US-Banken im Visier aktivistischer Investoren

Ein Trio aktivistischer Investoren nimmt 2017 grosse US-Banken ins Visier. Aus einem bestimmten Grund.
10.12.2016 08:55
Geht es nach den aktivistischen Investoren, sollen Goldman Sachs und Co. mehr Frauen einstellen (Bild: Goldman Sachs Hauptsitz in New York).
Geht es nach den aktivistischen Investoren, sollen Goldman Sachs und Co. mehr Frauen einstellen (Bild: Goldman Sachs Hauptsitz in New York).
Bild: Bloomberg

Sie verlangen, dass die Konzerne Vergütungsdaten für Männer und Frauen vorlegen und Angaben zu Rasse und Geschlecht ihrer Mitarbeiter machen.

Goldman Sachs Group, Citigroup, Bank of America und Wells Fargo & Co. gehören zu den Unternehmen, die Arjuna Capital, Trillium Investments und Pax World Management genauer unter die Lupe nehmen wollen. Ihrer Meinung nach liefert eine breit aufgestellte Belegschaft bessere Ergebnisse.

Zwar sind die drei Investoren relativ klein und verwalten jeweils nur ein paar Milliarden Dollar. Doch sie hatten bereits Erfolg dabei, Technologie-Giganten wie Apple und Intel dazu zu drängen, Vergütungsunterschiede preiszugeben.

Arjuna mit Sitz in Boston hat Vorschläge eingereicht, über die Investoren meist bei Jahreshauptversammlungen abstimmen und denen zufolge Bank of America, Wells Fargo, American Express Co. und Citigroup aufgefordert werden, Angaben zu Vergütungs-Ungleichgewichten zwischen männlichen und weiblichen Mitarbeitern zu machen. Ein ähnlicher Antrag sei für JPMorgan Chase & Co. geplant, wie Natasha Lamb, Direktorin für Aktien-Analysen und Aktionärs-Engagement bei Arjuna, ankündigte.

In der 2016-Proxy-Saison hatte Lamb solche Vorschläge bei neun Technologie-Unternehmen eingebracht, darunter Apple und Intel. Sieben stimmten zu, Gehaltslücken zu veröffentlichen und Schritte zu unternehmen, diese zu schliessen.

Frauen sollen mehr gefördert werden

“Angesichts der finanziellen Vorteile breit aufgestellter Führungs-Teams ist die weibliche Talente-Lücke schlichtweg schlecht für das Geschäft“, erklärte Lamb. „Frauen auf der Leiter nach oben zu führen, ist wichtig. Und Unternehmen können damit beginnen, strukturelle Barrieren anzugehen wie etwa das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern.“

Frauen haben unter den Mitarbeitern von den rund 20 US-Banken mit mindestens 25 Mrd. Dollar an Kapital einen Anteil von rund 49 Prozent – doch sie kommen in den Boards lediglich auf einen Anteil von 21,5 Prozent und bekleiden gerade einmal 19,7 Prozent der Management-Positionen, zeigen Daten von Bloomberg.

Eine Umfrage von Glassdoor aus diesem Jahr ermittelte ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle in der Finanzbranche von 6,4 Prozent, eines der grössten im Vergleich.

Pax World Management aus dem US-Bundesstaat New Hampshire hat in diesem Herbst fünf Anträge zu diesem Thema eingereicht, darunter bei Goldman Sachs und Bank of New York. Nach eigenen Angaben ist Pax mit beiden Banken im Gespräch.

Aufmerksamkeit auf Vergütungsunterschiede lenken

Trillium Capital forderte Daten zu Rasse und Geschlecht von mehr als einem halben Dutzend an Finanzfirmen ein - darunter T. Rowe Price, First Republic Bank, Travelers Cos., Jones Lang LaSalle Inc., PNC Financial Services Group Inc., Aflac Inc. und Fifth Third Bancorp.

Zwar wird nur über einen winzigen Anteil der Aktionärsvorschläge tatsächlich abgestimmt und sogar noch weniger erhalten dann eine Zustimmung. Doch die aktivistischen Investoren sagen, sie wollen die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken und die Unternehmen dazu bewegen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen.

Nach den Regeln der US-Finanzaufsicht Securities and Exchange Commission müssen Investoren einen Anteil von 2000 Dollar an einem Unternehmen für mindestens ein Jahr halten, bevor sie einen Antrag einreichen können.

“Unternehmen verstehen die Geschäftsgründe durchaus”, sagt Heather Smith, Analystin bei Pax. Die Firma verwaltet den Global Women’s Index Fund – eine Auswahl von Unternehmen mit einer starken weiblichen Repräsentanz, die sich im Jahr bis zum 31. Oktober besser entwickelte als ihre Benchmark. „Ich glaube nicht, dass das Thema in nächster Zeit von der Bildfläche verschwindet.“

(Bloomberg)