US-Börsen: Katerstimmung nach Jobdaten

Schwer zu deutende Arbeitsmarktdaten und ein Ausverkauf bei Technologieaktien haben die Anleger an der Wall Street am Freitag verunsichert.
05.02.2016 22:55
Schwierige Interpretation der neusten Jobdaten: Verunsicherte Händler an der Wall Street am Freitag.
Schwierige Interpretation der neusten Jobdaten: Verunsicherte Händler an der Wall Street am Freitag.
Bild: Bloomberg

Im Januar wurden weniger Jobs geschaffen als erwartet. Das verstärkte Sorgen um den Aufschwung der weltgrössten Volkswirtschaft. Zugleich fiel die getrennt erhobene Arbeitslosenquote um 0,1 Punkte auf 4,9 Prozent und damit den tiefsten Stand seit rund acht Jahren. Die Stundenlöhne zogen etwas mehr an als gedacht.

Dies wiederum schürte Spekulationen, dass die US-Notenbank trotz des Ölpreisverfalls und der Konjunkturabkühlung in China eine Zinserhöhung in diesem Jahr noch nicht zu den Akten gelegt hat und die Flut des billigen Geldes als Treibstoff für die Kurse allmählich abebben könnte. Zudem löste das Karriere-Netzwerk LinkedIn mit einem Quartalsverlust und einem enttäuschenden Ausblick einen Ausverkauf bei Techwerten aus.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte verlor 1,3 Prozent und schloss mit 16'204 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab um 1,9 Prozent auf 1880 Zähler nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq büsste sogar 3,3 Prozent auf 4363 Punkte ein. Dies war der niedrigste Stand seit Oktober 2014. Auch die gesamte Woche schlossen die Indizes mit Verlusten ab: Beim Dow betrug das Minus 1,6 Prozent, beim S&P 3,1 Prozent und beim Nasdaq 5,4 Prozent.

Weitere Zinserhöhung im März noch nicht vom Tisch

Die US-Jobdaten mahnten die Märkte zur Vorsicht, dass es zu früh sei, eine Zinserhöhung der Fed im März abzuschreiben, sagte Allianz-Berater Mohamed El-Erian. Ähnlich äusserte sich Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann: "Der Arbeitsmarktbericht ist sicherlich nicht geeignet, die Fed wieder optimistischer zu stimmen", sagte er. "Allerdings ist dennoch fraglich, ob die US-Notenbank tatsächlich alle Zinserhöhungsschritte für dieses Jahr abblasen wird." Die Fed hatte im Dezember erstmals seit fast zehn Jahren die Zinsen erhöht.

Die Aktien von LinkedIn brachen um fast 44 Prozent ein. Das weltgrösste Karrierenetzwerk rutschte im vierten Quartal in die Verlustzone und verbuchte das langsamste Wachstum im Geschäft mit Online-Werbung seit mehr als zwei Jahren. Zudem enttäuschte es mit seiner Prognose für Umsatz und Gewinn in den ersten drei Monaten des Jahres. Der Börsenwert des Unternehmens fiel um fast elf Milliarden Dollar. Dies belastete auch Tech-Schwergewichte wie Amazon (-6,4 Prozent) und Facebook (-5,8 Prozent).

Murdochs News Corp muss Federn lassen

Die Aktie von News Corp gab rund 9 Prozent nach. Der Konzern von Medienmogul Rupert Murdoch, zu dem das "Wall Street Journal" gehört, verbuchte das vierte Quartal in Folge einen Umsatzrückgang. Auch der Gewinn schrumpfte.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,14 Milliarden Aktien den Besitzer. 720 Werte legten zu, 2328 gaben nach, und 111 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,46 Milliarden Aktien 509 im Plus, 2288 im Minus und 142 unverändert.

US-Staatsanleihen waren angesichts der Turbulenzen am Aktienmarkt gefragt: Zehnjährige Papiere stiegen um 5/32 auf 103-19/32. Die Rendite sank auf 1,84 Prozent. Beim 30-jährigen Bond betrug das Plus 12/32 auf 106-17/32. Er rentierte mit 2,68 Prozent.

(Reuters)