US-Börsen geben leicht nach

Die Anleger an der Wall Street haben am Mittwoch etwas enttäuscht auf Aussagen von Notenbankpräsidentin Janet Yellen zur künftigen Geldpolitik reagiert.
15.06.2016 22:44
Ein Trader an der Börse in New York blickt sorgenvoll auf die Bildschirme: Die Aussagen der Notenbank Fed machen den Anlegern keine Freude.
Ein Trader an der Börse in New York blickt sorgenvoll auf die Bildschirme: Die Aussagen der Notenbank Fed machen den Anlegern keine Freude.
Bild: Bloomberg

Die wichtigsten Aktienindizes schlossen moderat im Minus, nachdem sie zuvor noch leicht positiv auf den Zinsentscheid der Fed reagiert hatten. Die US-Notenbank hatte ihren Leitzins zwar wie erwartet unverändert gelassen, aber keine klaren Signale hinsichtlich eines Termins für eine Zinsanhebung gegeben. Die internationale Unsicherheit habe die Geldpolitik stark belastet, sagte Yellen.

Der Dow Jones Industrial fiel um 0,20 Prozent auf 17 640,17 Punkte, nachdem er kurz nach der Leitzinsentscheidung noch bis zu 0,50 Prozent gewonnen hatte. Damit verzeichnete der US-Leitindex bereits den fünften Verlusttag in Folge. Für den breit gefassten S&P-500-Index ging es am Ende um 0,18 Prozent auf 2071,50 Punkte nach unten. Der Technologiewerte-Index Nasdaq 100 büsste 0,35 Prozent auf 4409,51 Punkte ein.

Brexit als Gefahr

Die Anleger reagierten zudem leicht negativ auf die Einschätzung von Yellen, dass die jüngsten Konjunkturdaten "gemischt" ausgefallen seien. Zudem sagte sie, ein Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union stelle eine Gefahr für die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte dar. Die Briten stimmen am kommenden Donnerstag, den 23. Juni, über einen etwaigen Brexit ab.

Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der VP Bank zog ein skeptisches Fazit der Pressekonferenz von Janet Yellen im Anschluss an die Zinsentscheidung: "Die US-Währungshüter halten sich weiterhin alle Optionen offen. An den Finanzmärkten stellt man sich aber weiterhin die Frage: Was nun, Frau Yellen? Ein klarer Kurs fehlt." Eigentlich sollten die Währungshüter den Finanzmärkten eine Art von Fahrplan an die Hand geben, stattdessen rudere man in Washington vor und zurück. Analysten blieben in ihrer Urteilsfindung damit auf sich alleine gestellt.

Intel am Dow-Ende

Schlusslicht im Dow waren die Aktien des Chipherstellers Intel mit einem Minus von 1,65 Prozent. Für die Papiere vor Cisco Systems ging es um gut 1 Prozent nach unten. Die US-Bank Goldman Sachs hatte ihre Kaufempfehlung für die Aktien des Netzwerkriesen gestrichen. An der Dow-Spitze stiegen die Anteilsscheine der Baumarktkette Home Depot um rund 1 Prozent.

Für die Aktien von General Motors (GM) ging es immerhin um 0,10 Prozent nach oben. Die Ratingagentur Fitch hatte am Vorabend den Ausblick für die Kreditwürdigkeit des Autobauers von "stabil" auf "positiv" angehoben.

Twitteraktien ziehen an

Die Papiere von Twitter zogen um knapp 4 Prozent an. Marc Andreessen, der Mitbegründer der Risikokapitalgesellschaft Andreessen Horowitz, hatte gesagt, dass andere Unternehmen das Kommunikationsnetzwerk als Übernahmeziel ins Auge fassen könnten. Die Anteilsscheine waren bereits in den vergangenen Tagen deutlich gestiegen, nachdem Microsoft angekündigt hatte, das Karrierenetzwerk LinkedIn zu übernehmen.

Aktien von J.C. Penney stiegen um mehr als 4 Prozent. Der Vorstandsvorzeitende des Einzelhändlers hatte sich auf einer Analystenkonferenz positiv zur jüngsten Umsatzentwicklung geäussert.

Der Eurokurs legte nach dem US-Zinsentscheid etwas weiter zu und notierte zuletzt bei 1,1262 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs zuvor auf 1,1230 (Dienstag: 1,1225) Dollar festgelegt. Der Dollar hatte damit 0,8905 (0,8909) Euro gekostet. Richtungweisende zehnjährige US-Staatsanleihen stiegen um 11/32 Punkte auf 100 15/32 Punkte und rentierten mit 1,572 Prozent.

(AWP)