US-Banken werden grösser – trotz angestrebtem Gegenteil

US-Aufseher, die Rettungsaktionen für so genannten «Too-Big-To-Fail»-Banken eigentlich verhindern wollen, haben so viele neue Regeln erlassen, dass regionale Finanzinstitute fusionieren, um die Kosten stemmen zu können.
22.08.2016 20:02
Die Freiheitsstatue in New York, mit Blick auf das Finanzzentrum-Manhattan.
Die Freiheitsstatue in New York, mit Blick auf das Finanzzentrum-Manhattan.
Bild: Bloomberg

Fusionen und Übernahmen von US-Banken sind im vergangenen Jahr auf rund 18 Mrd. Dollar nach oben geschossen. Das ist das höchste Volumen seit 2009. In diesem Jahr dürfte dieser Wert sogar noch übertreffen werden, wie Daten von Bloomberg nahelegen.

In neun der zehn grössten Transaktionen, die 2016 abgeschlossen wurden, verweisen die Banken, die sich selbst zum Verkauf stellen, auf höhere aufsichtsrechtliche Belastungen als einen der Gründe. Das zeigen Pflichtmitteilungen an die Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission. Die anhaltend niedrigen Zinsen und die damit einhergehende Gewinnerosion verschärfen den Druck.

"Es ist schwieriger für alle Banken, die Gewinne, die Erträge in diesem Umfeld, in dem wir tätig sind, zu erhöhen", sagte Steve Steinour, Vorstandschef von Huntington Bancshares, in der vergangenen Woche in einem Interview. Sein Unternehmen hatte zuvor die Übernahme von FirstMerit abgeschlossen. "Und noch mehr aufsichtsrechtliche Erwartungen und mehr Belastungen werden kommen, wenn man so will. Diese Faktoren werden mehr Fusionen auf absehbare Zeit beeinflussen."

Keine neuen Finanzgiganten

Dennoch: Trotz der derzeitigen Zusammenschlüsse in der Branche werden wahrscheinlich keine Finanzgiganten entstehen - wie das noch bei der Fusionswelle in den 1990er Jahren der Fall war, die zur Schaffung globaler Titanen wie etwa Citigroup und Bank of America geführt hatte.

Das liegt zum einen daran, dass die Giganten einen riesigen Vorsprung haben - mit einer Bilanzsumme von deutlich mehr als 1 Billion Dollar. Viele der kleinen Banken wollen zudem nicht die Grenzen von 10 Mrd. Dollar, von 50 Mrd. Dollar und von 250 Mrd. Dollar erreichen, die dann zusätzliche aufsichtsrechtliche Massnahmen auslösen würden, die im Rahmen der Gesetzgebung nach der Finanzkrise festgeschrieben worden waren.

"Es gibt ein Widerstreben bei den Banken, in die Ränge von so genannten systemisch wichtigen Finanzinstituten aufzusteigen", sagt Kip Weissman, Partner bei der Anwaltskanzlei Luse Gorman, die bei Transaktionen berät. "Viele Banken in der Grösse von 20 Mrd. Dollar oder 30 Mrd. Dollar sind unwillig in Richtung der Grösse von 50 Mrd. Dollar zu gehen."

Banken, die eine bestimmte regulatorische Schwelle überschreiten und es daher mit höheren Compliance-Kosten zu tun bekommen, können Druck verspüren, sogar noch weiter zu wachsen. Ein Finanzinstitut, das beispielsweise die Bilanzmarke von 10 Mrd. Dollar nimmt, muss wahrscheinlich schnell auf mindestens 12 Mrd. Dollar klettern, um einen angemessenen Ertrag zu erzielen, sagte Analyst Chris McGratty von Keefe Bruyette & Woods im Juli bei einer Konferenz.

Bill Hickey, Co-Chef für Investmentbanking bei Sandler O’Neill, glaubt, dass die Transaktionen weiter zunehmen werden, falls sich für die Banken die Zinsen nicht verbessern.

"Wir werden in der zweiten Jahreshälfte Aktivitäten sehen, die über jenen im zweiten Halbjahr des vergangenen Jahres liegen", sagt er. "Falls sich die Form der Rendite-Kurve nicht signifikant verändert, glaube ich, dass 2017 ein grosses Jahr für Banken-M&A sein wird."

Erst am Donnerstag der vergangenen Woche hatte United Bankshares zugestimmt, den Wettbewerber Cardinal Financial Corp. im Rahmen einer rund 912 Mio. Dollar schweren Transaktion zu übernehmen. Und vergangenen Monat wurde der Kauf von Yadkin Financial durch FNB für etwa 1,4 Mrd. Dollar verkündet.

(Bloomberg)