US-Banken rüsten sich für Turbulenzen nach der Wahl

Um bei allfälligen massiven Kursausschlägen an der Börse nach der Präsidentenwahl gewappnet zu sein, stocken die Banken ihre Teams im Handel am Mittwoch vorübergehend auf.
08.11.2016 19:30
Die US-Investmentbanken möchten bei allfällig starken Kursausschlägen nach Bekanntgabe des Resultats der Prädidenschaftswahl nicht im Regen stehen.
Die US-Investmentbanken möchten bei allfällig starken Kursausschlägen nach Bekanntgabe des Resultats der Prädidenschaftswahl nicht im Regen stehen.
Bild: Bloomberg

Der Schock nach dem überraschenden Brexit-Votum im Juni sitzt noch tief: Am Tag nach der Abstimmung war das US-Börsenbarometer S&P 500 um 3,6 Prozent eingebrochen, die Volatilität war hoch, viele Anleger wurden auf dem falschen Fuss erwischt, es herrschte grosse Unruhe in den Handelsräumen der Investmentbanken.

Das soll nun im Zuge der US-Präsidentenwahl nicht noch einmal passieren, zumindest wenn es nach den grossen amerikanischen Geldhäusern geht. J.P. Morgan, Goldman Sachs und Co. bereiten sich seit Tagen akribisch auf mögliche Finanzmarktturbulenzen vor. Die letzten Umfragen sahen zwar die demokratische Bewerberin Hillary Clinton knapp vorne. Aber auch ein Sieg ihres republikanischen Rivalen Donald Trump ist nicht ausgeschlossen. Er gilt wegen seiner Unberechenbarkeit als "Börsenschreck".

Kursausschläge von bis zu 5 Prozent möglich

Händler gehen davon aus, dass es am Mittwoch an den US-Aktienmärkten zu Kursausschlägen von 2 Prozent nach oben oder unten kommen könnte. Im Falle eines Siegs von Trump halten die Experten von Citigroup sogar einen Kurssturz des S&P 500 von 3 bis 5 Prozent für möglich.

Die US-Investmentbank Morgan Stanley baut vor: Hier sollen Händler sogenannte Stop-Loss-Order prüfen, wenn es zu besonders starken Kursausschlägen kommt, wie aus einem internen Papier der Bank hervorgeht. Dabei handelt es sich um automatisierte Handelsaufträge, bei denen Aktienpositionen verkauft werden, sobald ein bestimmtes Kursniveau erreicht wird. J.P. Morgan hält nach Auskunft eines Sprechers in der Wahlnacht in New York zusätzliche Händler bereit. Sie sollen die Teams in Asien unterstützen, sollten die Handelsvolumina in die Höhe schiessen. Ähnliche Pläne gibt es bei der Citigroup und der britischen Grossbank HSBC, die einen besonders starken Fokus auf Asien hat.

Auch Beratungen mit grossen Kunden unmittelbar nach der Wahl sind bei einigen Häusern geplant. Unter anderem Bank of America und Wells Fargo haben Telefonkonferenzen mit Managern der Vermögensverwaltung angesetzt.

Erinnerungen an die Finanzkrise

Nach Einschätzung des Brokerhauses Nomura bringt die US-Wahl so viel Unsicherheit für die Märkte mit sich, wie es sie seit der Finanzkrise nicht mehr gegeben hat. Die Experten gehen davon aus, dass die Aktienmärkte in Asien bei einem Sieg Trumps sogar um mehr als 6 Prozent einbrechen könnten. Der Ausgang der US-Wahl gilt in der gesamten Region als viel entscheidender als das Brexit-Votum, das vor allem Europa tangiert.

Trotz dieser Aussichten sind die deutschen Grossbanken nicht im Krisenmodus. Die Deutsche Bank und die Unicredit-Tochter HVB haben keine besonderen Notfallpläne ausgearbeitet. Die Deutsche Börse sieht sich gut gerüstet, sollte es wie damals beim Brexit wieder zu grossen Kursausschlägen und einer massiven Auslastung der Systeme kommen. So gibt es im Xetra-Handel die sogenannte Volatilitätsunterbrechung: Hier wird bei besonders starken Ausschlägen in eine mindestens zweiminütige Auktion gewechselt, um den Handel zu entschleunigen. Darüber hinausgehende Schritte sind nach offiziellem Bekunden nicht geplant. Das wiederum deckt sich mit dem, was auch von den US-Börsenbetreibern verlautete.

(Reuters)