Unternehmensanleihen - Europas Firmenbond-Party steht vor dem Aus

Am europäischen Markt für Unternehmensanleihen sind die besten Zeiten voraussichtlich vorbei.
31.03.2017 16:47
Ist die Festzelt-Stimmung bald vorbei unter den Bondhändlern?
Ist die Festzelt-Stimmung bald vorbei unter den Bondhändlern?
Bild: iNg

Henderson Global Investors, Nomura Asset Management und Aberdeen Asset Management  zählen zu den Investoren, die sich auf einen Abschwung vorbereiten, wenn die Europäische Zentralbank im Zuge der verbesserten Konjunktur damit beginnt, ihre Anreize zurückzufahren. Auch die Strategen von Bank of America und JPMorgan sind pessimistisch, während bei Citigroup erwartet wird, dass Euro-Unternehmensanleihen für das restliche Jahr auf einen Ertrag von negativen 1,2 Prozent kommen werden.

Die Investoren befürchten einen Ausverkauf, wenn die EZB im April damit beginnt, ihre Anleihekäufe zu verringern, was als erster Schritt gilt, die seit mehr als zwei Jahren gewährte Marktunterstützung zu beenden. Die EZB dürfte den Ankauf von Unternehmensanleihen anfänglich um rund ein Viertel zurückfahren, erwartet Bank of America auf der Basis einer monatlichen Kürzung um rund 2 Mrd. Euro.

"Wir sind ziemlich nervös im Hinblick auf das Tapering und letztlich das Ende der EZB-Käufe", sagt Tim Winstone, Portfoliomanager bei Henderson in London. "Sie haben einen bedeutenden Betrag gekauft, und man muss sich fragen, wer einspringt, wenn sie aufhört?"

EZB drückte Renditen der Unternehmensanleihen

Um sich gegen einen Abschwung zu wappnen hat Winstone den 2,4 Mrd. Euro schweren Horizon Euro Corporate Bond Fund umgeschichtet und ist nun bei europäischen Unternehmensanleihen der Güteklasse Investmentgrade so stark untergewichtet, wie seit Auflegung des Fonds 2009 nicht mehr. Dabei wurde die Duration der Anleihespreads auf 4,3 Jahre verringert, im Vergleich zu 5,2 Jahren beim iBoxx Euro Corporates Index, der Benchmark des Fonds. Zudem hat Winstone in den letzten Wochen Absicherung für Kreditausfallswaps-Indizes gekauft.

Die EZB hatte im Juni mit dem Kauf von Unternehmensanleihen begonnen. Das trug dazu bei, die Renditen auf rekordniedrige 0,59 Prozent im September zu drücken, wie Index-Daten von Bloomberg Barclays zeigen. Die Europäische Zentralbank verringert ihre Anleihekäufe ab April von monatlich 80 Mrd. Euro auf 60 Mrd. Euro und dürfte in diesem Zusammenhang auch weniger Unternehmenspapiere erwerben.

"Ich verstehe nicht, weshalb jemand gerade jetzt eine europäische Investmentgrade-Unternehmensanleihe halten wollte, insbesondere solche, die auf der Kauf-Liste der EZB stehen", sagt Richard Hodges, Leiter Unconstrained Fixed Income bei Nomura Asset Management in London. "Jeder weiss, dass sie zu gegebener Zeit mit dem Tapering beginnen werden."

Politischer Risiko in Europa

Hodges sagt, er habe seit etwa acht Monaten keine europäischen Investmentgrade- Unternehmensanleihen mehr gehalten. Zudem hat er vor, Unternehmensanleihen der Region leer zu verkaufen, wenn die Kosten dafür sinken.

Politische Instabilität könnte Europas Bondmarkt ebenfalls belasten, sagt Roger Webb, Investment Director bei Aberdeen in London unter Verweis auf die anstehenden Wahlen im Euroraum in diesem Jahr.

"Das politische Risiko in Europa ist eindeutig erhöht", sagt Webb. "So wie sich die Spreads bewegt haben, ist es sinnvoll unsere Position zu verringern, zumal ein gewisses Tapering kommen wird."

Aberdeen hat bei europäischen Unternehmensanleihen zu einer neutralen Haltung gewechselt, und auch einige Papiere niedrigerer Qualität verkauft, wie Webb sagt.

(Bloomberg)