US-Anleger setzen auf EU-Verbleib der Briten

Der Optimismus der Anleger hinsichtlich eines Verbleibs Grossbritanniens in der Europäischen Union hat am Donnerstag der Wall Street kräftigen Rückenwind geliefert.
23.06.2016 22:30
Vieles deutet auf einen Verbleib von Grossbritannien in der EU hin - die US-Märkte ziehen an.
Vieles deutet auf einen Verbleib von Grossbritannien in der EU hin - die US-Märkte ziehen an.
Bild: Bloomberg

Der Dow Jones Industrial überwand wieder die Marke von 18 000 Punkten und schloss mit einem Plus von 1,29 Prozent bei 18 011,07 Punkten. Die Sorgen über einem möglichen Brexit und dessen Folgen, die das Börsenbarometer in der vergangenen Woche noch unter die Marke von 17 500 Punkten gedrückt hatten, scheinen vergessen.

Für den marktbreiten S&P 500 ging es am Tag der Abstimmung in Grossbritannien um 1,34 Prozent auf 2113,32 Zähler nach oben und der technologiewertelastige Nasdaq 100 stieg um 1,42 Prozent auf 4467,482 Punkte.

Märkte nehmen EU-Verbleib vorweg

Wettquoten bei Buchmacher signalisierten zuletzt, dass kaum noch mit einem Brexit gerechnet wird. Dem Marktexperten Daniel Saurenz von Feingold Research zufolge haben die jüngsten Kursgewinne an den Aktienmärkten denn auch einen Verbleib der Briten in der EU bereits vorweg genommen.

Noch steht die Entscheidung aber nicht fest. Die britischen Wahllokale sind bis zum späten Abend geöffnet. Erste Ergebnisse werden am Freitagmorgen erwartet. Sollte es entgegen den Erwartungen doch zu einem Brexit kommen, rechnen Börsianer mit heftigen Reaktionen an den Finanzmärkten.

Über deutliche Kursgewinne von 5,81 Prozent sowie 4,71 Prozent freuten sich die Aktionäre der Düngerkonzerne Potash und Mosaic . Die Papiere profitierten von der Hoffnung auf höhere Kalidünger-Preise. Händler verwiesen unter anderem auf Spekulationen, dass Weissrussland und Russlands grösster Kalihersteller Uralkali eine Vertriebsallianz eingehen könnten. Das könnte die Kali-Preise insgesamt stützen.

Unter den Gewinnern waren auch Bankenwerte. Goldman Sachs verteuerten sich an der Spitze des Dow Jones um mehr als 3 Prozent. Für JPMorgan ging es um mehr als 2 Prozent nach oben und Citigroup gewannen mehr als 4 Prozent.

Die Aktien des Halbleiterkonzerns Micron Technology stiegen um mehr als 10 Prozent, nachdem das Investmenthaus Nomura sie von "Reduce" auf "Buy" hochgestuft hatte.

Kurse des Pfund und Euro steigen

Auch am Devisenmarkt spiegelte sich die Zuversicht der Investoren mit Blick auf das EU-Referendum wider. Das britische Pfund und der Euro gaben zuletzt zwar einen Teil ihrer Gewinne ab, hielten sich im Vergleich zur Wochenmitte aber im Plus. Das Pfund stieg bis auf 1,4872 Dollar und der Euro rückte auf 1,1379 Dollar vor. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1389 (Mittwoch: 1,1283) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8780 (0,8863) Euro gekostet.

Als sicherer Hafen geltende US-Staatsanleihen waren hingegen weniger gefragt. Der Kurs richtungweisender zehnjähriger Papiere fiel um 16/32 Punkte auf 98 30/32 Punkte. Ihre Rendite betrug 1,74 Prozent.

(AWP)