US-Börse: Schwindende Wirkung von Aktienrückkäufen

Amerikanische Unternehmen kaufen so kräftig eigene Aktien zurück wie noch nie. Allerdings macht sich das nicht mehr in der Kursentwicklung bemerkbar, so die besorgten Ökonomen der UBS.
24.08.2016 08:35
Von Lorenz Burkhalter
US-Börse: Schwindende Wirkung von Aktienrückkäufen

In den letzten Jahren erwiesen sich die Aktienrückkaufprogramme amerikanischer Unternehmen als treibende Kraft hinter dem Kursanstiegen der New Yorker Leitbörse. Experten schätzen, dass jährlich zwischen 3 und 5 Prozent aller ausstehenden Aktien absorbiert wurden.

Wie die Ökonomen der UBS zu berichten wissen, hat die Rückkauftätigkeit nicht nachgelassen. Bankeigenen Erhebungen zufolge kauften Firmen alleine im ersten Quartal für 164 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück. Auf das Gesamtjahr hochgerechnet ergibt das einen neuen Rekordwert, der über jenem aus dem Jahr 2007 liegt. Das überrascht nicht, schwimmen die amerikanischen Unternehmen doch geradezu im Geld. Und dank den weiterhin tiefen Zinsen lässt sich günstig weiteres davon aufnehmen.

Vorbote eines Börsenrücksetzers?

Allerdings entfalten die Aktienrückkäufe nicht mehr die gewünschte Wirkung, wie die Experten besorgt feststellen. Dabei verweisen sie auf die relative Entwicklung des von Standard & Poor’s eigens entwickelten Index für amerikanische Firmen, welche Rückkäufe tätigen. Dieser schneidet nämlich schon seit dem Frühjahr 2015 kontinuierlich schlechter als der breit gefasste S&P-500-Index ab.

In Kombination mit der historisch betrachtet stolzen Bewertung, der politischen Ungewissheit und des geringen Gewinnwachstums hegen die UBS-Ökonomen Zweifel an der Nachhaltigkeit der jüngsten Rekordjagd an der Börse in New York.

Sie glauben zwar weiterhin nicht, dass der seit März 2009 beobachtete Kursanstieg bereits in seinen letzten Zügen ist. Dennoch raten sie der eigenen Anlagekundschaft zu einem selektiveren Investitionsverhalten. Sprich: Was die Aktien von amerikanischen Unternehmen mit einem laufenden Aktienrückkaufprogramm anbetrifft, sollten Anleger vor allem auf solche von hoher Qualität und einer vernünftigen Bewertung setzen.