Urs Schaeppi: «Kostendruck wird für Swisscom bestehen bleiben»

Swisscom gerät im Hauptmarkt Schweiz stärker unter Druck, wie die Zahlen zum dritten Quartal zeigen. Im cash-Interview äussert sich CEO Urs Schaeppi zum Geschäft und zum zuletzt deutlich gesunkenen Swisscom-Aktienkurs.
03.11.2016 13:36
Interview: Daniel Hügli
Swisscom-CEO Urs Schaeppi.
Swisscom-CEO Urs Schaeppi.
Bild: ZVG

cash: Herr Schaeppi, der Druck auf die Roaming-Umsätze bleibt bei der Swisscom hoch. Sie gingen im dritten Quartal um 53 Millionen Franken zurück. Wie sehen Sie hier die künftige Entwicklung?

Urs Schaeppi: Der Einfluss der Roaming-Gebühren ist im dritten Quartal sicher höher als er im vierten Quartal sein wird. In den letzten drei Monaten des Jahres verreisen die Leute weniger als im dritten Quartal. Der Einfluss wird also leicht tiefer sein. Trotzdem wird sich der Rückgang beim Roaming-Effekt mit abnehmender Tendenz fortsetzen. Das "Infinity"-Produkt von Swisscom schliesst Roaming ja auch ein. Wenn immer mehr Kunden auf dieses Produkt wechseln, sinken auch unsere Roaming-Umsätze. Das Roaming-Geschäft bleibt unter Druck, insbesondere in Europa.

Sie hatten im dritten Quartal auch höhere Kosten bei der Kundenbindung. Hat sich der Konkurrenzdruck im dritten Quartal dermassen verschärft?

Wir verzeichnen keine verstärkte Kundenabwanderung und auch gute Akquisitionszahlen. Die höheren Kundengewinnungskosten sind primär auf die Neuerungen bei den Smartphones zurückzuführen. Wenn neue Smartphones, wie zum Beispiel das iPhone 7, auf den Markt kommen, erhöhen sich tendenziell die Kundenbindungskosten.

Höhere Kosten, hohe Investitionen, geringere Umsätze in den erwähnten Segmenten – Swisscom hatte im Februar angekündigt, im schlimmsten Fall bis Ende Jahr 700 Stellen abzubauen. Bleibt es aus heutiger Sicht bei dieser Ankündigung?

Die Pläne für 2016 sind unverändert. Wir sind auf Kurs bezüglich dem, was wir uns bei den Kostenmassnahmen vorgenommen haben. Die Zahl der Mitarbeitenden, die wir über den Sozialplan abbauen mussten, liegt leicht unter den Erwartungen. Wir hatten ein gutes Fluktuationsmanagement. Aber der Kostendruck wird bestehen bleiben. Daher ist es wichtig, dass Swisscom vorausschauend langfristig ihre Effizienz steigert.

Der Aktienkurs von Swisscom fällt seit Monaten kontinuierlich und erreicht heute Donnerstag nach der Bekanntgabe der Neunmonatszahlen den tiefsten Stand seit Mitte Oktober 2013. Wie interpretieren Sie diesen Rückgang in der letzten Zeit?

Der Aktienkurs hängt ja nicht allein von Swisscom ab, sondern vom gesamten Börsenklima. Der Swiss Market Index ist in diesem Jahr gesunken. Und wenn Sie den Telecom-Index der europäischen Telekom-Unternehmen anschauen, dann werden Sie feststellen, dass Swisscom einen unterdurchschnittlichen Rückgang verzeichnet. Unsere Aktie performte besser als der Sektor. Aber unsere Aktie ist unter Druck, weil der gesamte Aktienmarkt unter Druck ist wie auch die Telekommunikationstitel.

Auf was führen Sie diesen Druck auf die Telecom-Titel zurück?

Der Wettbewerb wie auch der Preisdruck im Telekommunikationsmarkt sind intensiv, obwohl wir nach wie vor ein sehr stabiles und profitables Geschäft betreiben. Auf der anderen Seite sieht man, dass diese Märkte immer mehr gesättigt sind und hohe Investitionen erfordern, um das Geschäft nachhaltig zu betreiben. Das übt auf alle Aktien der Branche einen grossen Druck aus. Ich möchte hier aber auch auf die exzellente Dividendenrendite der Swisscom hinweisen. Sie liegt substanziell über vielen anderen Titeln im Swiss Market Index.

Sie stellen eine unveränderte Dividende von 22 Franken pro Aktie in Aussicht, falls die Swisscom ihre Vorgaben bis Ende Jahr erfüllt. Es müsste im vierten Quartal wohl einiges schief laufen, dass dies nicht eintrifft?

Wenn wir unsere Erwartungen erfüllen – und daran glauben wir -, dann werden wir der Generalversammlung die 22 Franken Dividendenausschüttung beantragen.