US-Aktien: Sind die «Hausfrauen» zurück?

Bisher hiess es, heimische Privatanleger hätten die Hausse am US-Aktienmarkt weitestgehend verpasst. Dem ist nicht so, warnt JP Morgan und unterlegt die Warnung auch gleich mit Statistiken.
12.12.2013 08:34
Von Lorenz Burkhalter
Glaubt man JP Morgan, dann ist die Stimmung unter amerikanischen Privatanlegern gefährlich gut.

Von wegen die Privatanleger hätten die Rekordjagd am US-Aktienmarkt verschlafen: Gemäss JP Morgan war neben Hedge Fonds eben dieses Anlegerlager für die seit Jahresbeginn zu beobachtenden Umschichtungen aus Anleihen in die Dividendenpapiere verantwortlich.

Die US-Bank hält amerikanische Privatanleger sogar für übermässig in Aktien investiert. Mit anderen Worten: An der Wall Street melden sich die Hausfrauen zurück. Und dieser Umstand birgt eine gewisse Gefahr für die künftige Entwicklung der Aktienmärkte.

JP Morgan legt auch gleich entsprechende Statistiken vor. Mitte Jahr hätten amerikanische Privatanleger 34 Prozent ihres Gesamtvermögens in Aktien gehalten. Das wiederum liege deutlich über dem historischen Durchschnittswert von 26 Prozent. Der seither beobachtete Mittelzufluss in Aktien lasse sogar vermuten, dass der Aktienanteil dieses Anlegerlagers in unmittelbare Nähe zum Höchststand aus dem Jahr 2007 gestiegen sei. Damals habe der Aktienanteil 37 Prozent betragen und sei wie schon zuvor Vorbote für eine einschneidende Börsenkorrektur gewesen.

Situation in Europa weniger exzessiv als in den USA

Ähnliches gelte für den von Hedge Fonds gehaltenen Aktienanteil, so JP Morgan. Die US-Bank vermutet, dass amerikanische Privatanleger indirekt auch über Hedge Fonds in Aktien investiert sind. Da viele dieser Fonds mit Fremdkapital arbeiten und der Fremdkapitalanteil auf den höchsten Stand seit dem Höhepunkt der Finanzkrise gestiegen sei, habe auch das dem amerikanischen Aktienmarkt geholfen.

Zumindest bei den Hedge Fonds habe man in den letzten Wochen begonnen, den Anleihenanteil schleichend wieder zu erhöhen. Das passiere allerdings nicht zwingend über Umschichtungen aus dem Aktien- in den Anleihenmarkt, so gibt JP Morgan zu bedenken.

Etwas weniger extrem als in den USA gestalte sich die Situation in Europa, so JP Morgan. Auf dem alten Kontinent hätten vor allem ausländische Staatsfonds sowie institutionelle Grossinvestoren und weniger die Privatanleger aus Anleihen in Aktien umgeschichtet.

JP Morgan hält den von amerikanischen Privatanlegern gehaltenen Aktienanteil zwar für exzessiv hoch und hält eine Börsenkorrektur deshalb für sehr wahrscheinlich. Auf einen Zeitpunkt für eine Börsenkorrektur will sich die US-Bank allerdings nicht festlegen.