US-Aktien werden immer «heisser»

Ein geldpolitischer Kurswechsel ist in weite Ferne gerückt. Entsprechend ausgelassen ist die Stimmung am US-Aktienmarkt. Allerdings häufen sich nun die Anzeichen einer Überhitzung.
28.10.2013 09:06
Von Lorenz Burkhalter
Solange die US-Notenbank an ihrer Politik des billigen Geldes festhält, dürfte die Wall Street in Rekordlaune bleiben.
Solange die US-Notenbank an ihrer Politik des billigen Geldes festhält, dürfte die Wall Street in Rekordlaune bleiben.
Bild: Bloomberg

Der amerikanische Aktienmarkt klettert von einem Rekord zum nächsten. Am Freitag ging der viel beachtete S&P-500-Index auf dem höchsten Stand in der Geschichte aus dem Handel. Auch der Dow Jones, der als globaler Leitindex angeschaut wird, notiert praktisch auf All-Time-High. Doch trotz dieser "Friede-Freude-Eierkuchen"-Stimmung an den Börsen gibt bereits zwei Anhaltspunkte, die für eine Überhitzung im Markt sprechen. 

Nummer eins: Die Abkoppelung vom Kupferpreis. Anders als der S&P-500-Index weist dieser seit Februar eine rückläufige Entwicklung auf. Der Kupferpreis gilt bei Marktbeobachtern als wirtschaftlicher Vorabindikator und wies in der Vergangenheit deshalb eine hohe Korrelation zum amerikanischen Aktienmarkt auf.

Nummer zwei: Der wachsende Renditeunterschied zwischen dem Index und der Aktie von Caterpillar. Auch dieser Titel gilt als Spiegelbild für die wirtschaftliche Situation und bewegt sich für gewöhnlich im Gleichschritt mit dem S&P-500-Index. Doch auch von der Aktie von Caterpillar hat sich das Börsenbarometer seit Februar nach oben abgekoppelt. In Expertenkreisen spricht man in diesem Zusammenhang von «negativen Divergenzen».

Kursexzesse bei den Börsenlieblingen

Aufhorchen lassen auch Beobachtungen bei den derzeitigen Börsenlieblingen. Nach einer Kursverdreifachung seit Jahresbeginn sah sich der CEO des Streamingdienstes Netflix vergangene Woche zu einer Warnung veranlasst. Ins selbe Horn blies sein für den Elektroautomobilkonzern Tesla tätiger Berufskollege.

Und die Aktie des Börsenlieblings Google stieg zuletzt sogar auf über 1000 Dollar. Prozentual zweistellige Kursavancen sind bei diesen Unternehmen keine Seltenheit und lassen unschöne Erinnerungen an die letzten Wochen der Technologiehausse Ende der Neunzigerjahre aufkommen.

Wall Street bleibt vorerst in Rekordlaune

Der amerikanische Aktienmarkt befindet sich inmitten einer liquiditätsgetriebenen Hause. Entgegen anders lautenden Befürchtungen ist ein Ende der Politik des billigen Geldes in den USA in weite Ferne gerückt. Innerhalb des Offenmarktausschusses der US-Notenbank regt sich zwar immer mehr Widerstand gegen eine Fortsetzung des Rückkaufprogramms für amerikanische Staatsanleihen und verbriefte Hypotheken. Die zuletzt mehrheitlich enttäuschenden Nachrichten aus der Wirtschaft sprechen in Übersee allerdings gegen einen baldigen geldpolitischen Richtungswechsel.

Der amerikanische Aktienmarkt spielt deshalb verkehrte Welt. Anders als noch vor wenigen Wochen werden schwächer als erwartete Wirtschaftsindikatoren mit Kursgewinnen gefeiert. Denn verhaltenere wirtschaftliche Rahmenbedingungen dürften die US-Notenbank von einer Drosselung des Rückkaufprogramms absehen lassen.

Solange die US-Notenbank an ihrer Politik des billigen Geldes festhält, dürfte der amerikanische Aktienmarkt zwar in Rekordlaune bleiben. Dennoch ist die Abkoppelung von der konjunkturellen Entwicklung nicht von Dauer. Bleibt aus Anlegersicht zu hoffen, dass letztere in Übersee endlich in Fahrt kommt.