Leerverkäufer. Schätzungen aus dem hiesigen Handel zufolge wird bei Ceva Logistics mit knapp 8 Prozent aller ausstehenden Aktien auf rückläufige Kurse spekuliert. Den Leerverkäufern dürfte diese neue Nachrichtenlage überhaupt nicht gelegen kommen. Einige dieser Wetten könnten geschlossen werden und so der Aktienkursentwicklung Rückenwind verleihen, so lautet der Tenor.

Dass die Ceva-Aktie am Mittwochabend bei 18,42 Franken und auf dem tiefsten Stand seit dem Börsengang von Anfang Mai aus dem Handel ging, zeigt, wie überraschend die Übernahmeofferte für sämtliche Beteiligten sein muss. Interessant ist jedoch, dass die Fondssparte der UBS ihre Beteiligung erst im August kräftig erhöhte (cash berichtete).